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Goldene Zeiten
Der Schatz von Eberswalde

Kinder schauen sich die Ausstellung an.
Kinder schauen sich die Ausstellung an. © Foto: Ulrich Wessollek
Für Kinder
Antje Scherer / 21.09.2019, 12:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Eberswalde, im Frühling 1913: Bauarbeiter heben ein Loch aus, um Platz für ein neues Haus zu machen. Plötzlich stößt einer der Arbeiter mit dem Spaten auf etwas Hartes.

Zum Vorschein kommt ein großer Topf aus Ton voll mit glänzenden Sachen. Der Maurer glaubt, dass jemand Messing verbuddelt hat, denn gleich um die Ecke ist ein Messingwerk. Aber er irrt sich – es ist Gold. Er hat den größten Goldschatz aus der Bronzezeit entdeckt, der jein Deutschland gefunden wurde.

Die Ringe, Armbänder, Ketten und Trinkschalen bringen zusammen 2,6 Kilo reines Gold auf die Waage. Sie sind, das zeigen Untersuchungen, etwa 3000 Jahre alt! Wem sie gehört haben, weiß man nicht; aber Forscher gehen davon aus, dass es eine hochgestellte Persönlichkeit war, vielleicht ein Fürst.

Nach der Entdeckung geht die Geschichte filmreif weiter: Der Schatz geht an den Besitzer des Messingwerkes (der Finder bekommt immerhin 10 000 Mark) und der übergibt ihn (nicht ganz freiweillig) an den damaligen Kaiser Wilhelm II.; ausgestellt wird er im Berliner Völkerkundemuseum. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, wird das Gold dann in einem Bunker in der Nähe des Berliner Zoos eingelagert. Nach dem Krieg nimmt es die russische Armee als Beutekunst mit nach Russland; so nennt man Kunstwerke oder Schätze, die in einem Krieg geraubt werden. Dort verliert sich die Spur. Erst vor 15 Jahren hat sich dann herausgestellt, dass der Schatz in Moskau ist.

Das Thema Beutekunst ist schwierig; Deutschland findet, dass dieser Goldschatz zurückkommen sollte; Russland sieht das anders. Die Eberswalder Museumsleiterin Birgit Klitzke sagt dazu: "Hauptsache, der Schatz ist irgendwo öffentlich zu sehen”. Derzeit lagert das Original im Puschkin-Museum in Moskau, kann aber nicht besichtigt werden.

Im Stadtmuseum Ebeswalde gibt es zumindest eine Nachbildung aller Stücke und im Moment auch eine große Sonderschau. Dort erfährt man noch viele weitere spannende Details zur Geschichte des Schatzes und auch, was deutsche und russische Forscher mit moderner Technik gemeinsam über ihn herausgekriegt haben. Zum Beispiel dass die Finder damals mit Seifenlauge und Bürste daranherumgekratzt haben. Und dass es gar nicht 81 Goldstücke sind, wie man immer dachte, sondern nur 80 – eines der Teilchen war dann doch Messing. "Viele, viele Fragen sind aber noch offen”, sagt Klitzke – "das macht esso spannend!”

Museum Eberswalde, Steinstraße 3, 16225 Eberswalde, www.museum-eberswalde.de; geöffnet Di-So 10 bis 13 und 14–17 Uhr; Sonderschau zum Goldschatz noch bis 29.9.; für Schulklassen gibt es eine Schatzsuche oder Führung im Museum (bitte anmelden)

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