Durch Corona wurden im Frühjahr gezwungener Maßen und schnell viele Büroarbeitsplätze ins Home Office verlagert. Mittlerweile fordern schon Parteien, ein Recht aufs Arbeiten zuhause gesetzlich zu verankern. Fakt ist, die Zahl derer, die den Schreibtisch mit dem Esstisch als Arbeitsplatz tauschen, wird größer. Auch dann, wenn die Pandamie einmal überstanden sein sollte. Aber kann man den Arbeitsort so einfach in die eigenen vier Wände verlegen?

Corona beschleunigt nur die Entwicklung zum Home Office

„Ja“, meint Stefan Reuter. Das Home Office sei nur die logische Konsequenz einer Entwicklung, die der Geschäftsführer DACH von BakkerElkhuizen „New Work“ nennt. Open Space, wie man ihn beispielsweise bei Coworking Spaces erleben kann, sei der Anfang gewesen. Man arbeite nicht mehr an einem vom Arbeitgeber bereitgestellten Ort. Coronabedingt wurden die Leute nun vom öffentlichen in den privaten Raum gezwungen. Einen Weg ganz zurück sehe er eher nur bedingt. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen stimmen.

Ergonomische Lösungen für zuhause notwendig

Und dazu gehören neben der Grundausstattung Laptop, Datenverbindung und Telefon vor allem ergonomische Voraussetzungen. Reuter weiß, wovon er spricht. Denn die Holländer, für die er den deutschsprachigen Raum managt, sind bei ergonomischen Hard- und Software-Lösungen am Arbeitsplatz ganz vorn mit dabei. Zunächst einmal müsse im Home Office der Arbeitsplatzverordnung Genüge getan werden. Danach sei bei längerer Arbeit beispielsweise eine Trennung von Bildschrim und Tastatur vorgeschrieben.

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Ein Laptop allein tue es also nicht mehr, weil hier zudem Eingabefeld und Screen zu nahe beieinander seien. Neben der externen Tastatur kommt eine separate Mouse ins Spiel. Da nur Zehnfinger-Schreiber, also gerademal zehn Prozent aller Nutzer, mit geteilten Keyboards arbeiten können, konzentriert sich BakkerElkhuizen auf kompakte Eingabegeräte, sogenannte Ultraboards. Aber auch die können nicht verhindern, dass dann der Bildschirm etwas zu weit vom Arbeitenden und dazu im falschen Winkel steht. „Für dieses Problem haben wir Laptop- und Tablethalter entwickelt. Mit denen kann der Bildschirm in individuell richtiger Sichtachse und Entfernung platziert werden“, so der 35-jährige weiter. Wenn notwendig empfiehlt er zudem Dokumentenhalter, die zusätzlich dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz so kompakt wie möglich eingerichtet ist.

Komplett recycelbare Lösungen dank PET-Filz

BakkerElkhuizen sieht sich selbst als Innovationsführer in der Ergo-Branche. Niemand geringeres als John van Hooft, der Eigentümer selbst, gilt als ausgemachter Experte auf dem Gebiet. Zwar wird nicht grundsätzlich in Holland produziert, doch hier entwickelt man die zugrundeliegenden Technologien und betreibt die Ergonomieforschung. Nicht zuletzt findet im Stammsitz auch der Test der Prototypen statt. Darüber hinaus hat man im deutschen Moers einen Showroom eingerichtet, in dem regelmäßig Seminare in Sachen Arbeitsplatzgesundheit und Ergonomie stattfinden. Von hier aus stand Stefan Reuter dann auch fürs Video-Interview bereit, bei dem er gleich die neue Bürotrennwand für Akustik und als Spukschutz vorstellt. Neben dem Produkt ist vor allem das Material interessant. PET-Filz - hergestellt aus recycelten Plastikflaschen. Leicht, robust und selbst wiederverwertbar. Die Holländer wollen auf dieser Basis eine ganze Produktlinie auf den Markt bringen, die sich komplett in eine geschlossene Kreislaufwirtschaft einfügt.

Auch mental vom Job abschalten

Allerdings sind die Arbeitsmittel nur ein Teil dessen, was für längeres oder dauerhaftes Home Office vonnöten ist. Auch wenn BakkerElkhuizen sie im Portfolio hat, nicht jeder wird sich einen höhenverstellbaren Schreibtisch ins Wohnzimmer stellen. Reuter rät gar davon ab. Denn es sei notwendig, Arbeit und Wohnen voneinander zu trennen, sich auch mental vom Job zu lösen. Ungemein wichtig für den Erholungseffekt. „Work & Move“ heißt die Softwarelösung, die dabei helfen soll. Als sogenannte Pitstop-Software sorgt das Programm für mehr geistige und körperliche Beweglichkeit des Anwenders. Denn es überwacht die Computertätigkeit und schlägt entsprechend von beispielsweise Zeit oder Anschlägen Pausen vor. Oder eine Veränderung der Haltung von sitzen zu stehend - gekoppelt an einen entsprechenden Tisch wird dies gar automatisch ausgelöst. Daneben wird eine Reihe von Denkaufgaben verabreicht, so dass man sich auch mental von der ausgeübten Tätigkeit lösen kann. Als Paket soll dies zu mehr Konzentration und Energie führen.

Headset für Meeting und Freizeit

Da viele Telefongespräche wie auch Online-Meetings zwangläufig zum Home Office gehören, bieten unsere westlichen Nachbarn natürlich auch hier ergonomische Lösungen an. Das Headset „Tilde Air Premium“ wurde ursprünglich für Mitarbeiter in Großraumbüros entwickelt. Dank Active Noise Cancelling kann es die normalen Bürogeräusche von ca. 65 auf 30 db reduzieren. Dies ist per Schieberegler einstellbar. Anders als normale Headsets ist Tilde aber kein On-Ear-Hörer, sondern arbeitet mit In-Ear, so wie mittlerweile alle Ohrknöpfe von Smartphones etwa. Allein schon dadurch kommt es zu einer Reduktion der Umgebungslautstärke. Auf der anderen Seite erfolgt die Kommunikation über Mikrofone, die in einem Bügel untergebracht sind. Um den Hals gelegt befinden sich die Mics dann nahe des Kehlkopfes, was ein besonders entspanntes und damit leises Sprechen ermöglicht. Was in großen Bürogemeinschaften funktioniert kann auch im Familienverband nicht von Nachteil sein. Um so weniger, als dass es einfach per Bluetooth verbunden wird und auch mit Sprachassistenten arbeitet. Nicht zuletzt gibt es natürlich ebenso Musik wieder. Im Tilde, so scheint es, ist die zukunftsweisende Verbindung von Arbeitsplatz und privater Umgebung schon Wirklichkeit geworden.