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Rezepte für ein gesundes Gewicht

Selbst schuld am Speck?

Ina Matthes ist Mitarbeiterin der MOZ in Frankfurt (Oder). 12. 01. 2007
Ina Matthes ist Mitarbeiterin der MOZ in Frankfurt (Oder). 12. 01. 2007 © Foto: MOZ
Ina Matthes / 01.07.2017, 12:39 Uhr - Aktualisiert 16.10.2017, 18:21
Frankfurt (Oder) (MOZ) Frauenmagazine sind oft Ansichtssache. Sie bestehen aus Fotos mit Buchstaben-Deko. Meist reicht es, die Bilder zu sehen, um die Botschaft zu verstehen. Vor der Urlaubszeit springt da vor allem eine ins Auge: die Bikinifigur. Die gibt es, so das gedruckte Versprechen, im Fitnessstudio und an der Gemüsetheke.

Sind wir selbst schuld am Speck? Ist Gewicht eine reine Willensfrage? Was Besucher der Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin im Institut für Gesundheitsforschung zu hören bekamen, geht da runter wie Sahnetorte: Es gibt sie doch, die guten und die weniger guten Futterverwerter. Berliner Wissenschaftler gaben Menschen mit und ohne Übergewicht je 300 Gramm Quark zu essen. Um Eiweiß zu verarbeiten, muss der Körper allerdings erst mal etwas Energie investieren. Bei den Dickeren weniger als bei den Dünnen - sprich, bei den Dickeren bleibt vom Becher Quark mehr übrig für die Hüfte. Aber - wie viel von unseren Pfunden ist Erblast? "Das ist die 64-Millionen-Dollar-Frage", sagt der Genetiker Giles Yeo von der Universität Cambridge. Dass die Gene eine Rolle spielen, scheint hingegen klar. Manche Menschen sind immer etwas hungriger als andere, sagt Yeo. Er hat ein verändertes Gen gefunden, das für die Produktion von etwas mehr Hunger-Hormonen verantwortlich ist. Doch ein Gen allein macht nicht fett. Es sind viele, die mitmischen, meint der Forscher aus Cambridge. Verstanden ist das längst nicht.

Fest steht aber, was auf die Hüfte rauf will, muss zuerst in den Magen rein. Die Energie, die die Verdauung aus der Nahrung herausholt, wird überwiegend für den laufenden Betrieb gebraucht: sich warm halten, Treibstoff fürs Hirn produzieren, für die Organe,den Stoffwechsel. Bewegung schluckt auch Energie und ist gesund, aber: Was beim Sport drauf geht, überschätzen die meisten Menschen, meinen Berliner Gesundheitsexperten. So kostet eine Stunde moderates Radfahren um die 100 Kilokalorien. Wer danach guten Gewissens zulangt, isst schnell zu viel. Die Energie, die der Körper nicht verbraucht, lagert er als Fett ein: Erst ins Unterhautfettgewebe. Dann in Muskeln und Organe wie Leber und Darm. Dieses innere Fett halten Forscher für gefährlich. Es steht im Verdacht, Diabetes, aber auch Krebs auszulösen.

Deshalb ist Abspecken keine schlechte Idee. Diäten sind es schon. Wer schnell viel verliert, hat schnell viel wieder drauf. Weil der Körper sich auf Hungern einstellt und aus weniger Input mehr Energie herauszieht. Gesundheitsexperten raten zum stufenweisen Abnehmen. Etwa drei Kilo Gewicht verlieren - und den neuen Wert eine ganze Weile halten. Damit sich der Stoffwechsel anpassen kann. Der Verdauungsmaschinerie sollte man auch mehr Zeit gönnen, sie nicht ständig mit Essen stressen. Um 300 Gramm Quark zu verarbeiten, braucht sie bis zu sechs Stunden. Ganz schön viel für ein bisschen Milchprodukt.

Tests mit Mäusen und Erfahrungen bei Menschen zeigen, dass längere Pausen helfen gegen zu viel Masse. Sie zwingen den Körper, Fettreserven anzugreifen. Wer 18 Uhr das Essen einstellt und frühestens 6 Uhr das Müsli löffelt, kann sich im Schlaf schlank halten. Ziel sollte ein individuelles Gewicht sein, das für einen Menschen unter für ihn annehmbaren Bedingungen erreichbar ist, meint Adipositas-Forscher Martin Wabitsch. Wenn's zur Bikinifigur nicht reicht, dann halt Badeanzug.

Fragen und Meinungen zu Nachgeforscht an: cvd@moz.de

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