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Gartenserie
Hoch hinaus im eigenen Garten

Thomas Sabin / 30.04.2019, 08:30 Uhr
Hoppegarten (MOZ) Die Idylle des grünen Gartens, der leuchtend in der Frühlingssonne liegt, kann trügerisch sein. Hinter all dem sprießenden Gemüse, den roten Rosen und saftigen Obst steckt harte Arbeit.

Nicht selten gehen wunde Knie und ein schmerzender Rücken einher mit dem Grünen Daumen. Das ständige Bücken, Zupfen und Umgraben macht auf Dauer zu schaffen. Wer Freude an Natur und Garten hat, möchte das auch im fortschreitenden Alter oder gehandicapt nicht missen. Mit Hochbeeten kehrt die Gemütlichkeit zurück in den eigenen Garten.

Matthias Göldner baut Hochbeete in der Firma GrünConcept im brandenburgischen Hoppegarten bei Berlin. "Manchmal schlafe ich im Freien", sagt der 49-Jährige auf dem Weg in den Schaugarten der Firma und macht deutlich, wie sehr ihm Natur und Garten am Herzen liegen. "Es gibt nichts Schöneres, ich brauche das. Bei so einem Himmel, das ist schon herrlich", schwärmt er. Die Verbindung zur Natur ist ihm wichtig und seit 15 Jahren Teil seines Berufslebens.

Göldner ist einer von sechs Mitarbeitern des Unternehmens. "Jeder hat hier sein Spezialgebiet, aber alle packen dort mit an, wo etwas zu tun ist", sagt er. Seines sind jene Beete, die er auch nach Kundenwunsch baut. "Seit sieben, acht Jahren sind Hochbeete ein Riesenthema", meint er.

Zahlreiche Hersteller bieten verschiedenste Variationen an. Entweder ganz aus Stahl, aus einem Holz-Kunststoff-Gemisch oder aus purem Holz. Auch Do-it-yourself-Anleitungen lassen sich zu Hauf im Internet finden.

"Das Gemüse wächst in einem Hochbeet doppelt bis dreimal so schnell", erklärt Göldner. Man kann also häufiger ernten. Das sei einer der Hauptgründe neben dem rückenfreundlichen Gärtnern, warum immer mehr Menschen darauf zurückgreifen.

Die Vorteile des Beetes 2.0 sind vielseitig. "Die Seitenwände heizen sich durch die Sonne tagsüber auf, speichern die Wärme und geben sie in der Nacht an das Gemüse ab." Zudem ist der Bereich, der zu bewirtschaften ist, überschaubar. Und es kann bequem ohne lästiges Bücken an einem Hochbeet gearbeitet werden. "Auch als Gartenmöbel, weil es eben auch schön aussieht, kann ein Hochbeet was hermachen. Wer will, streicht es in den Farben der Gartenlaube", sagt der Fachmann.

Im Schaugarten der Firma stehen vier verschieden große Beete. Göldner empfiehlt auch ein Wühlmausgitter im Boden des Hochbeetes. "In einem normalen Beet müsste man alles unterirdisch auskleiden. Denn Wühlmäuse fressen gerne Wurzelgemüse. Eben genau das, was man auf einem Hochbeet anbaut." Mit dem Gitter bleiben sie außen vor. Zudem sei Holz eine gute Schneckenbarriere. Und wer mag, dem baut Göldner eine Igel-Behausung mit ins Hochbeet.

Für seine Beete nutzt er zwei verschiedene regionale Holzarten. Zum einen Kiefernholz, welches schon vorimprägniert ist. "Dieses Holz erkennt man am grün-bräunlichen Farbton", erklärt Göldner. Zum anderen nutzt er das lange haltbare Holz der Douglasie. "Viele Leute achten ganz stark auf Ökologie und wünschen sich reines Holz, wie es im Wald gefällt und im Sägewerk rund gemacht wird."

Gruppendynamik am Hochbeet

Die bequeme Höhe und die Erreichbarkeit von allen Seiten vereinfacht das Arbeiten und bringt Menschen zusammen, meint auch Jens Leupold von der Firma Predl GmbH im südbrandenburgischen Bönitz.

