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Krawalle nach Jury-Urteil in Ferguson

Mit scharfen Waffen: Nach dem Urteil von Ferguson stellt sich die Polizei auf heiße Tage ein. Vor dem örtlichen Polizeirevier bringen sich Beamte in Stellung.
Mit scharfen Waffen: Nach dem Urteil von Ferguson stellt sich die Polizei auf heiße Tage ein. Vor dem örtlichen Polizeirevier bringen sich Beamte in Stellung. © Foto: dpa
dpa/MOZ / 25.11.2014, 07:04 Uhr - Aktualisiert 25.11.2014, 07:39
Ferguson (dpa/MOZ) "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden", rufen die Demonstranten. In der US-Kleinstadt Ferguson brennen nach der umstrittenen Entscheidung einer Anklagekammer im Fall Michael Brown wieder Gebäude. Die Grand Jury hat verkündet, dass der Polizist Darren Wilson nicht angeklagt wird. Er hat im August den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen. Jetzt drohen den USA rassistische Ausschreitungen.

Als Staatsanwalt Robert McCulloch vor die Kameras tritt, ist die Anspannung auf dem Höhepunkt. Es ist später Abend. Seit vielen Stunden weiß jeder, dass die Grand Jury nach rund drei Monaten endlich zu einem Urteil gekommen ist. Nur nicht, zu was für einem.

Die zwölf Geschworenen mussten klären, ob der weiße Polizist Darren Wilson eine Straftat begangen hatte, als er am 9. August den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown auf offener Straße in Ferguson erschoss. Eine Entscheidung von großer Tragweite - weit über die Kleinstadt in Missouri hinaus.

Also wägt McCulloch seine Worte genau ab. Er bedauert Browns Eltern, die "einen geliebten Menschen durch Gewalt verloren haben". Die Bedeutung seines Auftritts ist ihm völlig klar. "Die Bürger sind sich bewusst, dass die ganze Welt zuschaut wie wir antworten und reagieren", sagt er mit rauer Stimme.

Der Chefankläger kritisiert zunächst die vielen Gerüchte über den Vorfall, die in sozialen Netzwerken im Internet sowie durch den "unersättlichen Appetit der Medien" gestreut worden seien. Schließlich stellt er sich noch vorbeugend schützend vor das Justizsystem, in dem nur harte Beweise zählten und nicht Hörensagen.

Das lange Vorgeplänkel hat gute Gründe. Ihm folgt eine lange Liste an Indizien, die den 18-jährigen Brown in kein gutes Licht stellen. Wilson habe den Jugendlichen an jenem Sommertag gebeten, nicht mitten auf der Straße zu gehen, erklärt McCulloch. Darauf sei der an das Fenster des Polizeiwagens getreten und hätte hineingegriffen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen.

Brown habe sich dabei am Daumen verletzt. Er habe sich wieder von dem Wagen entfernt. Wilson sei ihm hinterher gelaufen. Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe und mindestens zwei Mal auf Wilson zugekommen sei. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab.

Viele Zeugen hatten ursprünglich nach dem Vorfall berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben habe, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, meint der Staatsanwalt. Einige hätten ihre Angaben geändert, andere später zugegeben, das Geschehen doch nicht gesehen zu haben. Schussverletzungen im Rücken habe Brown nicht gehabt. Die Entscheidung der Jury: Keine Anklage gegen den Polizisten.

Doch McCulloch kann sich noch solche Mühe geben, in Ferguson kommt es unmittelbar nach der Pressekonferenz zu Ausschreitungen. Hunderte Demonstranten stellen sich vor dem Polizeigebäude der Polizei auf. Eine Gruppe junger Leute ruft: "Wir brauchen all die rassistischen Polizisten nicht". Andere: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden."

Schnell wird es richtig gewalttätig in dem Vorort von St. Louis. Flaschen fliegen und Ziegelsteine. Protestanten zertrümmern die Fensterscheiben eines Spirituosenladens und plündern ihn. Andere setzen ein Polizeifahrzeug in Brand. Weit über ihnen kreisen mindestens drei Polizeihubschrauber. Überall marschieren Beamte in voller Kampfmontur.

Dann zünden Demonstranten auch Gebäude an. Hohe Flammen schlagen in den Nachthimmel. In der Luft liegt dichter Qualm, ob das Tränengas ist oder Blendbomben, ist nicht ganz klar. Immer wieder ist lautes Knallen zu hören. Schüsse?

All die Rufe nach Friedfertigkeit noch am Abend, von US-Präsident Barack Obama bis hin zu den Eltern von Michael Brown, scheinen ungehört zu verhallen. Aber wer vor Ort ist, weiß auch: Betroffen ist ein relativer kleines Gebiet der Stadt, vier Häuserblöcke vielleicht. Und viele wollen eigentlich gewaltlos protestieren. Man brauche nur wenige Krawallmacher, um Feuer zu legen, sagen sie.

