Wenn es ganz schlimm wird, kommen die blauen Autos. Sie haben Bergegeräte an Bord, können bei Großeinsätzen agieren, verfügen über Spezialkräfte im Katastrophenfall. Deshalb sind sie nur selten im Einsatz. In den vergangenen Jahren mussten die Blauen in der Uckermark bei Hochwasser ausrücken, zum gewaltigen Brand einer Deponie in Pinnow oder zum verheerenden Feuer bei der Firma Boryszew in Prenzlau.
Doch es kann jeden Tag wieder ein Unglück geschehen, wo geradt technische Spezialeinheiten gefragt sind. Und dafür stehen die 35 Helfer des Ortsverbands Prenzlau ehrenamtlich zur Verfügung. Sie sind gut ausgerüstet. In den Garagen warten Gerätewagen, Transportfahrzeuge, Anhänger, Materialwagen, Mehrzweck-Lkw und Anhänger auf den Ernstfall. Bergungsgruppen können Verschüttete und Eingeschlossene orten und retten, Verletzte aus Gefahrenbereichen transportieren, einsturzgefährdete Bau­werksteile niederlegen. Eine spezielle Fachgruppe in Prenzlau kann großflächig Einsatzorte und Bauwerke aus-­leuchten.
Der am 15. Oktober 1999 gegründete THW-Ortsverband Prenzlau – der einzige in der Uckermark – feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Und das in ganz großem Rahmen. Wer sich für die Arbeit der Helfer interessiert, kann am 21. September in der Zeit von 10 bis 17 Uhr an die Uckerpromenade nach Prenzlau kommen. Neben den Prenzlauer Helfern präsentieren sich dort die Ortsverbände aus Seelow, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Fürstenwalde, Bad Belzig und Lübben mit Einsatzfahrzeugen, vielseitiger Technik sowie einer riesigen Rutsche für die kleinsten Besucher. An Mitmachstationen kann an der Technik die eigene Geschicklichkeit getestet werden. Neben dem THW lädt an diesem Tag auch die Polizeiinspektion Uckermark zum Tag der offenen Tür ein, welche sich zum Beispiel mit einem Polizeihubschrauber und einem Wasserwerfer präsentiert. Auch ein Blick ins Polizeirevier Prenzlau ist möglich.
Technisches Spezialwissen
Der große Aktionstag soll die Arbeit der Bundesanstalt ins Licht der Öffentlichkeit rücken, denn viele Menschen wissen gar nicht, was das Technische Hilfswerk überhaupt macht. Freiwillige Helfer, die sich für die Arbeit entscheiden, durchlaufen eine Grundausbildung und anschließend eine Fachausbildung. Voraussetzung: "Man muss willig sein und nicht gerade zwei linke Hände haben", sagt Ilona Köster vom Ortsverband. Denn es geht um Holz- und Steinbearbeitung, um Beleuchtung, um Rettungsmethoden und Spezialwissen.
Gefragt sind bei den Männern und Frauen in Blau nicht nur Handwerk und Wissen, sondern auch die Teamarbeit – Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung von Einsätzen. Derzeit engagieren sich auch elf Junghelfer.

Aufgaben einer Bergungsgruppe


Jeder Ortsverband kann Bergungsaufgaben übernehmen. Eine Bergungsgruppe erkundet Schadenlagen, dringt durch Überwinden oder Wegräumen von Hindernissen zu Schadenstellen vor, ortet und rettet Verschüttete und Eingeschlossene, transportiert Verletzte aus Gefahrenbereichen, führt technische Sicherungsarbeiten durch und legt gegebenenfalls einsturzgefährdete Bau­werksteile nieder, rettet Tiere und birgt Sachwerte, birgt Leichen und Kadaver, bekämpft besondere Gefahren, leuchtet Schadenstellen aus, baut behelfsmäßige Stege und kleine Brücken, rettet Menschen und Tiere aus Wassergefahren, hilft bei Uferbefestigungen, Damm- und Deichsicherung. os