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Garten
Das leuchtende Herz

Thomas Sabin / 07.05.2019, 15:43 Uhr
Mescherin (MOZ) Grün – mal heller und mal etwas dunkler – leuchten die Knospen der Rosen in der Sonne. An der Spitze des Stammes strecken sie sich nach oben. Noch scheint die Pflanze zu schlafen. Könnte man über Wochen ausharren, ohne die Augen zu schließen, würde man einen hypnotisierenden Prozess beobachten können.

Andrea Genschorek bewundert diesen Prozess Jahr für Jahr aufs Neue. Im uckermärkischen Mescherin betreibt die gelernte Sozialpädagogin seit zehn Jahren eine Bio-Rosenschule. Ihre veredelten Bio-Rosen verkauft sie in die ganze Welt. "Eigentlich wollte ich damals Reittherapie geben", sagt die 53-Jährige, umringt von Rosen und zahlreichen Pflanzen inmitten ihrer Schaugärten.

Im Zeitraffer zuckt die Rosenblüte Millimeter für Millimeter nach rechts, dann wieder nach links. es scheint fast so, als würde sie tanzen. Ihre fünfzählig gefiederten Laubblätter sind bereits erwacht und recken sich weiter nach außen – wie der Mensch seine Glieder am Morgen, wenn er sein Bett verlässt. umschließen die Kelchblätter das leuchtende Herz, können es aber nicht mehr länger versteckt halten. Tage vergehen, bis das saftige Rot die grünen Blätter nach außen presst, bis sie auseinander springen. Dann breitet sich die volle Blütenpracht spiralförmig aus. Es scheint, als würde das Innerste wabern, wie Magma. Und Rosenduft erfüllt die Luft.

Als es Genschorek vor 19 Jahren aus Teltow-Fläming in die Uckermark verschlug, fand sie einen alten Bauerngarten vor. Das Grundstück kaufte sie 1999. In ihrer Vorstellung pflanzte sie bereits zahlreiche historische Rosen auf dem Hof. Was entstehen würde, gefiel ihr.

"Es hat sich herausgestellt, dass hier weit und breit kein Anbieter für Rosen war. Somit musste ich welche von weit her bestellen. Da habe ich dann angefangen, mich mehr damit zu beschäftigen". Eine Geschäftsidee entstand. Heute führt sie eine von nur drei zertifizierten Rosenschulen in ganz Europa. Eine steht in den Niederlanden, zwei in Deutschland.

Um zertifiziert zu werden, muss sie nach den Vorgaben des Verbandes Bioland arbeiten. Das bedeutet, sie muss ohne chemisch-synthetische Mittel produzieren. "Egal ob gegen Unkraut, Schädlinge, oder um Düngung zu erzeugen. Wir machen alles organisch natürlich", erklärt sie.

Genschorek hat sich das Wissen angeeignet, wie man Rosen vermehrt. Dafür hat sie sich drei Jahre lang in verschiedensten Rosenschulen umgeschaut. Ihren Landwirtschaftsbetrieb mit Pferden und Schafen hat sie mit der Zeit eingestellt. Die Pferde sind geblieben. Doch nicht mehr zu pädagogischen Zwecken, sondern als "Düngemittellieferanten" für ihre Bio-Rosen, wie sie mit einem Schmunzeln im Gesicht sagt.

Ihr Geschäft läuft sehr gut. Mit nur drei Mitarbeitern produziert sie im Jahr zirka 10 000 Bio-Rosen. "Hier ist es wie in einer Manufaktur. Wir machen alles per Hand. Das ist Leidenschaft und harte Arbeit", sagt sie und schaut auf die sechs Hektar Land, wovon einer allein für die Rosenzucht genutzt wird. Die restlichen fünf sind Schaugärten, Pferdefläche und ein großer Teich. Die größte Fläche nimmt die Weidefläche für die Pferde ein. Mit dem Wasser aus dem Teich wässert sie ihre Rosen. "Der Kalkgehalt ist sehr gering. Das mögen Rosen."

Bio-Rosen sind robuster

"Im Moment jedoch", verrät sie, "ist es mehr harte Arbeit als Leidenschaft". Ihr Lächeln legt sie dabei nicht ab. Tauschen möchte sie aber nicht. "Es ist eine schöne Arbeit, ich mache das wirklich gerne."

