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Klimawandel
Studie: Bäume pflegen statt pflanzen

Das von der Deutschen Umweltstiftung zur Verfügung gestellte Handout zeigt einen Räumungsschlag im Westerwald. Statt neue Bäume in den Boden zu bringen, sollte die Pflege des vorhandenen Bestandes im Fokus stehen, fordern Experten.
Das von der Deutschen Umweltstiftung zur Verfügung gestellte Handout zeigt einen Räumungsschlag im Westerwald. Statt neue Bäume in den Boden zu bringen, sollte die Pflege des vorhandenen Bestandes im Fokus stehen, fordern Experten. © Foto: Deutsche Umweltstiftung Pierre Ibisch/dpa
DPA / 26.06.2020, 05:10 Uhr - Aktualisiert 07.07.2020, 02:24
Berlin/Eberswalde (dpa) Ein durch die Klimaerwärmung bedingtes Waldsterben ist aus Sicht von internationalen Experten nicht durch massenhafte Neuanpflanzung von Setzlingen zu verhindern.

Statt neue Bäume in den Boden zu bringen, sollte die Pflege des vorhandenen Bestandes im Fokus stehen, fordern Wissenschaftler aus Spanien, Polen, Schweden und Deutschland im Wissenschaftsmagazin "Science".

Als Aktionismus wird vor allem die neue Biodiversitätsstrategie der Europäischen Union kritisiert. Exoten, die angeblich besser an den Klimawandel angepasst seien, könnten sogar schädlich sein, wird betont.

Die EU plane zwar, noch vorhandene alte Wälder zu schützen, sagte Co-Autor Pierre Ibisch, Biologe an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Umweltstiftung. "Aber es ist völlig irrelevant und aussichtslos, diese als kleine isolierte Inseln in der Landschaft zu bewahren, wenn gleichzeitig in der Umgebung eine intensive Forstwirtschaft praktiziert wird", betonte er.

Alte Wälder und Urwälder machen laut einer von den Autoren zitierten Studie nur noch rund 0,7 Prozent der Waldfläche in Europa aus, von denen weniger als die Hälfte geschützt sei. Entscheidend sei also, was auf dem Rest der Waldfläche passiere, hieß es.

Die EU wolle Wälder wiederherstellen, sehe hierfür lediglich drei Milliarden neue Bäume vor, wird kritisiert. Wälder sollten sich selbst regenerieren können.

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit mehr als einer Milliarde Euro geförderten Maßnahmen für Neuanpflanzungen seien nicht durch die ökologische Forschung abgedeckt, betonte Ibisch. Auf nicht total beräumten Schadflächen - wie nach Waldbränden - siedelten sich auf natürliche Weise spontan und kostenlos Bäume an. Viele der neu gepflanzten Exemplare würden jedoch absterben.

Laut Waldzustandserhebung 2019 sind in Deutschland bislang bereits 180.000 Hektar Wald abgestorben - gut zwei Drittel der Fläche des Saarlandes. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einer weiteren Verschärfung der Lage, weil sich Schädigungen erst mit Verzögerungen bemerkbar machen.

© dpa-infocom, dpa:200626-99-570169/2

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