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Peugeot 508
Charismatiker mit hohem Reisekomfort

MOZ / 05.11.2018, 12:20 Uhr - Aktualisiert 07.11.2018, 18:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) In der Liga der Mittelklasse-Limousinen schwingen hierzulande bekanntlich vor allem deutsche Nobel-Hobel das Zepter, denn vielen Käufern ist meistens Marke und Prestige wichtig.

Wenn ein ausländischer Hersteller hier mitspielen will, muss er sich entsprechend ambitioniert aufstellen. Der in diesen Wochen neu auf den Markt kommende Peugeot 508 dürfte das Zeug dafür haben und bittet erhobenen Hauptes um Einlass, um in dem Club mitzumischen. Der Märkische Markt hat den neuen König der Löwenmarke schon getestet.

Eines steht schon vorab fest: In der sonst eher konservativ geprägten Gattung der Limousinen ist der neue 508 ein extravaganter Business-Liner. Schon die Form ist deutlich anders als bei konventionellen Stufenheck-Limousinen gestaltet. Mit seiner flachen, coupéhaften Statur (nur 1,40 Meter hoch), dem edlen Grill samt integriertem Löwen-Logo, den rahmenlosen Seitenscheiben und der schmalen, aber prägnanten LED-Lichtsignatur (Serie!) kommt er elegant und zugleich kraftvoll daher.

Zum gelungenen Blechkleid des 4,75 Meter langen Franzosen tragen auch die konvexen und konkaven Flächen an Front und am Heck bei. Sie verschaffen dem 508 einen Auftritt zwischen konservativer Eleganz und dynamischer Anmutung. Der Gallier setzt jedenfalls in jeder Blickrichtung Akzente, ist zudem für Jedermann als sportlicher Löwe auszumachen.

In den aufgeblasenen Kotflügeln warten schmucke 18-Zöller aus Alu sowie 235er-Reifen auf ihren Auftritt. Autofahrern oder Passanten am Straßenrand scheint die flott designte Coupé-Limousine jedenfalls zu gefallen. Selten erregten wir mit einem Testwagen so viel Aufmerksamkeit, ob als Lächeln oder löbliche Geste.

Doch der 4,75 Meter lange Peugeot will die künftige Kundschaft nicht nur mit einer gelungenen äußeren Optik ködern. Eleganz und Luxus weht aus dem Peugeot, sobald die Wagenschläge öffnen. Schon beim ersten Umsehen schmust er sich gekonnt mit Noblesse bei uns ein. Alles ist piekfein und mit Liebe zum Detail eingerichtet. Für das Wohlfühlambiente sorgen feine Chromeinfassungen, Aludekor und Leder.

Wir registrieren vorn das schon von anderen Modellen bekannte, markentypische i-Cockpit mit kleinem Lenkrad, die hochauflösende Digitalanzeigen im darüber platzierten 12,3-Zoll-Kombiinstrument und das daneben integrierte Zehn-Zoll-Touchscreen, über das sich verschiedenste Menüs bedienen lassen. Bei der Mittelkonsole jubeln die Finger über schöne Details, griffige Regler, Knöpfe und Schalter.

Da sitzt man in einem edel ausstaffierten Wagen, dass man die Schuhe vor der Tür ausziehen möchtest. Und streicht über die sorgfältig ausgewählten Materialien und frag sich: Was ist hier eigentlich schlechter als in deutschen Limousinen? Außer dem Image eigentlich nichts mehr. Platz ist vorn genug, hinten indes fordert die Form Tribut.

Trotz tief montierter Sitze sind zumindest für größere Mitfahrer die Bein- und Kopffreiheit eher knapp bemessen. Passgerechter aber sind die vielfach verstellbaren und ordentlich konturierten Vordersitze, zudem bieten sie eine Heiz-, Kühl- und Massagefunktion. Die Reise wird erleichtert durch viele Ablagen und Staufächer. Akzente setzt der 508 auch beim Kofferraum. Unter die weit wie bei einem Fließheck öffnende Heckklappe lassen sich 487 Liter an Gepäck bunkern.

Wir sind unterwegs mit dem 1.5-Liter-Vierzylinder-Diesel, der 130 PS auf die Vorderräder bringt und von einer 8-Gang-Automatik (2300 Euro extra) bedient wird. Der auf Sauberkeit getrimmte Ölbrenner (mit SCR-Kat) ist allererste Sahne, gehört zur Kategorie Super-Säusel. Vibrationen und Diesel-Takte krabbeln noch nicht mal beim Kaltstart durch das Auto.

Auch sonst bleibt den Insassen das hektische Treiben unter der Haube verborgen. Die 1,5 Tonnen Wohlstandsspeck lassen den Antrieb insgesamt aber nie träge werden. Jede Drehzahllatte (300 Nm) wird mit Leichtigkeit bewältigt. Der Motor schiebt ordentlich seine Power auf die Vorderräder (380 Nm), wirkt stets springlebendig und lässig gleichermaßen, zeigt unterwegs rundherum Gentleman-Manieren. Auch die 8-Gang-Automatik (2.300 Euro Aufpreis) harmoniert prima mit dem Maschinenraum. Sogar bei hohem Tempo bleibt es drinnen andachtsvoll still.

Was sonst noch auffiel: Egal ob Kanaldeckel oder Bodenwellen den Weg kreuzen, die Passagiere im 508 werden dessen kaum teilhaftig. An Bord werkelt, wacht und kontrolliert zudem eine ganze Chip-Armee über die Technik und den Komfort, sorgt auch für Sicherheit diesseits physikalischer Grenzen. Serienmäßig sind u. a. Spurhalteassistent, Notbremsassistent und Verkehrsschilderkennung.

Nach einer flotten Fahrt zappen wir durch den Bordcomputer, um den Verbrauchsdurchschnitt aufzurufen. Laut Datenblatt fließen im Schnitt 3,9 Liter durch die Leitungen. Die haben wir im Test zwar nie geschafft, aber wer einigermaßen vernünftig fährt, für den sind als Belohnung zumindest um die fünf Liter drin. Und selbst das grenzt für einen 1,5-Tonner noch fast an Bulimie.

Schwachpunkte fanden wir bei unserer ersten Ausfahrt nur wenige. Als Minuspunkte notieren wir die teils verworrene Menüstruktur im Cockpit, den knappen Platz im Fond, eine gewöhnungsbedürftige Lenkung und Empfindlichkeit bei Spurrillen.

Fazit: Chapeau, Peugeot! Hat sich doch das Macher-Team für das Modell mächtig ins Zeug gelegt. Der neue 508 ist ein Charismatiker mit hohem Reisekomfort, der alle Sinne nachschärft und viel Fahrspaß bietet.

MäMa-Testfahrt: Peugeot 508

Peugeot 508 BlueHDi 130

Motor: 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, 130 PS, SCR-Kat, EAT8-Getrieb

0 - 100 km/h: 10,9 Sek.

Spitze: 208 km/h

Verbrauch: 3,8 Liter Diesel

CO²-Wert: 101 g/km

Kofferraum: 487 bis 1.537 Liter,

Preis: ab 33.550 Euro

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