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Wellness und Massage mit neuem Team

Gesundheitsversorgung
Heilmoor an der Friedrichstraße

Gemeinsam am Ball: Vanessa Nobis, Ilka Flug und Jana Kissinger (v.l.) erwarten seit Mittwoch in der komplett umgebauten und modernisierten Letschiner Physiotherapie-Praxis die Patienten.
Gemeinsam am Ball: Vanessa Nobis, Ilka Flug und Jana Kissinger (v.l.) erwarten seit Mittwoch in der komplett umgebauten und modernisierten Letschiner Physiotherapie-Praxis die Patienten. © Foto: Ulf Grieger/MOZ
Ulf Grieger / 03.01.2019, 07:00 Uhr
Letschin (MOZ) Heilmoor aus der Bad Freienwalder Fachklinik wird nun auch in der Physiotherapie von Ilka Flug in Letschin eingesetzt. Die ehemalige „Schlecker-Frau“ hat die Praxis in der Friedrichstraße 8 übernommen. Am Mittwoch war Eröffnung.

„Das schwarze Gold“ des Niederoderbruchs, abgebaut in den Torflagerstätten nördlich von Falkenberg, kommt nun auch in Letschin zum Einsatz. Ilka Flug, die die Physiotherapiepraxis von Karola Birlem in der Friedrichstraße übernommen hat, bringt mit dem Heilmoor quasi ihr langjähriges Arbeitsmittel aus der Fachklinik mit, in der sie zuvor tätig war. „Wir müssen zunächst einmal Erfahrungen sammeln, wie das angenommen wird“, erklärt die 44-Jährige. Das Heilmittel bezieht sie direkt von der Fachklinik Bad Freienwalde, einer Einrichtung des Landkreises Märkisch-Oderland. Die Moortherapie findet Anwendung bei Erkrankungen, bei den die wärmebedingten Reaktionen des Organismus therapeutisch sinnvoll sind und die Wärmebelastung vertragen wird. Zum Beispiel bei Krankheiten des Skeletts der Muskeln und des Bindegewebes, entzündlich-rheumatische Erkrankungen, degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Osteoporose und Gicht. Natürlich kann jeder, der die wohlige Wirkung des Moores einmal selbst spüren möchte, eine Moorpackung ohne ärztliche Verordnung in Anspruch nehmen.

Der Weg der Seelowerin zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin war nicht einfach. Denn nach ihrem Abi in Seelow erlernte sie zunächst den Beruf einer Handelskauffrau und war 20 Jahre lange bei der zeitweise größten europäischen Drogeriemarktkette Schlecker beschäftigt, zuletzt sogar als Marktleiterin. Als das Schlecker-Imperium 2012 zusammengebrochen war, ging es ihr wie vielen der damals bundesweit betroffenen „Schlecker-Frauen“. 22 959 Mitarbeitern der Drogeriekette Schlecker wurde im Juni 2012 gekündigt. Die meisten davon waren Frauen. Die „Schlecker-Frauen“ wären damals beinahe zum Wort des Jahres geworden. Das zeigt, wie sehr die Schockwellen der Pleite das ganze Land erschüttert hatten. Das Schicksal der Verkäuferinnen bewegte Deutschland sehr.

Auch Ilka Flug musste und wollte sich komplett umorientieren. „Ich komme ja eigentlich aus einer Familie, in der sehr viele im medizinischen Bereich arbeiteten. Deshalb habe ich meinen neuen Arbeitsschwerpunkt auch in dieser Richtung gesucht“, erzählt sie. Ihre Oma Ilka Heim war viele Jahre lang Hebamme in Wriezen, ihre Mutter Säuglingsschwester am Seelower Krankenhaus. Somit führt Ilka Flug, in deren Verwandtschaft weitere Krankenschwestern und Pfleger arbeiten, eine Familientradition fort. Ein Jahr nach der Schleckerpleite absolvierte sie in Strausberg eine Umschulung zur Altenpflegerin und Masseurin. In der Fachklinik der Kurstadt arbeitete sie dann.

Nun setzt sie diesen Weg in der eigenen Praxis fort. Dabei hatte sie große Unterstützung durch die Familie. Ihr Mann Tino Flug, der Zimmerer bei der Firma Jaß in Libbenichen ist, half beim Umbau der ehemaligen Praxisräume in der Friedrichstraße. Den bisherigen Patientenstamm von Karola Birlem hat sie übernommen, wobei es in diesen Tagen Sache der Patienten ist, sich dort wieder anzumelden.

Das neue Team der Praxis hatte am Mittwoch den ersten Arbeitstag. Physiotherapeutin Vanessa Nobis, sie arbeitete bislang in Neuhardenberg,  übernimmt die fachliche Leitung im Haus, bis Ilka Flug im Februar die letzte fachliche Prüfung zur Physiotherapeutin absolviert hat. Die beiden Physiotherapeutinnen habe drei Einzelbehandlungsräume zur Verfügung, in denen manuelle Lymphdrainagen, Fußreflexmassagen, Elektrotherapie, das Schröpfen und eben auch die Behandlung mit dem Heilmoor durchgeführt werden.

Einen eigenen Bereich hat Jana Kissinger. Sie ist die Wellnesstherapeutin im Team. Die junge Frau, die zuvor in Wriezen in einer Physiotherapiepraxis tätig war, bietet dort Aroma-Massagen, Anti-Aging-Behandlungen und vieles andere an, das dazu führt, dass sich  die Patienten wohler fühlen. Da es solche Behandlungen kaum noch auf Rezept gibt, erfolgen solche Massagen auch nicht selten per Gutschein. Das „Anti-Aging“ ist dabei durchaus ganz wörtlich zu nehmen. „Manche Patienten erzählen, dass sie sich danach 20 Jahre jünger fühlen“, erzählt Jana Kissinger nicht ohne Stolz. Wer meint, dass solche Wohlfühl-Behandlung bei den  eher auf den praktisch-medizinischen  Nutzen orientierten Dorfbewohnern eine untergeordnete Rolle spielt, der wird spätestens bei der Terminplanung erfahren, welch eine  große Nachfrage es dafür gibt.

Im Haus neben der Letschiner Sparkasse gibt es zudem einen kleinen Sportraum für Bewegungstherapie-Übungen. Neben Sprossenwand und Gymnastikball werden dort in diesen Tagen weitere Elemente eingebaut. Dort wird hauptsächlich Heilgymnastik angeboten, die auch per Rezept verordnet wird. Es gibt dort Übungen für die Mobilisierung des Nervensystem, Rückenschule und sensomotorisches Training.

Die Adresse der Praxis von Ilka Flug, die Friedrichstraße 8, ist bereits seit 19 Jahren Anlaufpunkt für Physiotherapie-Patienten im Oderbruch. Wobei, dem Standort Letschin gemäß, sowohl Patienten aus dem nördlichen wie aus dem südlichen Oderbruch kommen. Karola Birlem führte die Praxis bis vor kurzem. Sie hatte vor 40 Jahren im damaligen Landambulatorium Letschin als Physiotherapeutin begonnen. Dort eröffnete sie vor 29 Jahren auch ihre eigene Praxis. Zehn Jahre später zog sie dann in die Friedrichstraße  um. Sie betrieb dort auch ein Solarium, heißt es in der Letschiner Chronik, in der nun ein weiteres Gesundheits-Kapitel geschrieben wird.

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