Einer der Krawallmacher ist der 19 Jahre alte John. Er erscheint mit einer Gasmaske zum Protest. "Ich bin herkommen, um das Recht siegen zu sehen, aber nun wissen wir, das ist nicht der Fall. Jetzt geht es los hier, jetzt geht es los", sagte er. Später wirft er einen Ziegelstein in das Schaufenster eines Geschäftes.

Andere wollen einfach ihrer Stimme Gehör verleihen. Tetris Franks, Mutter von vier Kindern, spricht von einem "wirklich traurigem Tag". Minuten nach der Urteilsverkündung sagt die 48 Jahre alte Flugbegleiterin: "Die Leben der Schwarzen zählen nicht. Die ganze Sache bringt mich zum Weinen."

Um Mitternacht (Ortszeit) scheint die Polizei die Lage noch in den Griff bekommen zu haben. Sie versucht zwar, die Gruppen immer wieder aufzulösen. Doch an vielen Ecken brechen immer wieder kleine Kämpfe aus. Derweil kommen die ersten Ladenbesitzer, um sich den Schaden anzusehen. Sie hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat.

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Isenhagen 26.11.2014 - 17:51:17

Der Frieden zwischen

Schwarz und Weiß in den USA ist so etwas wie ein Kräftegleichgewicht der Stärke. Weder mag der Schwarze die Weißen noch umgekehrt. Nur noch weniger mögen die Weißen das Echo der Welt bei Gewalt gegen Schwarze. Das hält den Laden ein wenig zusammen, bricht aber jedes mal aus wenn ein kleine Ungerechtigkeit auftaucht. Dieses Elendsverhältnis haben aber nicht nur die Schwarzen zu den Weißen Amerikanern sondern im Grunde auch sehr viele Nichtamerikaner zu den USA überhaupt. Man verachtet die Yankees aus vollem Herzen respektiert in gewisser Weise ohnmächtig aber ihre Flugzeugträger und reibt sich heimlich die Hände wenn sie oder ihre Büttel mal so richtig von einem Selbstmordattentäter erwischt werden.

oi oi oi 26.11.2014 - 09:29:48

Nur mal etwas zum Lesen und Nachdenken.

Jeder, der die USA kennt, der Ahnung davon hat, was man auf keinen Fall tun sollte wenn die Polizei etwas von einem will und Ahnung davon hat, was passieren kann, spürt, dass ein Fall wie dieser böse enden kann. Nun, falls es stimmt, was geschrieben steht ... Quelle: Auszug aus den veröffentlichen Verhörprotokollen * * * * * * * * * * * * * * * * P.O. Darren Wilson notified his dispatcher he would be conducting a pedestrian check on Canfield Drive and requested an assist officer. P.O. Darren Wilson then placed his patrol vehicle in reverse and backed up toward the subjects and stated, "Hey, come here.? As P.O. Darren Wilson opened the driver?s door of his patrol vehicle, the door was slammed shut by Brown. P.O. Darren Wilson ordered Brown to get back and then attempted to open the driver?s door again. The door was then slammed shut again by Brown, who then placed both of his hands on the door, near the lower portion ofthe window frame, and held it shut. P.O. Darren Wilson stated he gave Brown several commands to get back and move away from the vehicle. As P.O. Darren Wilson was giving Brown commands, Brown thrust his upper body into the open window of the patrol vehicle. Brown immediately started punching P.O. Darren Wilson multiple times in the face and shoulders by "swinging wildly.? P.O. Darren Wilson indicated during the initial assault, he was struck on the left side of his chin, chest and shoulders. P.O. Darren Wilson began attempting to deflect the strikes with both hands and his left arm while ordering Brown to stop. P.O. Darren Wilson observed Brown reach back with his left hand and give something to Johnson, stating ?Here, take this.? Brown then used his left hand to strike P.O. Darren Wilson with a closed fist on the right side of his face. This ?stunned? P.O. Darren Wilson. P.O. Darren Wilson attempted to retrieve his department issued mace from his duty belt; however, due to him being in the seated position he was unable to. Additionally, P.O. Darren Wilson believed his collapsible baton would be ineffective due to the confined space. P.O. Darren Wilson indicated he felt Brown was overpowering him due to his size and position. P.O. Darren Wilson explained he could not escape or retreat through the passenger side of the vehicle as the radio and computer were situated in such a manner that prevented it. P.O. Darren Wilson created distance with Brown by pushing away with his left hand and then retrieved his department issued firearm with his right hand. >> P.O. Darren Wilson yelled, ?Stop or I will shoot.? As P.O. Darren Wilson was raising the firearm, > Brown grabbed the top of the gun. P.O. Darren Wilson explained that Brown?s hand was large enough to encompass the top of the slide, a large portion of the handgrips, and the trigger guard. >> Brown then yelled, "You?re too much of a pussy to shoot me." P.O. Darren Wilson ordered Brown to "stop" and "get back?. Brown did not comply. Brown then forced the barrel of the weapon in a downward angle, at which time P.O. Darren Wilson felt the barrel press into his left hip. P.O. Darren Wilson could feel the fingers of Brown?s hands moving near the trigger and trigger guard of the firearm. Fearing that Brown was attempting to shoot him, P.O. Darren Wilson placed his left hand against the frame of the firearm and began to push the gun away from himself while moving his hips to the right, away from the gun. P.O. Darren Wilson attempted to stop the threat by discharging a round of ammunition. P.O. Darren Wilson was able to pull the trigger of the firearm; however, the weapon malfunctioned. P.O. Darren Wilson believed the misfire was due to Brown?s hand preventing the weapon from functioning normally. P.O. Darren Wilson then pulled the trigger an additional time; however, the weapon again malfunctioned. P.O. Darren Wilson pulled the trigger again for the third time. The firearm discharged one round of ammunition which traveled through the driver's door. Immediately following the shot, P.O. Darren Wilson observed a large explosion of glass shards as the window shattered. P.O. Darren Wilson observed his hands were covered with apparent blood but was unsure who was injured. >> P.O. Darren Wilson stated Brown re-entered the vehicle through the driver?s window. Brown struck P.O. Darren Wilson in the face several times with a closed fist. Brown ceased the assault and then fled east on Canfield Drive. PO. Darren Wilson exited his patrol vehicle and notified his dispatcher that shots were fired and requested additional assist officers. P.O. Darren Wilson then chased Brown on foot and gave him several loud verbal commands to stop and get on the ground. Brown ignored the commands and continued to flee. As P.O. Darren Wilson was running, Brown stopped and turned around. According to PD. Darren Wilson, Brown had an ?intense? and look on his face. Brown immediately placed his right hand into the waistband of his pants. P.O. Darren Wilson stopped, leaving a gap of approximately 30 feet. P.O. Darren Wilson gave Brown a command to get on the ground. Due to the recent assault on PD. Darren Wilson and Brown?s action of placing his hand near his waistband, P.O. Darren Wilson still had his firearm in his hand and had it pointed at Brown. >> Brown then screamed something inaudible and began to "charge" P.O. Darren Wilson. >> P.O. Darren Wilson stated he began to back pedal with attempts to create or keep the distance between himself and Brown. P.O. Darren Wilson explained that he knew if Brown reached him, he would ?be done? as Brown had already overpowered him once during the assault inside ofthe patrol vehicle. >> P.O. Darren Wilson continued to give Brown commands to stop; however, Brown ignored them. Once Brown got within approximately 15 feet of him, P.O. Darren Wilson indicated he discharged five rounds to stop the threat. >> According to PD. Darren Wilson, this did not slow Brown down and he continued to advance. P.O. Darren Wilson discharged two additional rounds; however, Brown continued to advance. * * * * * * * * * * * * * * * * und so weiter und so fort. Und so läuft eine Hinrichtung ab?

