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Und freitags wird geräuchert

Fischtage
Fischtage © Foto:
HZENKERN / 05.04.2008, 06:32 Uhr
Werneuchen Das nächste Wochenende ist so etwas wie eine Ausnahme. Dann steigt nämlich im Hirschfelder "Lindengarten" wieder ein Fisch-Wochenende. Alles dreht sich um den Hering. Wahrscheinlich wird es eng im Restaurant mit den gerade mal 45 Plätzen.

Dabei hat das Wirte-Ehepaar sogar die Stammgäste aufgefordert zu reservieren. Aber die wissen, dass Gisela und Hans-Jürgen Albrecht noch nie jemand hungrig weggeschickt haben. Gastlichkeit gehört bei den beiden zum Geschäftsprinzip. Also geht man es eher gelassen an, was die Hirschfelder Fischtage vom 11. zum 13. April betrifft.

Die Heringe stammen aus der Ostsee, von den Fischern in Freest. Das ist ein weitgehend unbekannter Ort zwischen Greifswald und Wolgast. Der Fischereihafen ist allerdings Freunden von Frisch- und Räucherfisch durchaus ein Begriff. Wenn man sich über die Heringsgerichte hermacht, sollte man im Hinterkopf haben: Die Flossentiere - veredelt zu gebratenen und eingelegten Heringen, Matjes, Fischbouletten, Fischbratwürsten und Fischsülze - haben ihre Heimat in den Gewässern vor Vorpommern.

Mit Sicherheit wird es am Fisch-Wochenende etwas lauter für die Pensionsgäste in den vier Zimmern. Dabei sind Stille und Beschaulichkeit eigentlich Standort-Vorteile. Der Preis für ein Doppelzimmer mit Frühstück liegt bei 55 Euro. Wer einmal hier war, wird sich immer wieder an die ungarischen Eier zum Frühstück erinnern. Diese Rühreier macht der Wirt mit Speck, Zwiebeln und Paprika. Das Ganze wird scharf gewürzt. Der Gast mit dem weitesten Anreiseweg kam aus den USA - aus Dallas. Näher hatte es Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm. Dem muss der panierte Zander in Weißwein-Sahnesauce gut geschmeckt haben, weil er sich nämlich nach dem Rezept erkundigt hat. Geöffnet ist übrigens von Mittwoch bis Sonntag ab 12 Uhr.

Wer einmal im Lindengarten war, muss unbedingt die Aalröllchen probiert haben. Küchenchef Ulf Ryback füllt die mit Käse und umwickelt sie mit Schinkenspeck. Alles andere ist Küchengeheimnis. Wie die Zitronen-Kräuter-Sauce, die dazu gereicht wird. Im "Lindengarten" werden alle Saucen separat serviert. Ein besonders glückliches Händchen hat der Koch für Wildgerichte. Mindestens zwei sind das ganze Jahr über im Angebot. Oft ist es ein Hirschbraten und immer ein Wildgulasch. Dazu gibt es Kartoffelklöße - so genannte grüne Klöße.

Die stammen wie die Wirtin aus dem sächsischen Erzgebirge und werden im märkischen Hirschfelde wie in ihrer ursprünglichen Heimat selbstverständlich handgeknetet. Groß das Angebot an Kurzgebratenem vom Schwein. Auch hier bleibt sich der Märker in seiner geschmacklichen Orientierung treu. So dass ähnlich dem Fischwochenende Mitte Mai ein Steakwochenende stattfindet.

Wirt Hans-Jürgen hat für alle technischen Belange und die Außenanlagen den Hut auf. Aber jeweils am Freitag wird er zum Räuchermeister. Dann wirft er den großen Ofen im Garten an und hängt Aale und Rotbarsche, Forellen und Saiblinge in den Rauch. Sein Favorit ist der Saibling. Der habe nicht nur einen hervorragenden Geschmack, sondern auch optisch gebe er etwas her. Die Räuchersaison beginnt Anfang April geht bis in den Herbst hinein. Wer also auf Räucherfisch abfährt, der ist freitags ab 18 Uhr in Hirschfelde gut aufgehoben. Dann ist alles noch warm. Und zum Mit-nach-Hause-Nehmen ist in der Regel genug da.

Neugierige Gäste sieht der Wirt ganz besonders gern in seinem Gasthof. Solche, die sich für die Geschichte des Ortes interessieren. Wenn es seine Zeit zulässt, führt er die durch das Dorf. Zur romanischen Kirche, die noch immer die Wunden des letzten Krieges trägt. Und deren Förderverein Albrecht auf den Weg gebracht hat. Es geht zum Herrenhaus, wo einst der Großindustrielle Eduard Arnhold die Wochenenden verbrachte. Der jüdische Arztsohn hatte seine Millionen vor allem durch den Kohlehandel verdient. Er galt als Förderer von Kunst und Künstlern. Nicht nur einmal waren die Maler Adolf Menzel und Max Liebermnann zu Gast auf Hirschfelde. Vor allem wird dem kaisertreuen Multi-Millionär eine soziale Ader nachgesagt. Davon profitierten die Landarbeiter. Ihre Lebensbedingungen waren weitaus besser als in den Nachbardörfern. Eduard Arnhold ist 1925 gestorbenen Vom Gasthaus aus beginnt ein nach ihm benannter Wanderweg.

Aus dem Arnholdschen Park stammt auch der Bronze-Hirsch an der Dorfstrasse. Der ist gewissermassen ein Stück "Beutekunst". Als nämlich Anfang der 90er-Jahre die sowjetischen Besatzungstruppen aus Deutschland abzogen, sollte das gute Stück mitgenommen werden. Auf dem Militärflugplatz Werneuchen haben Heimatfreunde den Abtransport verhindert. Dagegen steht ein anderer Hirschfelder noch immer außerhalb - nämlich in Bad Freienwalde. Ein sechs Tonnen schwerer Stier aus weißem Marmor. Den will man dort nicht herausrücken. Das hat schon zu viel Verdruss zwischen der einstigen Kreisstadt und dem kleinen Dorf geführt. Und der Streit ist noch nicht zu Ende. In der biblischen Geschichte jedenfalls unterlag der Hüne Goliath dem wesentlich kleineren David.

Wenn Sie Küche und Zimmer von Pension und Gasthof Lindengarten (033398 7185 oder lindengarten1a@gmx.de) in Hirschfelde testen wollen, sollten Sie sich an unserem Quiz beteiligen. Zu gewinnen ist eine Übernachtung für zwei Personen - Frühstück inklusive. Diesmal wollen wir wissen:

Wo liegt die Heimat der grünen Klöße?

A. an der pommerschen Ostseeküste

B. im sächsisches Erzgebirge

C im Thüringer Wald

Wenn Sie Ihr Glück versuchen wollen, müssen Sie am Montag, dem 7. April, in der Bernauer Lokalredaktion der MOZ von 13 bis 13.30 Uhr unter der Telefonnummer 03338 395550 anrufen.

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