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Kreis verzeichnet höheren Krankenstand als Landesdurchschnitt

DAK-Report: Oderländer schlafen schlechter

Doris Steinkraus / 06.09.2017, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Ohne Schlaf kann der Mensch seinen Alltag nicht bestreiten. Immer mehr Arbeitnehmer haben Schlafprobleme. Das ist das Ergebnis des DAK-Gesundheitsreports für Märkisch-Oderland, der sich in einem Sonderteil dem Thema Schlaf widmet.

Im Verhältnis zu allen Krankmeldungen scheinen die 3,7 Krankentage je 100 Arbeitnehmer im Jahr aufgrund von Schlafstörungen nicht sehr viel. "Die Tendenz ist jedoch stark steigend und zudem müssen wir davon ausgehen, dass bei weitem nicht alle Schlafstörungen erfasst werden", erklärt Heiko Schübler von der DAK-Gesundheit. Bei zahlreichen Erkrankungen spielten auch Schlafstörungen als Begleiterscheinungen eine große Rolle. Die Umfragen haben ergeben, dass sich nur 6,1 Prozent der Betroffenen wegen ihrer Schlafstörungen behandeln lassen.

2010 hatte die Krankenkasse schon einmal das Thema Schlaf in den Fokus gerückt. Damit sind nun erste Vergleiche möglich. Das Problem werde weiter unterschätzt, betont Schübler. Analysiert wurden andauernde Ein- und Durchschlafprobleme, die sogenannten Insomnien. Sie hätten im Kreis um 113 Prozent gegenüber 2010 zugenommen. Die Verdichtung der Arbeitswelt, ständige Erreichbarkeit für dienstliche Belange auch außerhalb der Arbeitszeit, Schichtarbeit, aber auch falsche Schlafhygiene gehörten zu den Risikofaktoren, die die Ausbreitung begünstigten. "Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln", macht Schübler deutlich.

In Auswertung des Sonderthemas hat die DAK jetzt eine Schlaf-Hotline geschaltet. "Sie ist rund um die Uhr an 365 Tagen besetzt", betont der für Märkisch-Oderland zuständige DAK-Mann. Experten beantworten den Versicherten Fragen zu Schlafstörungen, geben Tipps und Hinweise. Auch im Internet können sie zu diesem Thema viel Wissenswertes erfahren.

Wer mehr vorbeugt, entlastet nicht nur die Krankenkassen, sondern verbessert letztlich seine eigene Lebensqualität. Das betrifft das Spektrum aller Krankheiten, unterstreicht Schübler. Mit einem Krankenstand von 5,1 Prozent lag Märkisch-Oderland über dem Landesdurchschnitt von fünf Prozent. Das heißt, an jedem Tag des vergangenen Jahres waren von 1000 Arbeitnehmern 51 krank geschrieben. Dennoch weist der DAK-Report auch positive Entwicklungen aus. Bei 23,4 Prozent der Fehltage waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems die Ursache. Das ist immer noch die größte Gruppe. Gegenüber dem Vorjahr ging der Anteil um ein Prozent zurück. Bei Erkrankungen des Atmungssystem wurde sogar ein Rückgang um zehn Prozent bilanziert, bei psychischen Erkrankungen waren es vier Prozent weniger.

"Wir setzen weiter auf ein stärkeres Gesundheitsmanagement in den Unternehmen", erklärt Schübler. In den Ballungsgebieten mit größeren Firmen und Einrichtungen laufe das bereits sehr intensiv. Die DAK führt die geringeren Krankenstände auch darauf zurück. "Vor allem in der ländlichen Region scheuen sich jedoch kleinere Unternehmen, die Kooperation mit uns zu suchen", weiß Schübler. Man biete für jede Betriebsgröße Passendes, auch für zu Hause oder für Pausenbewegungen. Immer mehr Unternehmen würden erkennen, dass davon beide Seiten profitieren. Regelmäßige Bewegungsangebote würden zum Beispiel nachweislich Ausfallzeiten wegen Rückenleiden reduzieren und seelischen Problemen vorbeugen, so die Erfahrung der Krankenkasse.

Der DAK-Gesundheitsreport 2017 macht erneut deutlich, dass Langzeiterkrankungen für den größten Teil der Fehltage verantwortlich sind. 4,5 Prozent der Erkrankten fehlten mehr als 43 Tage. Sie hatten einen Anteil an den Ausfalltagen insgesamt von immerhin 42,3 Prozent.

Schlaf-Hotline, ganzjährig, rund um die Uhr, Tel. 040325325805, Schlaf-Special unter www.dak/schlaf; Gesundheitsmanagement für Firmen der Region unter Tel. 040325325555

Hintergrund


■ Schlafmenge: Schlafmediziner gehen davon aus, dass eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden optimal ist.
■ Schlafvorbereitung: Experten empfehlen wenig Fernsehen, kein Arbeiten am Laptop und mit dem Smartphone, Vermeidung großer körperlicher Anstrengungen vor dem Zu-Bett-Gehen.
■ Schlafhygiene: Neben der richtigen Zudecke sind Matratze und Unterfederung entscheidend für ein trockenes Bettklima. Beim Schlafen gibt der Mensch Nacht für Nacht bis zu 700ml Körperfeuchtigkeit ab. Be- und Entlüftungskanäle zur Seite sind wichtig.
■ Schlafverhalten: Es wird entscheidend durch das Lebensalter geprägt. Bei Kindern kollidiert der biologische Rhythmus mit dem Schulbeginn. Bei Jugendlichen wächst das Schlafbedürfnis ab der Pubertät wieder. Sie können nichts für ihre morgendliche Schläfrigkeit. Mit zunehmenden Alter reduziert sich die Tiefschlafphase.
■ Schlafbedeutung: Wissenschaftler, auch die der WHO, unterstreichen den engen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Erkrankungen.

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