Nach zwei Jahren mit viel zu wenig Niederschlag und kaum Wasser in der geschützten Aue des Nationalparks freut Naturschützer gerade, dass wenigstens Teile der Polderwiesen überflutet sind. Der mit der imposanten Wasserlandschaft im Winterhalbjahr hat am Wochenende viel mehr Besucher erlebt, als üblicherweise. Das strahlende Sonnenwetter tat sein Übriges. Zahlreiche Autos mit Berliner Kennzeichen bevölkerten die Parkplätze der Anrainerorte Stützkow, Stolpe, Schwedt und Lunow.
Doch die Idylle trügt. "Wir sind ja froh, dass dieses Jahr überhaupt mal wieder Wasser im Polder ist, aber es ist viel zu wenig", sagt der Gewässerspezialist Michael Tautenhahn vom Nationalpark. Er verweist auf anhaltendes Niedrigwasser der Oder. In Hohensaaten liegt der Wasserzufluss aktuell bei 460 Kubikmeter pro Sekunde. Im Schnitt sind es im März sonst 740 Kubikmeter. "Die regelmäßige Flutung ist überlebenswichtig für viele angepasste Arten. Watvögel, Kiemenflußkrebse oder Wasserpflanzen drohen, von Konkurenzarten verdrängt zu werden. Die Brut vieler Wasservögel ist ohne das schützende Wasser um sie herum nicht ausreichend vor Räubern geschützt. Weniger Wasser heißt auch, dass weniger Fische im Überschwemmungsgebiet laichen."

Gefahr des Oder-Ausbaus

Derzeit machen sich die Naturschützer wenig Hoffnung auf steigende Pegel. In den flussaufwärts liegenden Gebieten liegt kaum Schnee, so kann die Oder auch nicht von der Schneeschmelze profitieren. Angesichts der prekären Lage für die Flutungsaue machen Nachrichten über den in Polen geplanten Ausbau der Oder Naturschützern zusätzlich Sorgen. Eine weitere Kanalisierung würde zu einer Vertiefung des Flussbettes und damit zum weiteren Absinken des Grundwasserstandes führen. "Das gefährdet Tiere und Pflanzen im Nationalpark zusätzlich. Wir befürchten das Verschwinden weiterer Arten", sagt Michael Tautenhahn.
Für das starke Besucheraufkommen am Wochenende hat der Nationalpark Verständnis. In der Natur finden jetzt viele die Bewegung an der frischen Luft, die ihnen zu Hause fehlt. Nationalpark-Ranger wie Christian Ehrke und Vanessa Selter gehen auch in Corona-Zeiten auf Gebietskontrolle und  weisen Hundebesitzer auf die Leinenpflicht hin.