Der Vertrieb unter dem Markennamen Prewood ist eine zweite Produktschiene der Predl GmbH. Die Produktion, Konstruktion und Fertigung von Produkten für den Außenbereich findet komplett in Deutschland und Österreich statt. Die Herstellung von Hochbeeten aus einem Holz-Kunststoff-Gemisch kam vor fünf Jahren dazu. Seitdem werden auf einer Maschine verschiedene Profile mittels verschiedener Werkzeuge produziert. Aus diesen entstehen dann wiederum verschiedene Produkte für den Bereich Garten: Hochbeete, Pflanztürme und Mülltonnen-Einhausungen. "Wir haben uns auf besonders robuste Hochbeete spezialisiert", sagt Leupold. Zwar geht der Trend immer mehr hin zum Rustikalen, doch ein Stoff, der fast ewig hält, hat ebenfalls das Interesse der Gründäumler geweckt. Was in Bönitz entsteht, hat 15 Jahre Garantie. "Wir wollen etwas Langlebiges schaffen."

Das Ausgangsmaterial ist ein Holz-Kunststoff-Gemisch, das aussieht wie kleine Holzpellets. Die Mischung besteht aus bis zu 70 Prozent Holz und 30 Prozent Polymeren. Sie wird in einer sogenannten einstufigen Extrusionsmaschine erhitzt und weich gemacht. "Es entsteht eine Art Brei, dem Farbpigmente in geringer Menge zugeführt werden", erklärt Leupold.

Mit Druck wird diese Masse dann durch ein Werkzeug gepresst und auf einer Länge von zirka zehn Metern mithilfe eines Vakuums und Wasser heruntergekühlt. "Es ist im Grunde wie eine große Keksmaschine." Heraus kommen einzelne Profile, aus denen am Ende das vom Kunden gewünschte Produkt in Handarbeit zusammengebaut wird.

"Speziell für Rollstuhlfahrer ist so ein Hochbeet eine enorme Erleichterung", sagt Leupold. Neben privaten Kunden zeigen auch Rehabilitationseinrichtungen oder auch Seniorenheime Interesse an unterfahrbaren Hochbeeten.  "Diese Beete sind speziell für Rollstuhlfahrer entwickelt worden. Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut, welche Standardgrößen es bei Rollstühlen gibt. An diese haben wir unsere Hochbeete angepasst." Ein Mehrwert sei zudem, dass Gruppendynamiken entstehen, da gemeinsam von allen Seiten an einem Beet gearbeitet werden kann und man ins Gespräch kommt. "Und ganz unabhängig vom Alter, ist das Arbeiten an einem Hochbeet viel gesünder als am Boden", so Leupold.

Ganz egal ob rustikal oder langlebig, ob vom Experten gebaut oder selbstgebastelt. Der Rücken dankt es einem. Und die Pflanzen auch: "Viele wissen, dass aufgrund der guten Nährstoffe im Kompost Gemüse besser wächst. Dieser Effekt entsteht durch den Schichtaufbau im Hochbeet. Die Nährstoffe kommen leichter an die Wurzeln", sagt Matthias Göldner. Und der Mensch, der kommt leichter an das Gemüse. Ganz egal wie alt, groß oder bequem er ist.

Wie befüllt man ein Hochbeet richtig?

Um den gewünschten Effekt in einem Hochbeet zu erzielen, ist ein vernünftiger Schichtenaufbau notwendig. Nur so können die Pflanzen und das Gemüse schnell gedeihen. Jede Schicht sollte etwa ein Drittel im Hochbeet einnehmen –  egal welche Größe ein Hochbeet hat. Das Verhältnis sollte stets eingehalten werden.

Unter der ersten Schicht wird ein Gitter angebracht, um Wühlmäuse an dem Beet fernzuhalten. Das überirdische Eindringen der Wühlmäuse wird schon allein durch die Höhe des Beetes unmöglich gemacht.

Die erste Schicht kommt dann auf das Gitter und besteht aus Ästen und Zweigen. Hierfür bietet sich der ohnehin im Garten anfallende Baum-, Strauch- oder auch Heckenschnitt an.

Die zweite Schicht sollte aus Laub- oder Rasenschnitt bestehen und kann mit grobem Kompost gefüllt werden.

Die dritte Schicht besteht aus guter Garten- und Komposterde. Zudem kann hier  bereits fertiger Kompost mit untergemischt werden.

Düngemittel sind bei einem Hochbeet nicht notwendig. Wahlweise können auch Rasensoden – ausgestochene Stücken Grasnarbe – zwischen die erste und zweite Schicht gelegt werden. ⇥tsa

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