"Ich wünschte derzeit, ein Tag hätte 30 Stunden", sagt Nammo-Geschäftsführer Christoph Rüssel. Bei dem Munitionsentsorger in Pinnow wird rund um die Uhr gearbeitet und derzeit könnte es noch viel mehr sein. Die Auftragsbücher sind voll. Gerade gewann die Firma eine Ausschreibung der Schweiz: 200 000 Streubomben - der gesamte Bestand des Alpenlandes - werden nun in der Uckermark vernichtet. Wie viel Euro der Auftrag wert ist, will er nicht sagen. Aber so viel: es sei eine Grundauslastung für die Anlage in Pinnow mit ihren 85 Mitarbeitern für die nächsten drei Jahre. "Alle wollen zurzeit abrüsten", so Christoph Rüssel. Die Gründe sind unterschiedlich. Der Vertrag von Oslo, der Streumunition ächtet, trat 2010 in Kraft. Mehr als 100 Staaten haben ihn unterschrieben und rüsten ihre Bestände nun ab. Das deutsche Verteidigungsministerium lässt darüber hinaus alte Lagerbestände verschrotten oder nicht mehr benötigte Munition, weil die Armee verkleinert wurde bzw. Standorte aufgegeben wurden. Ein Teil werde in andere Länder verkauft, so Rüssel, der Rest wird vernichtet. Dann gibt es eine europaweite Ausschreibung, auf die sich die Firma bewirbt.
Das Hauptgeschäft ist für die Pinnower Firma, die zum norwegischen Rüstungskonzern Nammo AS gehört, die Streumunition - aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und aus Japan. In der Uckermark wird jedoch alles abgerüstet vom Kleinkaliber bis zur Rakete.
Aber hier wird nichts gesprengt. Das passiert in Norwegen. Dort wird in einer ehemaligen Kupfermine, in der das Gestein besonders hart ist, von eine Nammo-Firma auch ein ganz kleiner Teil der Schweizer Streubomben gesprengt. "Da bleibt wirklich nichts mehr übrig", so der Geschäftsführer.
Das meiste wird aber zerlegt. Explosivstoffe, wie TNT, werden verbrannt. Wenn es in Pinnow einmal knallt, sind das keine Sprengungen, sondern zum Beispiel die Hülsen, die sich beim Verbrennen im Ofen öffnen. Einige der Explosivstoffe werden auch verkauft, ebenso wie die Metalle.
"Wir versetzen die Sachen in einen solchen Zustand, dass sie nicht mehr verwendbar sind", so Christoph Rüssel.
Die Munition wird meist per Lkw, aber auch mit der Bahn nach Pinnow angeliefert.
Für die Entsorgung braucht es Fachkräfte, erzählt der Geschäftsführer. Ein Grund, warum man das Werk in Pinnow übernahm. Im Instandsetzungswerk Pinnow wurden hier zu DDR-Zeiten Raketen gewartet. Erfahrung sei das Entscheidende, was die Arbeiter brauchen. Und bei so vielen Munitionstypen dauert es bis zu zehn Jahre, bevor man ein richtiger Fachmann sei.
Munitionsentsorgung ist ein gutes Geschäft. Das vierte Jahr in Folge schreibt die Firma in der Uckermark schwarze Zahlen. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Aufträge werden nicht so schnell ausgehen, meint der Chef.
Das Potenzial sei noch für die nächsten Jahre da. Denn erst 25 bis 30 Prozent der Länder, die das Oslo-Abkommen unterschrieben haben, hätten ihre Streumunition schon entsorgt, so Rüssel.