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Ford Focus ST
Flotter Kölner im eleganten Sportdress

16.07.2019, 14:02 Uhr
Frankfurt (Oder) "Hasi, ich fahr mal kurz tanken und ´ne Zeitung holen." – dass der Mann möglicherweise eine halbe Stunde länger als sonst unterwegs ist, sollte ihm die Partnerin verzeihen. Jedenfalls dann, wenn dieser ein Möchte-gern-Vettel ist und den neuen Focus ST fährt. Gehört doch der neue flotte Kölner zu der Art Autos, die ganz besondere Adrenalinstöße entfachen. Wir haben die Qualitäten des Modells im Sportdress bei dem ab Ende Juli erhältlichen Fünftürer getestet.

Schon am Äußeren der kompakten Sportlers verkörpert bis in die letzte Kante und Fuge sichtbar viel Premium, stemmt doch der ST feinsinnig und zugleich muskulös seine 18-Zöller samt 235-Reifen in den Bauch. Auffällig vorn sind die ausdrucksstark geformten Elemente im Stoßfänger und Grill, die dem höheren Frischluftbedarf des Motors geschuldet sind. Für Hingucker-Effekte sorgen zudem spezielle Schürzen, ein üppig dimensionierter, steil angewinkelter Dachspoiler am Heck, der selbstbewusst gestaltete Diffusor und die zwei prallen Endrohre der Auspuffanlage. So bestückt wirkt der dickbackige 4,39 Meter lange und 1,46 Meter hohe ST, der auch als Kombi zu haben ist, schon im Stand als ein echt flotter Gleiter.

Auch innen. Wir schauen auf eine mit Alu bestückte Pedalerie, gleiten problemlos auf maßgeschneiderte Recaro-Sportsitze, genießen das gut sortierte Cockpit, das durch klare und reduzierte Linien besticht und farbig auch den Ladedruck, die Öltemperatur und Öldruck anzeigt. Bedienaufgaben aller Art erledigt ein 8 Zoll großer Touchscreen mit 20,3 cm Bildschirmdiagonale. Zum Wohlgefühl tragen edle Materialien bei, zum Komfort für 450 Euro Aufpreis ein Head-up-Display.

Technisch basiert der neue ST, wie die gesamte Ford Focus-Baureihe, auf der weltweit konzipierten C2-Fahrzeugarchitektur. Auf der Plattform wird ab 2020 auch die nächste Kuga-Generation aufbauen. Die Vorteile: eine Gewichtseinsparung von bis zu 90 Kilo und eine rund zehn Prozent verwindungssteifere Fahrzeugstruktur. Fahrwerk und Fahrdynamik können so nochmals verbessert werden. Dazu trägt im ST beispielsweise ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial im Zusammenspiel mit dem Torque Vectoring (also dem automatischen, radselektiven Bremseingriff als Unterfunktion des ESP) bei. Eine weitere Premiere ist der serienmäßige selektive Fahrmodus-Schalter im Lenkrad, der die drei Programme "Rutschig", "Normal" und "Sport" umfasst. Die Elektronik passt hierbei je nach Fahrprogramm und Ausstattung außer der Ansprech-Kennlinie des Gaspedals und der Servolenkung auch das ESP, das Sperrdifferenzial (eLSD), das Drosselklappen-Ansprechverhalten, die elektronische Dämpfer-Regelung CCD, den elektronischen Motorsound-Verstärker (ESE)  sowie die Einstellung der Klimaautomatik dem gewünschten Fahrmodus an. Der Motor erhielt zudem aus dem Fiesta WRC-Rallye-Weltmeisterauto die "Anti-Lag"-Funktion, eine Technologie, wie sie auch bei der Straßenversion des Ford GT sowie im F-150 Raptor verbaut ist. Sie wirkt im "Sport"- und "Rennstrecke"-Modus dem vorübergehenden Absinken des Ladedrucks beim Hochschalten entgegen, indem die Drosselklappen während des Hochschaltens auch dann noch kurz geöffnet bleiben, wenn der Fahrer vom Gas geht.

So viel zur Technik. Und die Praxis? Unterwegs kann der ST, wenn man will, den ganz normalen und braven Kompakten spielen. Er kann aber auch anders. Hierfür genügt es, den großen Zeh auf dem Gaspedal zu kröpfen. Was dann passiert, ist nicht leicht zu beschreiben. Es scheint als wird von einer Sekunde zur anderen Dr. Jekyll zu Mr. Hyde: Die Schraubstock-Sitze keilen die Hüfte, Vibrationen schleichen über das Armaturenbrett. Dazu orgelt der Vierzylinder mit einem Klang, als sei das Aggregat um einen herum gegossen worden. Der Turbo des Straßenfegers katapultiert den Wagen dann so rasant vorwärts, als wolle er mit seinen großen Lufteinlässen die Straße aufsaugen. Kein Wunder, hat doch Ford hier neben aufwändiger Antriebstechnik sowie einem passenden Sport-Chassis in das Auto einen 2,3 l großen Turbo-Benziner mit vier Zylindern und 280 PS implantiert, 30 PS mehr als beim Vorgänger. Das entsprechend größere Drehmoment-Maximum von jetzt 420 Nm liegt zwischen 3.000 und 4.000 Touren konstant an. Doch schon ab 1.800 Touren knetet der Motor die Kolben richtig durch und geht ab wie Hanne, hechelt lustvoll mit einem herrlich bassigen Sound dem Begrenzer entgegen. Büsche und Bäume zischen vorbei wie in einem schnell abgespulten Film. Unterwegs sorgt ein ganzer Stab elektronischer Wächter dafür, dass die unbändige Kraft nicht außer Kontrolle gerät. Gleichwohl geben die sechs eng gestuften Gänge immer den richtigen Kraftschluss. Auch die Scheiben-Bremsen (330 Millimeter Durchmesser vorn, hinten 302 Millimeter) packen kräftig zu und die Lenkung erlaubt ein blitzsauberes Handling mit chirurgischer Präzision. Dabei tänzelt der Ford durch jegliche Kurven mit feinster Balance, minutiösem Eindrehen und unbeirrbarer Stabilität. Auch das serienmäßige Sportfahrwerk mit Multilenk-Hinterachse ist sensibel justiert und sorgt für eine perfekte Straßenlage. Es hat einen zehn Millimeter niedrigeren Fahrzeug-Schwerpunkt sowie anders abgestimmte Stoßdämpfer. Sie bieten an der angetriebenen Vorderachse eine um 20 Prozent straffere Kennung, an der Hinterachse fallen sie um 13 Prozent steifer aus.

Zur ST-Serienausstattung gehören u. a. Klimaautomatik, Navi, Tempomat, ein Park-Pilot-System vorne und hinten, ST-Sportfahrwerk und Lederlenkrad. Die ST-Limousine kostet als Benziner ab 32.900 Euro, der Diesel (190 PS) ab 31.900 Euro. Der ST-Kombi kann ab 33.100 Euro für den Diesel und ab 34.100 Euro (Benziner) geordert werden.

Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Ford Focus ST

Ford Focus ST

2.3 Eco-Boost-Benziner

Motor: 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo, 280 PS, Frontantrieb, Sechsgangschaltung

0 - 100 km/h: 5,7 Sekunden

Spitze: 250 km/h

Verbrauch: 7,9 Liter Super

CO²-Wert: 179 g/km

Kofferraum: 375 – 1.354 l

Preis: ab 32.900 Euro

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