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Schlaflos in Deutschland

Immer wieder wach: Wer mit Schlafstörungen kämpft, schreckt mehrmals in der Nacht hoch. Jeder Zehnte Arbeitnehmer leidet unter der besonders schweren Form Insomnie
Immer wieder wach: Wer mit Schlafstörungen kämpft, schreckt mehrmals in der Nacht hoch. Jeder Zehnte Arbeitnehmer leidet unter der besonders schweren Form Insomnie © Foto: dpa
Josefin Roggenbuck / 15.03.2017, 21:44 Uhr - Aktualisiert 18.10.2018, 12:32
Berlin (MOZ) Deutschland schläft schlecht, so ein Report der Krankenkasse DAK. Termin- und Leistungsdruck am Arbeitsplatz, ständige Erreichbarkeit oder zu viel Computer und Fernsehen - die Risiken für Schlafstörungen sind zahlreich, und die Zahl der Betroffenen wächst. Häufig greifen sie als erstes zur Schlaftablette.

Sie wälzen sich von einer Seite auf die andere um einzuschlafen, nachts werden sie mehrmals wach, am Tag fallen ihnen vor Müdigkeit die Augen zu - 80 Prozent der Arbeitnehmer schlafen einer repräsentativen Studie der DAK zufolge schlecht. Seit 2010 seien die Schlafstörungen bei Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen.

Das geht aus dem Gesundheitsreport 2017 "Deutschland schläft schlecht - ein unterschätztes Problem" hervor, den die gesetzliche Krankenkasse am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Unter der schweren Form der Schlafstörung, Insomnie, leidet der Befragung nach jeder Zehnte. Ein- und Durchschlafstörung, schlechte Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung charakterisieren die Erkrankung. "Wir sprechen von Insomnie, wenn der Betroffene über drei Monate hinweg mehr als drei Mal pro Woche länger als eine halbe Stunde zum Einschlafen braucht. Und wenn er in diesem Zeitraum mehr als dreimal pro Woche während des Schlafs wach wird", definiert Schlafmediziner Ingo Fietze.

Dennoch versucht die Mehrheit der Schlafgestörten, ohne Arztbesuch zurechtzukommen. Jeder Zweite kauft Schlafmittel ohne Rezept. Lediglich 4,8 Prozent, der Befragten, seien im vergangenen Jahr wegen Schlafproblemen in den Praxen gewesen. Selbst Arbeitnehmer mit Insomien greifen zur Selbstmedikation.

Aus diesem Grund fordert Fietze, die Behandlung mit Schlafmitteln geschulten Ärzten zu überlassen. Doch dort liegt das Problem. "In Deutschland gibt es nur zehn bis zwölf niedergelassene Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Schlafmediziner", so der Experte. "Mehr von ihnen wären aber wichtig, um Schlafgestörten eine Anlaufstelle zu geben." Nicht jeder gehe bei Problemen sofort ins Schlaflabor. Die meisten greift erst zur Tablette.

Viele Arbeitnehmer sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Häufig nutzen sie vor dem Zu-Bett-Gehen Smartphones und deren Apps oder schauen fern. Sie arbeiten in Nachtschichten, stehen unter Termin- und Leistungsdruck. Ständige Erreichbarkeit ist das Credo. "Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen", sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK.

Diese Entwicklungen müssen wachrütteln und vor allem ernst genommen werden. Schlafstörungen sind häufig Folge oder Ursache von psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen. Mehr als jeder dritte Patient bekomme deshalb eine Psychotherapie. Zielgerichtete Präventionsmaßnahmen seien erforderlich, sodass Storm zu einem bewussteren Schlafverhalten aufruft: "Wir müssen wieder lernen, dass Schlaf für unser Leben ein entschiedener Faktor ist, um ausgeglichen, gesund und leistungsfähig zu sein."

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