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Erika und Willi Walther aus Alt Stahnsdorf feiern ihre diamantene Hochzeit

"Von heute an gehe ich mit dem"

Sind seit sechs Jahrzehnten ein glückliches Ehepaar: Erika und Willi Walther aus Alt Stahnsdorf feiern heute das nicht so alltägliche Fest der diamantenen Hochzeit.
Sind seit sechs Jahrzehnten ein glückliches Ehepaar: Erika und Willi Walther aus Alt Stahnsdorf feiern heute das nicht so alltägliche Fest der diamantenen Hochzeit. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Iris Stoff / 09.10.2014, 05:03 Uhr
Alt Stahnsdorf (MOZ) "Ich würde meine Frau immer wieder heiraten", sagt der 83-jährige Willi Walther und drückt seine Erika (81) liebevoll. Die beiden Alt Stahnsdorfer sind 60 Jahre verheiratet und feiern das Fest der diamantenen Hochzeit. Wie alles anfing, wissen sie noch ganz genau.

Willi Walther stammt aus Treppeln an der Oder. Das liegt heute in Polen. Im Juni 1945, da war der Krieg schon vorbei, mussten alle deutschen Einwohner den Ort verlassen. Für den 13-Jährigen und seine Angehörigen begann eine mehrmonatige Odyssee, bis sie endlich in Alt Stahnsdorf einquartiert wurden. Im Frühjahr 1946 musste er dort dann noch für einige Monate in die Schule. Und gleich als er in den Klassenraum kam, sah er Erika dort sitzen. "Sie hat mir vom ersten Moment an gefallen", erinnert er sich. Bis sie ein Paar wurden, dauerte es aber noch einige Jahre. Die beiden machten in der Theatergruppe mit, die Lehrer Vins gegründet hatte, traten in den Dörfern auf und vergnügten sich beim Tanz. Doch alles nur freundschaftlich.

Willi, der nach der Schule zunächst vier Jahre im Dorf bei einem Bauern gearbeitet hatte, machte dann in Berlin eine Lehre zum Werkzeugmacher und arbeitete anschließend sein ganzes Berufsleben lang im Werk für Fernsehelektronik Schöneweide. An den Wochenenden kam der junge Mann immer zu seiner Familie nach Alt Stahnsdorf. Und dass es dann irgendwann zwischen ihm und seiner späteren Frau funkte, dafür hat Erika, die nach der Schule Verkäuferin gelernt hatte, den Anstoß gegeben. "Ich weiß das noch wie heute", erzählt sie. "Ich stand mit meiner Zwillingsschwester Gertraud am Fenster, wir machten uns zum Tanzen fertig. Und ich sagte, weißte, wer von allen Jungs der Beste ist? Das ist Walthers Willi. Von heute an gehe ich mit dem." Und Erika, die noch nie jemanden bei der Damenwahl aufgefordert hatte, holte sich an diesem Abend ihren Willi. Die Geschichte nahm ihren Lauf. 1953 wurde Verlobung gefeiert und ein Jahr später, am 9. Oktober, war die Hochzeit.

Das Hochzeitsbild hängt bei Walthers in der Veranda. Den roten Rosenstrauß hatte ein Kollege von Willi besorgt, dessen Mutter in einem Blumenladen arbeitete. Der weiße Spitzenstoff für das Brautkleid wurde in Westberlin gekauft, ebenso wie die Eheringe. Die Trauung fand in der Storkower Kirche statt. Die Hochzeitsgesellschaft fuhr mit einem gemieteten Bus dorthin. Gefeiert wurde in Erikas Elternhaus. "Dafür hatten wir drei Stuben ausgeräumt und das Klavier von der Gaststätte geholt. Es war ein tolles Fest." Zunächst wohnte das junge Paar dann noch in Alt Stahnsdorf bei den Eltern. Doch die tägliche Fahrerei zur Arbeit war für Willi Walter auf die Dauer zu anstrengend. "Über meinen Betrieb habe ich eine Wohnung in Berlin bekommen und wir zogen 1957 dorthin." Da war die Tochter Silvia schon auf der Welt. 1961 komplettierte dann Sohn Bernd die Familie.

1990 sind Erika und Willi Walther schließlich wieder nach Alt Stahnsdorf zurückgekehrt. Erikas Mutter brauchte Hilfe, und Willi war im Zuge der Abwicklung seines Betriebes im Vorruhestand. Die beiden haben das Haus saniert und erfreuen sich an dem gepflegten Garten. Um sich geistig fit zu halten, spielen sie jeden Tag zweimal Halma.

Im Laufe ihrer Ehe gab es für die Walthers auch Zeiten mit schweren Krankheiten durchzustehen. Willi kann sich nach einem Schlaganfall nur noch mühsam fortbewegen. Doch beide kommen in ihrem Haus mit Unterstützung der Kinder noch selbst zurecht. "Wir haben wunderbare Kinder, sie kümmern sich rührend", sagt Erika Walther. Stolz sind die beiden auch auf die drei Enkel Yvonne, Paul und Robert, die alle ihren Weg machen.

Das Geheimnis so einer langen Beziehung? "Gegenseitiger Respekt, auch wenn die Meinungen auseinander gehen", betont Erika Walther. Und ihr Mann fügt hinzu: "Ich liebe meine Frau einfach. Würde sie heute noch heiraten." Gefeiert wird das diamantene Fest heute in der Sportgaststätte von Alt Stahnsdorf. Freunde und Verwandte kommen. Und von den Kindern wird es sicher eine Überraschung geben.

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