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Wegen Corona
Leere Betten, kalte Küche – Angermündes Tourismusindustrie steht still

Abstand halten, mahnt ein Zettel an der Eingangstür zum Café Kobi. Es bleibt weiterhin geöffnet.
Abstand halten, mahnt ein Zettel an der Eingangstür zum Café Kobi. Es bleibt weiterhin geöffnet. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 19.03.2020, 21:30 Uhr
Angermünde/Schwedt (MOZ) Die Küche im Hotel Weiss bleibt kalt. Dienstagabend gab es für die letzten Gäste eine Henkersmahlzeit, dann musste das Restaurant schließen. Die Betten sind leer. Sämtliche Buchungen und Familienfeiern sind abgesagt worden. "Die Stornierungen kamen stündlich, Gäste im Haus reisten vorzeitig ab. Der Wellnessbereich ist geschlossen. Es ist eine Katastrophe", sagt Hotelier Roy Weiss. Er stehe in ständigem Kontakt mit der Dehoga, dem Hotel- und Gaststättenverband, sowie der  Arbeitsagentur und erwartet sehnsüchtig schnelle Aussagen zu unbürokratischen Liquiditäts-Hilfen. "Ohne sie wird es nicht gehen. Die Situation ist für uns existenzbedrohend und für viele andere Unternehmen in der Tourismusbranche ebenso", weiß der Hotelinhaber, der auch Vorsitzender des Angermünder Tourismusvereins ist.

Mitgliederversammlung online

Man stehe in ständigem Austausch, um zu informieren, wo es welche Hilfen gibt, wer wofür zuständig ist. Es herrsche ein großes Wirrwarr, sagt Roy Weiss. Die Mitgliederversammlung wurde ausgesetzt, Beschlüsse werden per Rundmail gefasst. Er hat in einem Familienbetrieb nicht nur für seine Mitarbeiter Verantwortung, sondern auch für zwei Lehrlinge, die kurz vor den Prüfungen stehen. "Gerade wir kleinen Unternehmer müssen uns auf die Aussagen des Bundes verlassen, das uns geholfen wird. Das ist die Probe, wie sich unser demokratisches Gemeinwesen in so einer Krise bewährt und Zusagen eingehalten werden", sagt Roy Weiss.

Das Landhotel Felchow hatte sich schon Montag entschieden zu schließen. Gäste waren nicht im Haus. "Wir machen erst mal für 14 Tage zu und sehen dann weiter", meinte Geschäftsführer Hanno Slüyter. In Angermünde halten nur noch wenige Restaurants ihre Türen begrenzt offen, die vor allem auf Mittagsversorgung und Außer-Haus-Lieferungen spezialisiert sind, wie das Café Kobi oder die Pizzeria Piccolo. Die Tische im Café Kobi sind weit auseinander gerückt beziehungsweise einige Plätze gesperrt. Das Restaurant "Grambauers Kalit" hat geschlossen, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Hier brummt in der Regel abends das Geschäft.

Martin Hennig ist Inhaber des Restaurants Martin’s in Schwedt. Er hatte am Sonnabend die letzten Gäste und hält sein Restaurant geschlossen. "Aus Verantwortung für die Gäste", wie er sagt. "Die Gastronomie ist der größte Virusüberträger. Keime verbreiten sich rasend in Gaststätten. Wenn ich als Koch infiziert bin, schaffe ich es an einem Abend sehr viele Leute zu infizieren. Mit jedem Salat, jedem Teller wird das Virus übertragen."

Aus seiner Sicht sind die erlaubten Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr "Quatsch". Er habe noch nie am frühen Morgen eine Mahlzeit verkauft. Das passiere allenfalls bei Bäckern und im Imbiss. Er findet diese staatliche Anordnung scheinheilig, weil die Finanzämter nicht auf den großen Steuerzahler Gastronomie verzichten wollen. "Ich habe geschlossen und setze die Erlaubnis des Staates nicht um. Schwedt hat so viele ältere Einwohner, die Schutz brauchen. Das Virus wird ja über die Luft verbreitet."

Für viele Gastronomen sei die jetzige Situation der Todesstoß fürs Unternehmen. Auch für ihn selbst, ist Martin Hennig überzeugt. "Die Mieten und die Personalkosten bleiben trotzdem. Ich habe im Monat auflaufende Kosten von 15 000 Euro." Aus seiner Sicht bringen staatliche Kredite nichts. "Die würden kleine Unternehmer in die Knie zwingen. Es geht nur über Förderung."

Wie andere Gastronomen kämpft auch das Schwedter Restaurant "Athen" ums Überleben. Der Inhaber ist auf Lieferservice umgestiegen. Er versucht, sich so über Wasser zu halten.

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