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Vereinsvorsitzender Volkmar Seidel berichtet vom systematischen Kaputtmachen eines erfolgreichen Hoppegartener Vereins.

Vereinssterben
SC Dynamo Hoppegarten droht Insolvenz

Prognostiziert Insolvenz: Volkmar Seidel
Prognostiziert Insolvenz: Volkmar Seidel © Foto: Margrit Meier
Irina Voigt / 22.05.2019, 06:45 Uhr
Hoppegarten Die Zeiten, als der Hoppegartener Verein mit 2000 Mitgliedern, heute noch 1000, zu den Größten in Märkisch-Oderland zählte, als Sportler unter besten Bedingungen in die höchsten Klassen aufsteigen konnten, sind vorbei. Der SC Dynamo Hoppegarten steht vor dem finanziellen Aus. Nicht, dass die Sportler aus der Region Wettkampf-Judoka und -Ringer, Tänzer, Gymnastikfreunde, Kinder aus den Kitas, Senioren oder Frauen in den Selbstverteidigungskursen, "Rückenschul-Sportler" und all die vielen Freizeitsportler keine Lust mehr auf ihren sportlichen Ausgleich und den Wettkampfbetrieb hätten. Die Ursachen einer unmittelbar drohenden Insolvenz liegen, so sagt Vereinsvorsitzender Volkmar Seidel, im Bestreben von Investoren und in der politischen Ausrichtung im eigenen Heimatort.

Baumängel erster Streitfall

Die Judohalle des SC Dynamo platzte schon aus allen Nähten, als sich 2013 die Möglichkeit auftat, sich in einem dort neu zu errichtenden Sport- und Gesundheitszentrum einzumieten und alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Vorstand und Vorsitzender taten ihr Bestes – auch mit privaten Mitteln –, um den Betrieb in Gang zu bringen und auch zahlende Untermieter – u. a. Hebammen-Kurse und Reha-Sport – ins Objekt zu bekommen, damit die Mitgliedsbeiträge nicht zu sehr angehoben werden müssten. 2016 schrieb der Verein solide schwarze Zahlen.

Aber das dicke Ende sollte noch kommen. Der Vermieter hatte sich beim Bau nicht an die Vorgaben gehalten, es sollte nachgebessert werden. "Auf Kosten des Vereins", moniert Seidel. "Der SC Dynamo ist aber nur Mieter." Ein weiterer Schlag war 2016 die politische Entscheidung der Mehrheit der Gemeindevertreter, dass das Sporttreiben für alle Hoppegartener unter 18 Jahren in kommunalen Einrichtungen kostenfrei zu gestalten ist. "Das ist im Prinzip richtig", sagt Seidel, der für die SPD in der Gemeindevertretung sitzt.

"Aber ein so großer, gemeinnütziger Verein kann sich das nicht leisten, wenn die Mehrzahl seiner Mitglieder in diesem Alter ist, wenn Miete zu zahlen, Wettkämpfe auszurichten und qualifizierte Trainer zu honorieren sind." Noch dazu, da der Verein – ebenfalls auf Gemeindevertreter-Beschluss – seit 2017 keine Zuschüsse für den Sportbetrieb mehr bekäme.

"Die Entscheidung, kommunale Einrichtungen kostenfrei für den Sport von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren zur Verfügung zu stellen, hat doch keine negative Auswirkung auf die Finanzlage eines Vereins", hält Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke) dagegen. "Im Gegenteil. Wir haben nicht verlangt, dass diese Mitglieder keinen Vereinsbeitrag mehr zahlen dürfen. Der SC Dynamo hat auch weiterhin für Kinder und Jugendliche Vereinsbeiträge erhoben." Und die Judo-Halle wurde und wird dem Verein weiterhin kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Fronten sind verhärtet

Als weiteren Grund für die Querelen benennt Seidel die Forderung einiger Gemeindevertreter, Abrechnungen offen zu legen und Einblick in die Finanzen zu nehmen. Die involvierte Kommunalaufsicht habe die Unterlagen geprüft und keine Beanstandungen gehabt, führt Seidel aus.

Inzwischen sind die Fronten zwischen Verein und Vermieter so verhärtet, dass, so Seidel, der Verein offensichtlich nicht mehr zu retten ist. Es wurden Zufahrten gesperrt, Räume sind kaum erreichbar. Es werden von allen Seiten Anwälte bemüht und Strafanzeigen gestellt. "Wenn sich nicht sofort etwas ändert, werden wir Insolvenz anmelden und alle Mitgliedsverträge kündigen müssen", fürchtet der 60-Jährige. Die Vereinskonten seien inzwischen gesperrt, die Aussichten auf eine sportliche Zukunft trübe. Die Trainer arbeiten zurzeit ohne Honorar; aber mit den derzeit besten Judoka aufzusteigen, kann sich der Verein dennoch finanziell nicht mehr leisten.

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