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Lebensgefühl Auto
Chrom, Blech und viel Wissenswertes

Lebensgefühl Auto
Lebensgefühl Auto © Foto: Dorling Kindersley
Stefan Klug / 19.11.2019, 17:03 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) In Zeiten der Hysterie, in denen alles, was vier Räder und einem Verbrenner hat, verteufelt oder zumindest mit einer Scham belegt wird, ein Autobuch zu veröffentlichen, erscheint irgendwie als Anachronismus oder Provokation gar. Giles Chapman stand nach nichts von alledem der Sinn. Sein "Lebensgefühl Auto" ist ein Statement für die Blechkiste, die die Deutschen immer noch gern als ihr liebstes Kind bezeichnen. Und schließlich haben die Anfeinder zwar lauthals die Straße, aber noch lange nicht die Köpfe der breiten Masse erobert. Letztere darf sich freuen auf einen illustren Rundgang durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jenes Fortbewegungsmittels, das in den vergangenen mehr als einhundert Jahren unser aller Leben verändert hat. Daher trifft die Unterzeile der recht üppigen Zusammenstellung auch genauer den Kern dessen, was den Leser erwartet: Eine visuelle Geschichte des Fahrens.

Diese ist mehr oder weniger in acht große Kapitel unterteilt, die sich an der Chronologie der Ereignisse orientieren. Und es macht durchaus Sinn, vorn, also am Anfang anzufangen. Denn nur dann kann man bestimmte Ereignisse oder Meinungen - und nicht nur die im Buch - besser einordnen. Beispiel gefällig? Die geringe Reichweite von nur knapp 130 Kilometern, die Schwere der Batterien und nicht zuletzt die komplizierte Material-Lage führte schlussendlich zum Scheitern der E-Autos. Dies ist nicht etwa die düstere Zukunftsvision eines Verbrenner-Jüngers, sondern schlichtweg ein Fazit, das bereits um 1915 gezogen wurde. Denn bevor Benzin- und Diesel-Motoren die Autowelt beherrschten, wurden viele Karossen von Dampf, aber vor allem Elektromotoren angetrieben. Irgendwie kommen die realen Ereignisse bekannt vor, wenn man heutige Hinderungsgründe an der schnelleren Ausbreitung der neuen (alten) Technologie vernimmt. Tja, wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht meistern.

Aber wie gesagt, dem Autoren-Team liegen politische Statements fern, es sammelte und ordnete nur die Fakten. Zu denen gehören auch die wilden Jahre. Nachdem Ford die billige Massenproduktion ermöglicht hatte, brauchte es dringend eine ordnende Hand, um dem Chaos auf den Straßen Herr zu werden. Geradezu kurios muten die Verhältnisse an, wie sie anschaulich beschrieben und reichlich bildlich dokumentiert werden. Über 700 Fotos und Abbildungen finden sich auf den 360 Seiten, die vom Format her groß genug sind, das Gezeigte auch optisch wirken zu lassen. Denn zum Lebensgefühl gehören natürlich auch Glanz und Glamour. Nicht immer wurde das Auto so nüchtern als Fortbewegungsmittel und Alltagsgegenstand betrachtet wie heute. Abseits von reiner Technik gibt es so viel Interessantes und Unterhaltsames rund um Design, Fortschrittsglaube und illustre Ideen zu entdecken.

Aber, bei aller Bewunderung für Chrom, Blech und viele PS, gerade im Schlusskapitel thematisieren die Autoren auch die Zukunft des Autos. Nicht nur in Sachen alternativer Antriebe und autonomen Fahrens, auch die Umwälzungen in Folge von neuen Klima-Sichten und Abgasskandal spielen eine Rolle. Der Abgesang auf den Diesel scheint dabei ein wenig verfrüht. Hier merkt man, dass die ganze CO2-Diskussion bei Drucklegung noch nicht so wirklich Fahrt aufgenommen hatte. Ansonsten hält sich das Werk in Sachen Prognosen eher angenehm zurück.

Mit der Vorstellung fahrenswerter Strecken auf allen Kontinenten schließlich endet das papiergewordene Lebensgefühl Auto und jeder, der dem fahrbaren Untersatz etwas abgewinnen kann, wird sicher gut unterhalten worden sein und hat mit Sicherheit Dinge erfahren, die er noch nicht wusste.

Lebensgefühl Auto; Dorling Kindersley

www.dorlingkindersley.de

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