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Ein ganz besonderer Beruf: Sandra (18) lernt Schäferin. Als derzeit Einzige in Brandenburg. Gerade hat sie alle Hände voll zu tun / Von Antje Scherer

Schäferin
Lämmchen zählen

Quicklebendig: Das Lamm auf dem Arm von Sandra Weihmann (18) ist etwa eine Woche alt und hüpft den ganzen Tag durch den Stall. So brav wie hier ist es nur ausnahmsweise.
Quicklebendig: Das Lamm auf dem Arm von Sandra Weihmann (18) ist etwa eine Woche alt und hüpft den ganzen Tag durch den Stall. So brav wie hier ist es nur ausnahmsweise. © Foto: Antje Scherer
Für Kinder
Antje Scherer / 12.05.2018, 12:01 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vor ein paar Tagen hat sie ihr erstes Lamm auf die Welt geholt. "Es war ziemlich groß und steckte fest", erzählt Sandra. Sie hat tief durchgeatmet, vorsichtig an den Vorderbeinen gezogen - "und dann ist es zum Glück schon rausgerutscht".

Inzwischen tobt das kleine Schaf mit den anderen durch den Stall, blökt, knabbert seiner Mutter an den Ohren und leckt probehalber an den ersten Heuhalmen.

Normalerweise brauchen Schafe selten Hilfe bei der Geburt, aber manchmal gibt es Probleme. Deswegen hatte Sandra in den vergangenen Wochen öfter Nachtschicht. Sie übernachtet dann auf dem Hof in Müncheberg und guckt alle zwei Stunden im Stall nach, ob alles in Ordnung ist.

Die 18-Jährige lernt Schäferin. Das ist einer der ältesten Berufe der Welt, aber inzwischen ist er selten geworden. Im Herbst war Sandra die Einzige in ganz Brandenburg, die diese Ausbildung angefangen hat. Und in ihrer Klasse in der Berufsschule in Halle (Sachsen-Anhalt), wo alle jungen Schäfer aus Deutschland lernen, sind sie auch nur 16.

Ihr Chef heißt Frank Hahnel. Der ist seit 30 Jahren Schäfer und hat mehr als 600 Merino-Schafe. So genau kann man das gar nicht sagen, weil im Moment jeden Tag ein paar dazukommen. Die Mutterschafe kriegen alle im Frühling ihre Lämmer und nur deswegen sind die Tiere überhaupt im Stall oder auf den Wiesen neben dem Hof. "Sobald die Lämmer etwas größer sind, gehen wir wieder auf Wanderschaft", erzählt Frank Hahnel.

Dann bringen er und Sandra die Schafe fast jeden Tag zu unterschiedlichen Wiesen. Allerdings ist es nicht mehr wie früher so, dass ein Schäfer die ganze Zeit auf die Tiere aufpasst. Das erledigen heute ein Elektrozaun und die Hirtenhunde.

Schafe fressen richtig viel Gras - Hahnels Herde einen Hektar (etwa ein Fußballfeld) pro Tag! Daraus wird am Ende nicht nur feine Wolle, sondern es ist auch gut für die Natur. Wo Schafe das trockene Gras abknabbern, gibt es zum Beispiel weniger Waldbrände. In vielen Ländern bekommen Schäfer eine Belohnung vom Staat, dafür, dass sie die Landschaft schützen. In Deutschland wurde diese Weideprämie aber 2005 abgeschafft.

Den Schäfermeister macht das immer noch wütend. Heute noch von seinem Beruf zu leben, sei sehr schwer, findet er. In Brandenburg gibt es nur noch 75 richtige Schäfer. Der Grund: Für die Wolle und das Fleisch der Tiere gibt es nur wenig Geld. Deswegen verdienen Schäfer trotz der vielen Arbeit - Klauen schneiden, Wolle scheren, Lämmern auf die Welt helfen, Zäune flicken - nicht sehr viel.

Sein Lehrling Sandra weiß noch nicht, ob sie später eine eigene Herde haben will. Geld sei ihr nicht so wichtig, sagt sie. Sie wollte immer einen "Beruf mit Tieren"- und ist erst mal froh, dass das geklappt hat. Es sei einfach toll, jeden Tag mit etwas Lebendigem zu tun zu haben.

Und immerhin spart sie sich das Fitnessstudio, seit sie ständig Futtereimer schleppt. Ihre Schwester sei neidisch auf ihre Muskeln, sagt sie und lacht.

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