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Reisen. Die illustre Geschichte
Nicht nur den Urlaub im Sinn

Reisen
Reisen © Foto: DK Germany
Stefan Klug / 15.11.2018, 13:55 Uhr - Aktualisiert 15.11.2018, 14:11
(MOZ) Wer heutzutage Reisen hört, denkt endlose Strände, pulsierende Städte oder einsame Berggipfel. Denn wer verreist entflieht dem Alltag, begibt sich auf einen Trip passiver oder aktiver Erholung. Doch dieser Hintersinn ist uns Menschen erst seit wenigen Jahrzehnten gemein. Jahrtausende lang war das Reisen vor allem eine Notwendigkeit: um zu handeln, zu entdecken oder auch um zu fliehen. Und es war vor allem eines: anstrengend. Denn in wenigen Stunden die Kontinente zu queren ist erst Dank der modernen Luftfahrt möglich. Noch im Postkutschenzeitalter benötigte man für heutige Tagestrips manchmal Wochen.

Insofern täuscht der Titel „Reisen. Die illustre Geschichte“ ein wenig über den wahren Inhalt hinweg. Denn die Bewegung von einem Punkt zu einem anderen in der Welt betrachten Michael Collins und seine Co-Autoren vor allem aus der geschichtlichen Sicht der Ortswechsel, wann also wer, warum und vor allem womit sich durch die Lande bewegte. Das 360 Seiten starke Buch ist also weniger eine Aufzählung aller möglichen Fortbewegungsmittel der Neuzeit, sondern ein Überblick, wie sich Sinn und Art des Reisens im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Angesetzt wird dabei durchaus frühgeschichtlich und folgerichtig ist das Werk in verschiedene Kapitel unterteilt, die den jeweiligen Epochen folgen. Ein wenig fließt dann dabei auch die Geschichte der Geographie mit ein, denn niemand reist Richtung Horizont, wenn er Gefahr läuft, dort von der Himmelsscheibe zu fallen.

Die Erkenntnis, dass die Reiserei erst in der jüngeren Vergangenheit dem Zwecke der Erholung dient und davor vor allem durch wirtschaftliche oder politische Gründe geprägt war, kommt dann auch nicht überraschend. So beherrschen über die Mitte des Werkes hinaus jene Reisen das Geschehen, die man getrost als notwendig betrachten darf. Mit der Dampfmaschine und einem sich erweiternden Radius auf der Landkarte kommen dann jene Unternehmungen hinzu, die vor allem dem Wissensdurst der Menschen geschuldet waren, siehe Humboldt, oder seinen Geschäften dienten. In dieser Zeit entstanden dann auch zusammenhängende Reiseerzählungen, wurden die Abenteuer dank der aufkommenden Fotografie ebenso penibel bildlich dokumentiert. Mitbringsel oder Reiseaufkleber kommen ebenfalls in diesen Jahrzehnten auf, die nahtlos in die sogenannte Goldene Epoche übergingen. Reisen wird zum Luxus. Spätestens seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts weitet sich der Blick für die Ferne. Denn gereist wird nun dreidimensional: zu Land, unter Wasser und durch die Luft natürlich.

Collins und sein Team widmen sich all diesen Abschnitten mit viel Liebe zum Detail, illustrieren reichlich, ergänzen mit Zeitleisten und vervollständigen, soweit möglich mit zeithistorischen Ansichten und Dokumenten. Dabei ist man immer dem eher wissenschaftlichen Ansatz verbunden und will den Blick nicht wirklich in Richtung Tourismus öffnen. Insofern bleibt sich das Werk treu, dass Reisen als Fortbewegung zu betrachten, weniger zum Zwecke der reinen Erholung.

Michael Collins: Reisen. Die illustre Geschichte; DK Germany

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