Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Dicksein - die verharmloste Volkskrankheit

Guido Bohsem
Guido Bohsem © Foto: privat
Guido Bohsem / 02.02.2017, 18:48 Uhr
(MOZ) Noch um die Jahrhundertwende kamen die Deutschen von Urlaubsreisen aus den USA zurück, um von den Leuten dort vor allem eines zu erzählen: "Da sind viele echt total dick."Diese Anekdoten sind seltener geworden, und das liegt nicht daran, dass es weniger dicke Amerikaner gibt. Es ist vielmehr so, dass die Deutschen in Sachen Körperfett inzwischen ganz gut mithalten können. Tendenz steigend, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung jetzt dargelegt hat.

Dicksein hat verheerende Konsequenzen - für das Gesundheitssystem, vor allem aber für die Fettleibigen selbst. Die Allermeisten leiden unter ihrem Gewicht, psychisch und körperlich. Dicke sind Zeit ihres Lebens kränker als schlanke Menschen. Sie sterben früher. Adipositas, wie der Fachbegriff für Fettleibigkeit lautet, ist einer der drei großen Lebensrisiken für die Deutschen, neben Rauchen und Saufen. Doch die Volkskrankheit Dicksein wird ignoriert oder verharmlost.

Wer zu dick ist, hat ein höheres Risiko an Brust- und Darmkrebs zu erkranken, Diabetes zu bekommen und Herzkrankheiten. Dicke erleiden häufiger Schlaganfälle, und ihre Gelenke verschleißen unter der zusätzlichen Last deutlich schneller als die normal gewichtiger Menschen. Zwei Drittel aller Todesfälle sind auf Erkrankungen zurückzuführen, bei denen Ernährung als alleinige Ursache oder als Faktor eine Ursache spielt.

Dicke fallen auch der Gesellschaft zur Last, nicht nur bei der Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck. Immer häufiger sind die Tragen in den Krankenwagen oder die OP-Tische in den Kliniken nicht mehr geeignet für den Umfang und das Gewicht der Patienten. Die Zahl der Operationen zur Verkleinerung des Magens oder ähnlicher Eingriffe hat drastisch zugenommen - und sie wird weiter steigen.

Die Gesellschaft muss aufwachen und handeln. Nun sollte und kann man Lebensmittel nicht wie Alkohol und Zigaretten reglementieren oder verbieten. Zentral ist bessere Aufklärung. Und die sollte sich vor allem an Eltern und Kinder richten. Denn aus dicken Kindern werden auch dicke Erwachsene. Viele wissen entscheidende Dinge nicht, zum Beispiel, dass Orangensaft ebenso viel Zucker enthält wie Limonade. Der Kampf gegen die Pfunde ist eine mühsame, schwere Angelegenheit, wie viele Eltern wissen. Doch sie lohnt, denn schlanke Menschen sind in der Regel ihr längeres Leben lang glücklicher und gesünder.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Roland Totzauer 03.02.2017 - 17:19:09

Eigeninitiative ist notwendig

Ich biete hier ein paar Möglichkeiten zum Abnehmen an: - In meinem Haushalt gibt es seit Jahren keinen Zucker mehr. Kommt mir nicht mehr ins Haus! - Seit ein paar Jahren lege ich fast alle Alltagswege innerhalb von Frankfurt nur mit dem Fahrrad zurück - dass läßt die Pfunde purzeln! Letztes Jahr habe ich über 8.000 Kilometer auf dem Rad geschafft - dabei wurden viele Kalorien verbrannt! - Vor dem Kauf von Lebensmitteln schaue ich auf die Inhaltsliste und prüfe die versteckten Zuckeranteile. Süssigkeiten kaufe ich relativ selten. Cola und andere "moderne" Softgetränke fasse ich seit Jahren nicht mehr an bzw. trinke ich! Es gibt gesündere Alternativen. Diese Liste ungesunder Lebensmittel könne ich erweitern, würde hier dann aber den Rahmen sprengen! Fakt ist: Die notwendige Veränderung der Lebensweise beginnt im eigenen Kopf!