ludwig pohland 26.11.2014 - 07:26:00

Was offensichtlich im Fall Michael Brown niemanden stört,

ist die Erkenntnis, dass es nicht 12 gezielter Schüsse bedarf um einen kriminellen Jugendlichen kampfunfähig zu machen. Somit ist die Handlung des Polizisten als regelrechte Hinrichtung und damit als Mord zu bewerten. "Verhältnismäßigkeit" scheint im Wortschatz der US Justiz unbekannt. Wenn sich die ohnehin gesellschaftlich diskriminierte und benachteiligte farbige Bevölkerung dagegen zur Wehr setzt, so ist das nicht nur ihr gutes Recht, sondern auch ihre Pflicht um Veränderungen herbei zu führen.

Egal 25.11.2014 - 20:16:32

Die Kunst der Weglassung

dpa hat schlicht vergessen zu erwähnen, dass der Getötete kurz zuvor einen Laden ausgeraubt hat. Kann ja mal passieren...

oi oi oi 25.11.2014 - 09:01:03

Was geschehen ist, ist ein Spiegel der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Jury hat entschieden, dass der Polizist nicht angeklagt wird und sie wird ihre Gründe dafür haben. Soweit, so gut. Dass die Leute nun deswegen auf die Straße gehen und Krawalle veranstalten, für mich hat das einen wirren Beigeschmack. Wirr deswegen, weil ein Polizist nun für den Unmut der Strasse seinen Kopf hinhalten soll. Einer, und nicht die gewaltsüchtige Gesellschaft an sich. Einer soll nun büßen für all das, was die Leute sich selbst verbockt haben. Waffen, überall und immer, die Gesellschaft wächst mit ihnen auf. Und, die Knarren werden schnell gezogen, schneller als so mancher Polizist reagieren kann und konnte. Folglich kommt es zwangsläufig auch immer wieder zu Überreaktionen. Siehe auch den Fall des Zwölfjährigen, der gestern erschossen wurde, weil er mit einer nicht von Weitem erkennbaren Spielzeugpistole herumlief. Grundsätzlich sollten die Menschen in den USA sich fragen, ob diese Ereignisse der Preis für ihren Way of Life sein sollen. Wenn nicht, dann auf ... bis zu den nächsten Wahlen. ... und nichts wird sich ändern, weil sie einfach nicht der Gewalt entsagen können, auch der Gewalt in ihren Köpfen.

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