Windräder in Wäldern - auf dieses Bild müssen sich Einwohner in den Kreisen Uckermark und Barnim einstellen. Doch die Errichtung großer Anlagen ist heftig umstritten. Dennoch hat der Planungsausschuss dafür grünes Licht gegeben.
Von einer "Vernichtung von Wäldern" spricht die Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Aufgebrachte Bürger aus der Region um Wandlitz und Prenden laufen Sturm gegen die Ausweisung von zwei neuen und großen Windeignungsgebieten direkt an der Autobahn A 11. "Keine Vernichtung ökologisch einmaliger Biotope" steht auf farbig gedruckten Handzetteln, mit denen die Bürgerinitiative öffentlichkeitswirksam unterwegs ist. Den Betroffenen geht es um den Schutz bedrohter Tierarten, um den Erhalt des traditionellen Erholungsraums von Berlinern, aber auch um die Verhinderung einer "schnelleren Versteppung Brandenburgs durch die Rodung großer Waldflächen".
Tatsächlich lässt die Regionale Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim künftig den Bau riesiger Strommühlen auch in Waldgebieten zu. Das gab es bisher nur selten. In der ohnehin seit Jahren mit Anlagen vollgestellten Uckermark stehen die meisten auf Äckern oder Landwirtschaftsflächen herum. Im Barnim hat man nun rund 800 Quadratkilometer Waldgebiete unter die Lupe genommen. Zwar bleiben geschützte Bestände nach wie vor tabu, doch in reine Nutzwälder dürfen künftig die alternativen Energieerzeugungsmaschinen Einzug halten.
Schon bei der öffentlichen Auslegung der Windpläne hagelte es Proteste, aber auch Zustimmung. Nach Angaben der Planungsstelle Uckermark-Barnim zeigten die Forstbehörden keine Einwände bei reinen Nutzwäldern. Um jetzt genauer zu unterscheiden, welche Flächen regional bedeutsam sind und welche nicht, entwerfen die Planer einen Kriterienkatalog zur Einordnung der Baumbestände entsprechend ihrer jeweiligen Funktion. Demnach bleiben Flächen mit einer hohen Erholungsfunktion weitestgehend verschont. Auch Bäume im Umfeld von Wohngebieten. Doch Bürgerinitiativen melden Protest an. Sie bezweifeln, dass die Planungsstelle in der Lage ist, wichtige Kleintiere und seltene Pflanzen, die Funktion des Waldes als Wasserspeicher oder die Beurteilung von Baumarten so fachgerecht zu erfassen, dass keine späteren Umweltschäden durch das Einrücken der Strommühlen entstehen.
Tatsächlich gibt die Planungsstelle zu, keineswegs über alle Arten- oder Naturschutzdaten zu verfügen. Schon seit Jahren beklagt deren Leiterin Claudia Henze lückenhafte oder fehlende Unterlagen. Jetzt wurde ein externes Fachgutachten in Auftrag gegeben. Es soll alle relevanten Daten erfassen. Am Ende entsteht ein genaues Bild, welcher Adler wo genau fliegt, welche Rastplätze Kraniche bevorzugen, wo seltene Fledermäuse schwirren. Das wiederum hat Einfluss auf die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände, die Windeignungsgebiete einhalten müssen. Man rechnet damit, dass es durch die Aktualisierung der Daten noch einmal zu erheblichen Veränderungen des Windplans kommt.
Ebenso schwierig verhält es sich mit vielen Einwänden von Bürgern, Verbänden oder Kommunen, die eine Zerstörung des Landschaftsbildes durch die Ausweitung der Windkraft befürchten. Da hier subjektive Wahrnehmungen eine große Rolle spielen, will die Planungsgemeinschaft vor allem großräumige Flächen abgrenzen. Wie schwierig das sein kann, zeigt sich am Beispiel Greiffenberg in der Uckermark. Hier gibt es Befürworter der Windkraft aus innerer Überzeugung wie auch eine starke Gegenwehr. Phantombilder mit einer Strommühlenkulisse um das Städtchen herum machten die Runde. Die Planungsgemeinschaft will künftig das Landschaftsbild stärker berücksichtigen, da im gleichen Zug der bisherige Mindestabstand zwischen Windeignungsgebieten von fünf Kilometern ersatzlos entfallen ist.
Je tiefer die Probleme mit den Riesenmasten diskutiert werden, desto mehr Bürger aus beiden Landkreisen reisen zu den regelmäßigen Planungsausschusssitzungen an. Vielen geht es gar nicht darum, die Pläne völlig abzulehnen, sondern den Sinn der Entscheidungen zu verstehen. Die Interessengemeinschaft gegen Windkraft aus Crussow zweifelt schon aus technischer Sicht an der Effizienz von Eignungsgebieten, wenn im Nachgang wiederum teure Stromleitungen durch die Landschaft gelegt werden müssten. Den Stromfluss müsse man denen überlassen, die die Anlagen bauen, so die Reaktion von Claudia Henze.
Der jüngste Planungsausschuss hat weitere Festlegungen zum Denkmalschutz, zum Gewässer- und Trinkwasserschutz sowie zu militärischen Anlagen, zur Flugsicherung, zu Radar- und Richtfunkanlagen und zur Rohstoffsicherung getroffen. Die genauen Unterlagen sind in der Eberswalder Planungsstelle im Paul-Wunderlich-Haus einsehbar.
Sie wachsen und wachsen: Windräder stehen bislang in der Uckermark meist auf freiem Acker. Im Barnim sollen jetzt Eignungsgebiete in Wäldern entstehen. Das will die Regionalplanung durchsetzen. Foto: Wilfried Bergholz