Damian Schnelle 03.02.2017 - 16:51:23

Leider ...

sind die, die es ändern könnten daran nicht interessiert. Die Lebensmittelindustrie wird sich doch nicht selbst ein Bein stellen. Man überlege mal, nur noch gesunde Lebensmittel. Was sollen wir denn dann mit der noch größeren Überproduktion an billigen und ungesunden Lebensmitteln anstellen? Es ist wie immer, niemand will an die wirklichen Ursachen. Und die Lüge von den dann ach so teuren Lebensmitteln sollte man sicherheitshalber erst garnicht ins Feld führen. Sie stimmt einfach nicht. Es gibt derzeit nur ein Problem: Es ist einfach, schnell und extrem billig sich ungesund zu ernähren.

Burkhard Koller 03.02.2017 - 14:18:08

Man sagt ja auch glücklich und doof

Aber wer will schon doof sein. Und wie misst man eigentlich, glücklicher sein? Ach, scheißegal. Jetzt müssen wir noch noch die Alten und Schwachen mobben, die uns mit ihrer Pflegebedürfigkeit auf der Tasche liegen, dann wird der teutsche Volkskörper wieder gesund. Im Mobben ist der Autor jedenfalls König, wie er in seinem Geschreibsel zu einem Prozess um die Todesumstände eines Jungen in Schwedt zu DDR-Zeiten selbstentlarvend zur Schau stellen durfe. Immer druff uff die Leute, die sich nicht wehren können! Differenzierung jedenfalls geht dem Autor ab. Es gibt nämlich auch Untersuchungen, die ein leichtes Übergewicht als lebensverlängernd festgestellt haben. Und warum stellt der Kommentator nicht mal die Frage nach den Ursachen für solch eine gesellschaftliche Entwicklung, denn das ist sie ja offensichtlich. Nein, er trennt die Dicken lieber von der Gesellschaft ab und macht sie zur Belastung für diese.

Werner Matzat 03.02.2017 - 12:30:45

Von Marius Müller-Westernhagen schon 1978 "ironisch" besungen? - und niemand hat es bis heute verstanden!

"Für Dicke gibt's nichts anzuziehn, Dicke sind zu dick zum fliehn": So gemein darf nur einer sein, der auch seine eigenen Schwächen schonungslos eingesteht. hier zum reinhören:https://www.youtube.com/watch?v=I3GGZf1Zo_Q und hier das ganze Album von 1978 https://www.youtube.com/watch?v=zVaQi58u6eg&list=PLyRvJhr3TLIDHWIMusrvA0SuLG3twIVHn Und darin ist Westernhagen ganz groß, nicht nur auf dem Erfolgsalbum "Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz", auf dem keineswegs nur "Dicke" ihr Fett wegkriegen, sondern auch der eigene Suffschädel. Und so sehr werden Übergewichtige in Deutschland diskriminiert Quelle:http://www.focus.de/gesundheit/news/xxl-report-so-sehr-werden-fettleibige-in-deutschland-diskriminiert_id_5979305.html Sehr geehrter Redakteur Guido Bohsem Die Gesellschaft muss aufwachen und handeln? Unsere Gesellschaft ist krank - ein Künstler zeigt es grausam und treffend http://www.huffingtonpost.de/2016/04/26/gesellschaft-krank-kuenstler_n_9776642.html Dummheit, Korruption, Ausbeutung, Gier. Es gibt viele Worte, mit denen man unsere Gesellschaft beschreiben könnte. Zumindest ihre Schattenseiten. Doch Bilder sind noch mächtiger als Buchstaben. Deshalb lassen wir hier die Illustrationen des Londoner Künstlers Steve Cutts für sich sprechen. Es ist nicht leicht, sie anzusehen. Aber niemand kann abstreiten, dass ihre Botschaft im Kern wahr ist.

Hasso Isenhagen 03.02.2017 - 05:48:16

ja natürlich

wer weniger isst wird oder bleibt schlank und wird glücklich und gesund. Noch schlanker wird wer gar nichts mehr isst, sondern nur noch trinkt. Wer aber dauerhaft gegen seinen Willen und seine Bedürfnisse lebt wird unzufrieden und gnatzig, auch aggressiv. Darauf soll sich der Schreiber einstellen.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG