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Wanderung
Plädoyer gegen die chemische Keule

Wissenswertes vermittelt: Ernst Paul Dörfler (links) mit den Teilnehmern der Wanderung.
Wissenswertes vermittelt: Ernst Paul Dörfler (links) mit den Teilnehmern der Wanderung. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 19.08.2019, 08:00 Uhr
Gransee Artensterben? Weniger Insekten? Es gibt zwei Orte, an denen es jeder feststellen kann: Die Windschutzscheibe. Sie ist in den vergangenen Jahren sauberer als sonst, weil weniger Insekten dagegen geflogen sind. Oder: An den Straßenlaternen schwirrt es in den Abendstunden nicht mehr so intensiv wie einige Jahre zuvor. Schlichte Beispiele mit erstaunlichen Einsichten, von denen Ernst Paul Dörfler am Sonnabend auf einem Spaziergang der Volksinitiative "Artenvielfalt retten – Zukunft sichern" berichtete.

Ernst Paul Dörfler bezeichnet sich als "Bauernsohn", wuchs an der Elbe auf, studierte 1968 bis 1973 Chemie an der Technischen Hochschule "Otto von Guericke" in Magdeburg, war danach vier Jahre in Forschung und Lehre tätig. Von 1978 bis 1982 war er als Ökochemiker am Institut für Wasserwirtschaft in Berlin und Magdeburg beschäftigt. Hier erarbeitete er mehrere Studien zur ökologischen Situation in der DDR (darunter an der Nitrat- und der Pestizidstudie), die aber vor 1989 unveröffentlicht blieben, weil es in der DDR offiziell keine Umweltverschmutzung gab. Seit 1983 arbeitet Dörfler als freier Schriftsteller zu verschiedenen Umweltthemen.

Kritik an der Landwirtschaft

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen für Umweltthemen zu begeistern. Seine Forderung nach einer giftfreien Landwirtschaft leitete er damit ein, dass Kartoffeln bis zur Ernte zehn Mal gespritzt werden, Äpfel gar 21 Mal. Das alles sei seit mehr als 40 Jahren bekannt, komme aber erst jetzt langsam in den Köpfen an. Eine giftfreie Landwirtschaft würde zwar etwa ein Drittel weniger produzieren, das decke sich aber mit dem Drittel an Lebensmitteln, die jährlich weggeworfen würden. Dörfler sprach von einem "Waldsterben 2.0", den Bäumen gehe es wie den Menschen, sie reagieren empfindlich auf Stress.

Auf das Argument angesprochen, dass einige Länder viel größere Umweltsünder als Deutschland seien, antwortete er, dass der ökologisch Fußabtritt eines Europäers immer noch zehn Mal größer sei, als der eines Inders oder Chinesen. Was könne man nun von den Vögeln lernen? Dörfler macht es bis zum Schluss spannend: Vögel betreiben ein Minimum an Aufwand, ihre Nahrung ist naturbelassen, saisonal, regional und unverpackt. Zufüttern sei schlecht für die Arterhaltung, und Vögel in Gefangenschaft entwickelten die gleichen Krankheiten wie Menschen. Die Wohnung der Vögel, das Nest, wiege nur wenige Gramm, sei von unten gesehen fast transparent, biete aber eine Nesttemperatur von konstant 38 Grad, die Körpertemperatur der Vögel betrage etwa 42 Grad. Auch wenn die Vögel einer Art für Menschen gleich aussehen, so sei jedes Tier ein Individuum, mit seinem eigenen Geruch, seinem eigenen Gefieder und seinem eigenen Sound.

Nur wenige Naturfreunde hatten sich an diesem Spaziergang  beteiligt. Auf ganz anderes Interesse war Dörfler früher bei der DDR-Führung gestoßen. Er war einer der ersten ostdeutschen Natur- und Umweltschützer, hielt Vorträge über Umweltprobleme und wurde deshalb vom Ministerium für Staatssicherheit mit Abhöranlagen auch im Privaten überwacht. In einem seiner Seminare saßen gleich fünf Stasi-Leute, die aber alle voneinander nichts wussten.

Zur Volksinitiative

Gestartet haben die Volksinitiative für mehr Artenvielfalt in Brandenburg die  Umwelt- und Naturschutzvereine NABU, BUND, Naturfreunde, deren Jugendorganisationen, Grüne Liga sowie die Aurelia Stiftung.

Begleitet wird das Ganze von zahlreichen Veranstaltungen im Land.⇥red

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