Das Bild ist nicht gerade einladend. Viele Jahre wurde am Bahnhof Wilmersdorf kaum etwas erneuert. Bahnsteige, der Zugang zu den Gleisen, der Vorplatz - überall Schäden. Besonders betroffen: Der Personenübergang. Die Metallkonstruktion mit bereits sichtbaren Ausbesserungen an den Treppenstufen muss dringend überholt werden. Nach Angaben des Verkehrsverbunds VBB sollen die Planungen für den notwendigen Umbau 2016 beginnen. Frühestens 2018 könnten dann die Baufirmen anrücken.
Doch die deutsche Bahn prüft derzeit eine zweite Variante. Die sieht eine komplette Verlegung der Bahnsteige in Richtung Norden vor. In etwa 100 Meter Entfernung vom jetzigen Bahnsteig befindet sich nämlich noch ein winziger Bahnübergang. Hier könnte nun nach Überlegungen der Planer die Fußgängerbrücke ganz wegfallen. Reisende, die von einer Seite auf die andere müssen, würden dann den ebenerdigen Bahnübergang nutzen. Damit wäre Wilmersdorf auch barrierefrei zu erreichen.
Die Sache hat allerdings gleich mehrere Haken. Fußgänger und Radfahrer müssten einen längeren und bisher noch nicht festgelegten Weg zum neuen Umstiegspunkt in Kauf nehmen. Und wo künftig die Parkplätze wie auch die notwendige Buswendeschleife sein sollen, steht noch nicht fest. "Die Bahn will eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen", so Fachbereichsleiterin Brigitte Günzel vom Angermünder Rathaus. "Wir warten jetzt auf die Ergebnisse. Auf jeden Fall muss die Parksituation verbessert werden."
Skeptisch reagiert der Ortsbeirat. "Das Ganze ist zu kompliziert und bedeutet einen riesigen Aufwand", so Ortsvorsteher Friedrich-Karl Stolpe. "Es wäre doch wirklich besser, den Bahnhof da zu lassen, wo er ist." Sein Vorschlag: Aufgrund der geringen Zugfrequenz könnten die Personenzüge auf dem gleichen Gleis einlaufen, egal ob sie in Richtung Berlin oder in Richtung Stralsund fahren. Weichen seien vorhanden, um das zu regeln. Dann würde die Fußgängerbrücke auch entfallen.
Als der Bahnhof Wilmersdorf vor über 150 Jahren gebaut wurde, ließ man die Fahrgäste auf einem ebenerdigen Fußweg über die Gleise zum Bahnsteig laufen. Das ist für heutige Sicherheitsbestimmungen offenbar nicht mehr möglich. Vielleicht täte es aber auch eine Fußgängerschranke.
Nachdem der Bahnhof lange Zeit auf der Stilllegungsliste der Bahn stand, gelang die Rettung durch eine Verknüpfung mit Bus-anbindungen. Inzwischen steigen die Fahrgastzahlen vor allem durch die Berufspendler. Jetzt haben Busse bereits Probleme, an den parkenden Autos vorbei zu kommen.
Der Landkreis Uckermark will gemeinsam mit der Stadt ein Förderprojekt in Angriff nehmen, um vernünftige Parkplätze zu schaffen. Die Frage ist jetzt, wo diese entstehen sollen, falls der Haltepunkt nach vorn verlegt wird. Fraglich ist ebenso, ob Autofahrer ihren Wagen außerhalb des Bahnhofsgeländes auf unbewachtem und kaum belebtem Areal mitten in der Natur den ganzen Tag lang abstellen wollen.