Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Der Verein der Köche Scharmützelsee und Umgebung hat den deutsch-polnischen, historischen Kochwettbewerb in der Kurstadt gewonnen.

Kochshow
Leckere Menüs aus "Arme-Leute-Essen"

Steffen Göttmann / 03.10.2019, 09:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Vor dem Begegnungszentrum GIBBZ des Vereins zur Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung (VFBQ) rauchten die Schornsteine der betagten Kochmaschinen. Vier Mannschaften aus Deutschland und Polen kochten beim 14. "Deutsch-Polnischen Wettbewerb im Historischen Kochen" um die Pokale. Thema war "Resteessen", was die Teams unterschiedlich interpretierten.

Der Frauenkreis aus Jenin bei Bogdaniec stellte die einzige polnische Mannschaft. Sie versetzten sich in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und verarbeiteten Brotreste zu Brotpuffern und Klößen. Bogdaniec war Gastgeber des Kochwettbewerbs 2018. Der Vergleich ist immer abwechselnd in Deutschland und Polen.

Kartoffeln in jedem Menügang

Die Vertreter des Gastgebers, des VFBQ, versetzten sich in die DDR der siebziger und achtziger Jahre. Sie bereiteten aus übrig gebliebenen Kartoffeln ein Menü zu, wobei Erdäpfel von der Suppe bis zum Dessert die Hauptrolle spielten.

Mit Bernd Lämmerhardt, Margitta Behnke und Heino Valentin übernahm der Verein der Köche Scharmützelsee und Umgebung die Rolle der Profis. Sie hatten herausgefunden, dass es 1930 eine Art Gastro-Messe in Berlin gegeben hatte und kochten das Menü unter anderem Hühnerfrikassee von damals nach. "Uns hat überrascht, wie weit die Küche schon war", sagte Margitta Behnke Es habe damals Kochsalz- und Traubenzuckerdiäten gegeben. Die Interessengemeinschaft (IG) Alltagskultur aus Bad Freienwalde hatte sich ein Essen aus der Nachkriegszeit ausgewählt. Karl Dietrich, Ilona Klugel, Christel Meier und Christine Polzin rührten eine Soljanka, kochten Himmel und Erde (Äpfel und Kartoffeln) und Arme Ritter zum Nachtisch. Dazu werden Brötchen halbiert, in Milch getränkt und in Öl gebacken.

"Wir achten auf Sauberkeit und Qualität der Speisen und die Arbeitsgänge", sagt Brigitte Lehmann aus Wendisch Rietz, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Köche Berlin-Brandenburg. Vor allem stehe jedoch der Geschmack, sagt die Küchenmeisterin, die in der Jury mitwirkte.

Historische  Zusammenhänge

"Mit dem Wettbewerb versuchen wir, historische Zusammenhänge erlebbar zu machen", sagt Peter Natuschke, der als einstiger Leiter des Freilichtmuseums Altranft den Kochwettbewerb 2005 aus der Taufe gehoben hatte. "In den verschiedenen Zeiten wurde unterschiedlich gekocht", so Natuschke und erinnert an den ersten Wettbewerb. "Wir fingen mit dem 30-jähirgen Krieg an, als es noch keine Kartoffeln gab", so Natuschke, der 2016 in den Ruhestand ging. Spannend für die Küche sei auch die Nachkriegszeit, weil die Flüchtlinge ihre Rezepte mitbrachten.

Der Kochwettbewerb hat in Polen größere Bedeutung als auf dieser Seite der Oder. Peter Natuschke begrüßte seine Kollegin Ewa Pawlak, Direktorin der Museums aus Gorzow, in der Kurstadt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG