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Infektionsschutz
Wochenmarkt in Eberswalde darf geöffnet bleiben

Ein Hauch von Normalität: Sibylle Markwardt aus Britz kommt regelmäßig auf den Wochenmarkt im Eberswalder Zentrum und lässt sich jetzt auch nicht abhalten, am Stand von Klaus Kleest Blumen zu kaufen.
Ein Hauch von Normalität: Sibylle Markwardt aus Britz kommt regelmäßig auf den Wochenmarkt im Eberswalder Zentrum und lässt sich jetzt auch nicht abhalten, am Stand von Klaus Kleest Blumen zu kaufen. © Foto: Sören Tetzlaff www.barnim-foto.
Sven Klamann / 24.03.2020, 20:17 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 13:34
Eberswalde (MOZ) Es ist immer noch bitterkalt an diesem Dienstagvormittag. Der Sonnenschein kann nicht darüber hinwegtrösten, dass die Temperatur gerade erst die Null-Grad-Marke geknackt hat. Auf dem Marktplatz wirken die wenigen Händler ein wenig verloren, die noch ihre Waren feilbieten dürfen.

"Die Kunden freuen sich, dass wir da sind", sagt Franziska Thamm vom Gartenbau Finow, die dicke Handschuhe trägt, die sie aber nicht daran hindern, Äpfel oder Salat in Tüten zu verstauen. Die Wolle an ihren Fingern soll sie wärmen, nicht vor den Coronaviren schützen, betont die Obst- und Gemüseverkäuferin. Wenn es nachher wärmer sei, werde sie stattdessen Latex-Handschuhe überziehen. Und ausreichend Desinfek­t­ionsspray habe sie ebenfalls dabei.

Gegenüber, am Stand der Gärtnerei Schubert aus Grüntal, markiert rot-weißes Absperrband, wie weit sich die Kunden der Auslage nähern dürfen. "Es hilft ja alles nicht, wir müssen uns an die Vorschriften halten", sagt Matthäus Schubert, der sich wie alle Markthändler und Kunden sehnlichst wünscht, dass die angeordneten Zwangsmaßnahmen helfen, die Pandemie einzudämmen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Ratschläge vom Gärtner

Die Kunden, die Matthäus Schubert an diesem Vormittag bedient, sorgen sich weniger um das Ansteckungsrisiko als darum, welche Auswirkungen der nächtliche Bodenfrost auf ihre Kleingärtner-Ambitionen haben könnte. "Keine Bange, Stiefmütterchen stecken locker minus fünf Grad weg", sagt er. Und auch Primeln seien widerstandsfähig. Jetzt biete es sich überdies an, Erdbeerpflanzen in den Boden zu bringen. Zur Auswahl stehen am Verkaufsstand der Gärtnerei Schubert diverse Sorten – zum Beispiel Ostara, Polka und Korona. "Es ist kein Scherz, gerade die Korona ist trotz ihres entfernt an einen Virus erinnernden Namen absolut zu empfehlen", betont Matthäus Schubert. Diese mittelfrühe Sorte habe stark glänzende, rote Beeren mit süßem, aromatischem Fruchtfleisch. Sie sei überdies robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten.

Am Stand der Gärtnerei Schubert schaut auch Ingo Frost vorbei. "Ich bin Vater zweier kleiner Kinder. Die lasse ich gerade am liebsten in unserem Garten spielen", sagt der Eberswalder. Dort seien sie in jeder Hinsicht gut aufgehoben. Und dies nicht nur in der Corona-Krise. Das Thema Selbstversorgung spiele gleichfalls eine immer wichtiger werdende Rolle. Es sei nachhaltig, für den Eigenbedarf Obst und Gemüse anzubauen. "Die Pflanzen dafür besorge ich mir auf dem Wochenmarkt. Und stärke dabei gleich noch die lokalen Strukturen", erklärt Ingo Frost.

Vor dem Verkaufswagen der Metzgerei Künkel aus Lunow steht Else Müller in der Schlange. Mindestens zwei Meter hält die Eberswalderin Abstand zu ihrem Vordermann. Und auch hinter ihr wird auf ausreichend Platz geachtet. "Natürlich bin ich vorsichtig, auch wenn ich mich nicht verrückt machen lassen möchte", sagt die Rentnerin. Sie sei froh, dass der Wochenmarkt geöffnet habe. So komme sie wenigstens an die frische Luft.

Kunden fehlt die Vielfalt

Dass weit weniger Händler als sonst ihre Waren feilbieten, sei bedauerlich, aber nicht zu ändern, urteilt Marktleiter Wolfgang Jädick. "Ich musste etlichen Stammgästen absagen, weil ihr Sortiment derzeit nicht zulässig ist", sagt der Eberswalder, der fürchtet, dass die Kundschaft die verringerte Auswahl auf Dauer nicht hinnehmen werde. "Gerade Ältere nutzen den Wochenmarkt gern, um sich nicht nur mit Lebensmitteln, sondern obendrein mit Textilien einzudecken", berichtet der Marktleiter.

"Wir merken jetzt schon, dass die Nachfrage nachlässt", sagt Daniel Kraft vom Grillmaster-Team, das Buletten und Bratwürste nur noch zum Mitnehmen verkaufen darf. Die Stehtische vor seinem Imbiss sind verschwunden.

"Hoffentlich kehrt die Normalität schnell und nicht erst in ein paar Monaten zurück", barmt Andrea Peykow, die für Petras Fischexpress aus Eichhorst im Verkaufswagen steht. Bei ihr geht gerade Geräuchertes besonders gut. Aber die Zahl der Kunden sei leider überschaubar.

 

Leitlinien der Deutschen Marktgilde

In Eberswalde gibt es zwei Wochenmärkte: dienstags und freitags stehen die Händler auf dem Marktplatz im Zentrum, mittwochs auf dem Potsdamer Platz im Brandenburgischen Viertel. Betreiber beider Märkte ist die Deutsche Marktgilde, die aufgrund der Beschlüsse und Leitlinien von Bund und Land entschieden hat, das Angebot ab sofort stärker auf den Bereich der Lebens- und Futtermittel zu konzentrieren. Auch Pflanzen und Blumen, insbesondere aus der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Unternehmen, seien zugelassen.  Es werde auf alle Maßnahmen verzichtet, die dazu beitragen, die Verweildauer der Kunden zu erhöhen. Daher seien Tische und Stühle tabu. ⇥sk

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