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Rassismus im Netz
Wie bemerken Eltern den Rechtsruck im Kinderzimmer?

Schlechter Einfluss? Nicht immer sind rechtsextreme Inhalte aus dem Internet gleich als solche zu erkennen.
Schlechter Einfluss? Nicht immer sind rechtsextreme Inhalte aus dem Internet gleich als solche zu erkennen. © Foto: Bonninstudio
Tobias Hanraths / 13.06.2020, 06:00 Uhr
Mainz Glatze, Springerstifel, grauenhafte Rockmusik: Wer das Wort "Nazi" oder "Rechtsextremer" hört, hat häufig noch immer dieses Bild vor Augen – dabei ist es längst überholt. Das macht es kompliziert für besorgte Eltern. Denn rechte Rattenfänger sind nicht verschwunden, nur besser versteckt, und das oft im Internet. "Dort, wo sich Jugendliche versammeln, tauchen über kurz oder lang auch rechtsextreme Communitys und Inhalte auf", sagt Michael Hebeisen, Fachreferent für Politischen Extremismus bei Jugendschutz.net.

Müssen Eltern also Angst haben, dass ihr Kind still und heimlich vor Smartphone oder PC nach rechts abrutscht? "Grundsätzlich besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich Jugendliche und junge Menschen radikalisieren, auch im Internet – und zunächst unabhängig von der politischen Richtung", sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Allerdings ist eine Radikalisierung ein Prozess – kein Schalter im Kopf, der einfach umgelegt wird. "Wir reden hier vor allem über Jugendliche ab etwa 13 Jahren aufwärts", sagt Hebeisen. "Die sind ganz generell in einer Umbruchphase und damit auch offen für neue Weltanschauungen." Allein das Internet für ein solches Abrutschen verantwortlich zu machen, greift aber zu kurz, sagt Hebeisen. Das Phänomen des einsamen Wolfes, der sich isoliert und in aller Stille radikalisiert, sei extrem selten. "Damit Jugendliche wirklich rechtsextreme Ansichten entwickeln, müssen sie nicht nur das entsprechende Angebot bekommen – sie müssen auch darin bestätigt werden", sagt Hebeisen. Bei diesen beiden Schritten, Angebot und Bestätigung, kann das Internet aber eine Rolle spielen.

Entsprechende Angebote finden sich fast überall: Nazis und Rechte gibt es auf Plattformen wie Facebook und Twitter ebenso wie an spezielleren Orten: Erst Mitte Dezember 2019 sperrte die Spiele-Plattform Steam gleich mehrere Nutzer und Gruppen mit einschlägigen Namen und verfassungsfeindlichen Symbolen wie dem Hakenkreuz. Doch um auf rechtsextreme Inhalte zu stoßen, müssen Jugendliche gar nicht gezielt danach suchen. Das übernehmen die Algorithmen von Plattformen wie Youtube. Hebeisen dazu: "Es gibt auf YouTube kaum ein gesellschaftliches Thema, wo Sie nicht unter den ersten 20 Treffern Videos mit antisemitischen Inhalten haben."

Ein weiterer Zugang können Influencer aller Art sein. Das sind Hip-Hop- und YouTube-Stars ebenso wie Streamer. Diese führen auf Portalen wie Twitch eigentlich Computerspiele vor, sondern dabei aber auch mal rechte Parolen ab. "Oft ist das vor allem die Lust am Tabubruch, das ist jetzt gerade in Jugendkulturen nichts Neues", sagt Hebeisen.

Ist der Jugendliche dann einmal gut in rechtsextremen Strukturen vernetzt, droht der Filterblasen-Effekt: Das Vorurteil wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. "Das kann tatsächlich eine verschobene Wahrnehmung der Realität auslösen, weil ich zum Beispiel nur noch Nachrichten über Probleme mit Ausländern erhalte", sagt Schmidt.

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