Um 0,8 Prozent ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Damit registriert die Arbeitsagentur derzeit 8131 Arbeitslose im Barnim und 9693 in der Uckermark. So ist der Gesamtwert erstmals unter die Grenze von 18 000 gerutscht. Zwar ist das Heer der Arbeitslosen damit immer noch ausgesprochen groß - vor allem im Vergleich mit den Zahlen in den alten Bundesländern. Doch gilt auch hier die Tendenz langfristig: Sie sinkt.
Allerdings lassen sich die regionalen Unterschiede zwischen dem berlinnahen Bernau und den großstadtfernen Regionen wie Prenzlau nicht leugnen. Zwischen 6,2 Prozent und 15,3 Prozent liegen Welten. Überhaupt stagniert derzeit der Arbeitsmarkt in der Uckermark. Die ersten saisonüblichen Entlassung kündigen sich an. Wie üblich machen Garten- und Landschaftsbau, Baugewerbe, Verkehr und Logistik sowie Hotel- und Gastronomiebranche den Anfang. Wenn der Winter naht, reagieren die Unternehmer langfristig mit rechtzeitigen Kündigungen. Allerdings gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur auch Neueinstellungen in einigen Bereichen. "Es ist also durchaus Bedarf da", sagt Dagmar Brendel, Chefin der Eberswalder Behörde. "Wir wissen aber auch, dass viele Verträge bis Ende des Jahres befristet sind und dann erst wirken."
Dagmar Brendel verbreitet weiter Optimismus. Bisher haben sich die aufgrund jahrelanger Erfahrungen sicherlich verhaltenen Prognosen auf eine Besserung des Arbeitsmarktes erfüllt. Zwar bleibt gerade die Uckermark vorletztes Licht in der gesamtdeutschen Arbeitslosenstatistik, doch wirkt hier bereits der demografische Wandel. Ähnlich im Raum Eberswalde. Das bedeutet: Gerade ältere Arbeitslose wechseln ins Rentenalter. Ein Trend, der sich angesichts der Altersverteilung in Deutschland auch in anderen Regionen auf absehbare Zeit fortsetzen wird.
Auch davon profitieren Jugendliche. Bereits jetzt stehen ihnen bessere Chancen auf einen passenden Ausbildungsplatz offen als in den vergangenen 20 Jahren. Momentan sind 1535 junge Menschen unter 25 Jahren in den Landkreisen Uckermark und Barnim arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 288 im Vergleich zum September des Vorjahres. Eine ähnliche Entwicklung bestätigen die beiden Jobcenter.
Zu den Wirtschaftsprognosen will sich die Arbeitsagentur jedoch nicht äußern. Gerade die schwierige Lage im Bereich der erneuerbaren Energien könnte zum Teil drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Betroffen sind vor allem Hersteller von Photovoltaikmodulen bzw. Zuliefertechnik. "Wir haben bislang aber keine deutlichen Entlassungsanzeigen erhalten", informiert Dagmar Brendel. "Unser Arbeitgeberservice steht in engem Kontakt mit den Firmen."
Stattdessen gibt es immer wieder Wechsel im Bereich der Callcenter. Die Branche leidet unter einer hohen Mitarbeiterfluktuation. Außerdem zeigen sich im Raum Prenzlau erste Auswirkungen der zu Ende gehenden Landesgartenschau. Deren Mitarbeiterstamm geht ab nächster Woche zum großen Teil wieder auf Jobsuche.
Durch allgemein günstigere Lage auf dem Arbeitsmarkt geht auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) allmählich zurück. Beide Jobcenter verweisen hier auf eine rückläufige Tendenz im Vergleich zum Vorjahresmonat.