Ihre Bio-Rosen unterscheiden sich von den handelsüblichen, die im Baumarkt zu finden sind, erklärt die Expertin. Zum einen wachsen sie ganz ohne chemische Zusätze. "Chemisch ernährte Rosen bezeichne ich gerne als Fast-Food-Rosen. Die gehen wahnsinnig schnell hoch, sind wässrig, und deshalb anfälliger für Pilzkrankheiten und  nicht so winterhart wie organisch gedüngte Rosen", sagt sie.

Organisch ernährte Rosen hingegen brauchen etwas länger, um sich zu entfalten. "Wenn man Pferdemist auf den Boden kippt, ist das nicht gleich pflanzenverfügbarer Dünger. Die Bodenlebewesen müssen das Material erst umsetzen, damit der Nährstoff für die Pflanzen bereit steht. Und das dauert." Der Vorteil: Dadurch, dass sie langsamer wachsen, sind sie insgesamt robuster. Das zeige sich vor allem in ihrer Winterhärte.

Bio-Skeptikern versucht die Landfrau stets zu erklären, was sie darunter versteht, und warum sie sich entschieden hat, Bio-Rosen zu züchten. "Für mich bedeutet Bio, aktiven Umweltschutz zu betreiben. Bio ist eben nachhaltig, etwas für die Zukunft."

Und der größte Vorteil an naturnaher Gärtnerei: "Das ist viel leichter und unkomplizierter", sagt Genschorek. Zudem liege es im Trend, alles etwas ökologischer wachsen zu lassen. Das sei vor allem bei den Jüngeren beliebt, aber auch bei älteren Hobbygärtnern sei das angekommen. Man hat weniger Arbeit und schützt gleichzeitig die Natur, für die Rosen-Züchterin eine Frage der Logik. Ihre Wildrosen jedenfalls sind unkompliziert und pflegeleicht, verspricht sie. Und bei einer Auswahl von über 200 Sorten, ist für jeden etwas dabei.

Die größte Rosensammlung der Welt

Wie viele Rosen es weltweit gibt, ist kaum zu beziffern. Viele Arten haben noch nicht mal einen Namen. Die größte Sammlung der Welt steht in Sachsen-Anhalt. Im Europa-Rosarium Sangerhausen blühen Millionen von Rosenblüten. Mehr als 8600 verschiedene Sorten und Arten können dort betrachtet und ihr Duft inhaliert werden. Und mit etwas Glück, steht man genau im richtigen Moment vor einer Blüte. Genau dann, wenn die Kelchblätter das leuchtende Herz im Innern offenbaren und die farbigen Blätter ihre Hülle sprengen. Und das, ganz ohne chemische Zusätze, rein organisch, wie von der Natur vorgesehen.

Der Star unter den Rosen bei Andrea Genschorek ist die "Uckermärker Küchenrose", ein absoluter Verkaufsschlager. Gelee, Eis und Liköre werden aus den Blüten hergestellt. Damit hat sie es sogar ins Fernsehen geschafft. "Ich kann gar nicht so viel produzieren, wie nachgefragt wird. Und das, obwohl es eine Halbwildrose ist, die aus früherer Zeit stammt. Sie schmeckt aber am besten", sagt sie.

Bio-Rosentipps von der Expertin

Robuste Sorten:  Schon beim Kauf der Rosen empfiehlt es sich darauf zu achten, dass die Sorten nicht so krankheitsanfällig sind. Eine robuste Sorte ist zum Beispiel der weiße Rambler Guirlande dÀmour.

Der richtige Platz: Beim Einpflanzen der Rosen empfiehlt die Expertin, auf den richtigen Ort zu achten. Manche Rosen mögen es sonnig, manche halbschattig. Durch entsprechende Wahl kann man sich viel Arbeit ersparen.

Bodenpflege: Um ein gutes Wachstum zu gewährleisten ist es ratsam, den Boden immer mal wieder mit natürlichen Kompostgaben aufzubessern. Organisches Düngen mit Gartenabfällen tut der Rose gut.

Kampf gegen Läuse: "Wer keine Laus im Garten hat, der hat auch keinen Vogel im Garten", gibt die Expertin vor. Sie rät: Die Laus mit dem Finger zerdrücken oder sie mit scharfem Wasserstrahl abspritzen. Und wenn mal eine Laus sitzen bleibt, hat der Vogel auch noch Futter.

Das richtige Wasser: Das Wasser sollte nicht zu kalkhaltig sein. Regenwasser eignet sich dafür am besten. Und Rosen sind Tiefwurzler. Also je nach Witterung alle paar Wochen einen Eimer Wasser drauf und dann eine Weile in Ruhe lassen, als jeden Tag ein wenig gießen.

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