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Jaguar I-Pace
Elektrischer Blaublütler mit 400 PS

MOZ / 09.10.2018, 18:16 Uhr
Frankfurt (Oder) Als sich die Jag-Junkies vor einigen Monaten die ersten Bilder vom neuen I-Pace ansahen, ging das den meisten unter die Haut, als sänge Bruce Springsteen in der Betriebskantine. Jetzt haben die Briten den Käfig aufgemacht, um ihren echt gut aussehenden, vollelektrisierten Blaublütler mit 400 PS und 480 km Reichweite auf die Straße und die Jagd nach Erfolg zu schicken. Der Märkische Markt hat den Edel-Stromer, der den kompakten E-Pace und sportlichen F-Pace ergänzt, schon getestet.

Es gab mal eine Zeit, da wurde ein Diesel in einem Jaguar quasi als Sakrileg empfunden, weil ihm die sportwagentypische Dynamik fehle, tönten die Briten. Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen ist man bei der Marke nun erstmals mit einem echten Stromer unterwegs. Wer sich dem I-Pace erstmals mit dem Schlüssel in der Hand nähert, tut dies nach wie vor mit einer gewissen Ehrfurcht. Es ist weniger die Länge (4,68 m) und Höhe (1,57 m) des SUV) die Respekt einflößt. Eher will man das Wesen des Autos erfassen. Denn hier fügen sich tausend Kleinkunstwerke zu einem Gesamtbild zusammen.

Das Design verblüfft völlig mit neuen, durch den Wegfall des Verbrennungsmotors möglich gewordenen Proportionen. Das coupéartige Exterieur steht im Einklang mit der aktuellen Formensprache der Marke, gleichwohl verpackt in ein völlig neues Raumkonzept. Entsprechend wirkt das Auto schon im Stand wie auf dem Sprung. Jede Fläche an ihm scheint Muskelfaser zu sein. Jedenfalls verleihen seine Proportionen der sündigen Figur Kraft und Geschmeidigkeit. Bei der Form gelang Jaguar jedenfalls eine perfekte Balance aus Tradition, Geschwindigkeit und Eleganz. Gekonnt verbaute Rundungen, ein wohlgeformter, nach innen gebogener Kühlergrill und eine coupéhafte Dachlinie führen zu einem Karosserieprofil, das gleichermaßen für harmonische Proportionen und stilistische Geradlinigkeit sorgt.

Beim Einsteigen wartet dann das nächste Highlight auf Bewunderung. Die bündig in die Türen eingelassenen Türgriffe fahren waagerecht auf Berührung oder per Fernbedienung aus. Einmal Platz genommen, genießt man es, die drehenden Hälse der Passanten zu sehen und registriert viel Noblesse im Innenraum. Ein Jag muss duften wie ein englischer Club: nach Windsor-Leder. Macht er. Letzteres zieht sich verschwenderisch durchs ganze Auto. Alternativ ist aber auch Kombination aus robustem Wollmischgewebe und recyceltem Premium-Velourleder möglich. Die noblen Materialien wurden sorgfältig ausgewählt. Für Wohlfühlatmosphäre sorgt eine ausgewogene Mischung aus naturbelassenen und hochtechnischen Oberflächen, darunter Applikationen aus tiefschwarzem Klavierlack, aus satiniertem Holzfurnier und präzisionsgefrästem Alu. Und im Cockpit sorgen hochauflösende HD-Displays, Touchscreens, berührungsempfindliche Tasten und multifunktionale Drehregler mit perfekter Rückmeldung für ein hochintuitives Bedienerlebnis.

Platz ist natürlich auch genug (Radstand 2,99 m). Im Fond genießen die Passagiere sogar eine fast so üppige Beinfreiheit wie in einem Skoda Superb und der Kofferraum gleicht einem großen Kombi (656 l). Ein weiteres Abteil für Kleinkram bietet sich unter der Fronthaube (27 l).

