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Freilandverbot
Imker warnen vor Giftstoffen

Bienen arbeiten auf ihren Waben. Am Freitag soll in Brüssel über ein Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektengifte entschieden werden. Auch Berliner Imker fordern ein Verbot.
Bienen arbeiten auf ihren Waben. Am Freitag soll in Brüssel über ein Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektengifte entschieden werden. Auch Berliner Imker fordern ein Verbot. © Foto: dpa/Jens Kalaene
dpa / 26.04.2018, 15:47 Uhr - Aktualisiert 26.04.2018, 16:12
Berlin  (dpa) Am Freitag soll in Brüssel über ein Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektengifte entschieden werden. Berliner Imker hoffen, dass an diesem Freitag in Brüssel der Einsatz von bienenschädlichen Insektengiften verboten wird. „Diese Stoffe müssen verschwinden. Sonst bekommen wir noch größere Probleme“, sagte der Vorsitzende des Berliner Imkerverbands, Benedikt Polaczek, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf so genannte Neonikotinoide. Die Gifte töten Schadinsekten ab - aber auch Wild- und Honigbienen sowie andere nützliche Insekten.

Deutschland hat bereits angekündigt, in dem zuständigen EU-Ausschuss dafür zu stimmen, dass drei Neonikotinoide nicht mehr auf Äckern eingesetzt werden dürfen. Die Insektizide können Untersuchungen zufolge etwa das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit von Wild- und Honigbienen beeinträchtigen, sie lähmen oder töten.

Auch Berlins Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat die Bundesregierung aufgefordert, „den Worten endlich Taten folgen zu lassen“. „Ohne Bienen ist das Leben nicht mehr möglich. Deshalb kommen wir langfristig auch an einem europäischen Verbot der Neonikotinoide nicht vorbei“, so Behrendt.

Weil es in Berlin kaum Landwirtschaft gebe, seien die Gifte in der Hauptstadt zwar nicht das größte Problem für Bienen, so Polaczek. „Aber es geht uns alle an“, sagt der Imkermeister. Darüber hinaus gebe es viele andere Ursachen für das seit Jahren anhaltende Bienensterben, so Polaczek. Eine der größten Gefahren sei neben den Varroa-Milben die Faulbrut. „Offiziell sind wir in Berlin frei davon“, sagt der promovierte Agraringenieur. Doch nicht jeder Bienenhalter erkenne die Krankheit, die sich schnell ausbreiten könne.

In Deutschland, aber auch in anderen Ländern, beklagen Forscher und Imker seit Jahren ein Insektensterben, von dem auch Bienen betroffen sind. Neben den Krankheiten gelten verschiedene Gifte, darunter auch Glyphosat, als Ursache. Honigbienen gelten wegen ihrer Bestäubungsleistung als unverzichtbar für die Landwirtschaft. Viele Früchte könnten ohne die Bienen nicht geerntet werden.

In Berlin wollen Polaczek zufolge viele Menschen den Bienen helfen und legten sich deshalb Völker zu. Das Interesse an der Imkerei sei ungebrochen. „Doch nicht jeder kennt die Biologie eines Bienenvolkes und hat genügend praktische Erfahrung“, so der Imker. Er rät, nicht nur auf das Internet als Wissensquelle zu setzen. Wichtig sei es, Kurse bei erfahrenen Imkern zu besuchen und sich bei diesen auch praktisches Wissen anzueignen. Verschiedene Vereine böten dies an.

Auch nicht jeder Standort sei geeignet für ein Honigbienen. „Man kann nicht in jeden Schrebergarten, auf jedes Dach oder auf jeden Balkon ein Bienenvolk stellen“, so Polaczek. Absprachen mit den Nachbarn seien wichtig. Außerdem bräuchten Bienen Halbschatten. Dächer seien daher nicht immer günstige Standorte für Bienenstöcke. „Wer Bienen helfen will, sollte einheimischen Honig kaufen“, empfiehlt der Imker.

In Berlin gibt es seit Jahren einen regelrechten Bienen-Boom. Die Zahl der Imker hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Anfang 2008 gab es 485 organisierte Imker in der Stadt, heute sind es 1264 mit fast 7000 Völkern. Polaczek schätzt, dass es zudem etwa 500 nicht organisierte Bienenhalter mit etwa 2000 Völkern gibt. In diesem Jahr seien die Bienen recht gut über den Winter gekommen. Die Verlustrate schätzt der Imker auf durchschnittlich weniger als 15 Prozent. Doch wie gesund ein Volk wirklich sei, zeige sich erst jetzt in der wärmeren Jahreszeit.

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Imker Benedikt Polaczek Insektengift Dirk Behrendt Giftstoff

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