Doch die Bürgerinitiativen stecken in einem Dilemma. Zwar verschaffen sie sich mehr und mehr Gehör, können aber bei demokratischen Entscheidungen nur mit kleinen Minderheiten gegen etablierte Parteien oder gar nicht abstimmen. Genau das beklagt die Bürgerinitiative Crussow, die sich gegen eine deutliche Ausweitung des Windfelds Neukünkendorf vehement zur Wehr setzt. "Realistisch betrachtet haben wir null Chance auf die Durchsetzung der Interessen unserer Belange", sagt Sprecher Rainer Ebeling. "Die Energiewende setzt falsche Maßstäbe, die Kosten für den Netzausbau laufen aus dem Ruder, die Bürger verstehen es nicht und die SPD analysiert die Probleme, handelt aber nicht."
Den ersten öffentlichen Sprechtag des frisch in den Landtag gewählten SPD-Abgeordneten Uwe Schmidt in seinem Wahlkreisbüro in Angermünde nutzte die Bürgerinitiative deshalb, um ihre Forderungen an die Landespolitik zu richten. Dabei sprechen die Windkraftgegner nicht mehr einzeln für regional abgegrenzte Gebiete, sondern abgestimmt auf das Land Brandenburg. Immerhin haben sich rund 55 solcher Zusammenschlüsse mittlerweile vernetzt. Im Norden sitzen die Uckermark-Retter im Kreistag und in der Regionalversammlung. Und mittlerweile haben einzelne Vertreter von Initiativen als beratende Mitglieder einen zusätzlichen Sitz gefunden.
Uwe Schmidt hat sich bereits einige strittige Gebiete angesehen. Er will nichts versprechen, weiß aber, dass die Energiestrategie des Landes überarbeitet werden muss. Die Demokratie in den Planungsgemeinschaften sei jedoch durch die Parteien gewährleistet.