Auch wenn der I-Pace verdammt gut aussieht, ist er deshalb noch lange keiner für den Streichelzoo. Im Gegenteil. Der Antrieb besteht aus zwei sportlichen, auf Elektro (Permanent-Synchronmotoren) getrimmte Herzen, die unabhängig angesteuert an Vorder- und Hinterachse für eine optimal an die Straßenverhältnisse angepasste Kraftverteilung sorgen. Dabei sind die E-Motoren stets elastisch wie ein jungfräuliches Bungee-Seil, liegen doch vom Start weg bereits die 695 Nm an. Es reicht, das Gaspedal mit spitzem Fuß zu streicheln. Schon fallen die 400 PS mit Inbrunst über beide Achsen her. Für die Kraft sorgt eine hochmoderne 90 kW Lithium-Ionen-Batterie mit 432 Pouch-Zellen, die unter den Sitzen zwischen den Achsen platziert ist. Sie sorgt aufgrund ihrer hohen Energiedichte und guten Wärmeabfuhreigenschaften für eine Reichweite von ca. 480 km (im neuen WLTP-Zyklus!), der Stromverbrauch liegt im Schnitt laut Jaguar bei 24,2 kW/h pro 100 km. Bei zügiger Fahrweise schafft man allerdings nur um die 350 km.

Geladen werden kann die Batterie ebenso Ruckzuck. An einer 100 kW Schellladesäule mit Gleichstrom (gibt es bisher leider nur selten) lässt sie sich in 40 Minuten auf 80 Prozent aufladen. Wer aber zum Beispiel nur 15 Minuten Zeit hat, kann zumindest für 100 km nachtanken. Gleichwohl lässt sich stets die beim Bremsen erzeugte Energie zurückgewinnen. Statt dass sie wie sonst üblich in Form von Wärme nutzlos verpufft, lässt sich so im Akku per Rekupation die Reichweite erhöhen.

In Fahrt agiert der Blaublütler wie der Kellner für den Lord: immer zur Stelle, unglaublich leise, nie aufdringlich, ein Gentleman bis unter den Drehzahlscheitel. Der I-Pace-Eigner schwelgt so im Überfluss der Leistungsreserven, dass er „Vollgas“ allenfalls zum Beschleunigen braucht. Ohne Hemmungen jagt er davon, knackt schon nach 4,8 Sekunden Tempo 100, läuft locker weiter auf 200 km/h Spitze.

Angst braucht man trotzdem nicht zu haben, denn Bodenhaftung und Traktion funktionieren bei dem Jag mit Allradantrieb perfekt. Zudem ist der I-Pace unglaublich flexibel und wandelbar, beherrscht perfekt das Wechselspiel zwischen sanftem Dahingleiten und brachial beschleunigenden G-Kräften. Zudem sorgt stets ein ganzer Stab intelligenter Wächter dafür, dass sich die unbändige Kraft nicht verselbständigt. Löblich, wie gut das Fahrwerk, das jegliche Wankbewegungen der Karosserie konsequent unterbindet, abgestimmt wurde. Der Fahrwerks-Verbund (vorn Doppelquerlenker-Aufhängung, hinten Integral-Link-Achse) ist zudem mustergültig verwindungssteif und sorgt für einen ausgewogenen Komfort. Löcher, Querfugen oder Spurrillen? Egal, damit wird der Fahrer mit der optionalen Luftfederung an Bord einfach nicht belästigt. Einzig kurze Bodenwellen werden nach innen durchgereicht und auch die 20-Zöller rollen etwas poltrig ab.

Alles in allem: Der I-Pace bietet nicht nur feinen Zwirn. Er ist emissionsfrei, intelligent und sicher, kombiniert nachhaltige Sportwagen-Performance mit der Praxistauglichkeit eines SUV. Jaguar ruft für das günstigste Modell 77.850 Euro auf. Damit dürfte der Flüster-Crossover vor allem die Scheichs, Chefs und Schauspieler dieser Welt glücklich machen und leider nicht die Schar der Normalverbraucher.

Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Jaguar I-Pace

Jaguar I-Pace EV 400 AWD

Motor: zwei Permanent-Elektromotoren mit 400 PS, Speicher: Lithium-Ionen-Batterie mit 90 kWh, einstufiges Planetengetriebe

0 - 100 km/h: 4,8 Sekunden

Spitze: 200 km/h

Verbrauch: Elektro-Verbrauch im Schnitt 24,2 kWh/100 km

CO²-Wert: 0 g/km

Reichweite: 480 Kilometer

Preis: ab 77.850 Euro

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