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BMW 6er Gran Turismo
Noblesse trifft auf jede Menge PS

16.07.2019, 16:29 Uhr
Frankfurt (Oder) Kombi, Coupé und SUV in einem, geht das? BMW glaubte, einst mit dem 5er GT eine Lösung gefunden zu haben. Doch das klappte nur bedingt. Das seltsam konzipierte Modell mit dem gewaltigen Hintern schien bei vielen BMW-Fans eher eine Art Geschmacksverirrung der Kreativen zu sein. Außer in den USA und China – wo es kurioserweise wegen seiner äußeren Präsenz sogar als Design-Bonbon gefeiert wurde. Mit seinem Nachfolger, dem 6er GT, glauben die Münchener nun eine salonfähige Antwort gefunden zu haben, die auch in Europa ankommt. Was er kann und taugt? Der Märkische Markt hat die 640i-Variante samt Allradantrieb mal getestet.

Am Blechkleid des genau 5,09 Meter langen und 1,54 Meter m hohen Bayern-Boliden scheiden sich zwar immer noch die Geister, allerdings wirkt er nicht mehr so breit und massig. Vorn gibt es einen Kühlergrill mit der üblich markanten Doppelniere. Serienmäßig sind LED-Leuchten, die einer Hexagon-Form ähneln. Klar, über Ästhetik lässt sich trefflich streiten und aus einer Seltersflasche ist noch nie ein prickelnder Champagner geworden. Dennoch sieht er insgesamt durchaus adretter aus, besonders das Heck hat seinen bulligen Charakter abgelegt.

Und wer einmal drin sitzt, wird seine Skepsis ob der Sinnhaftigkeit eines solchen Schiffs sowieso schnell ablegen, denn auf allen fünf Sitzen reist es sich ausgesprochen bequem. Hinten fast besser als vorn, kann man doch schön fläzen und räkeln nach Gutdünken. Wie ein lässiger Freizeitanzug verführt hier die üppige Weite zum Entspannen. Grund: Erhielt der GT doch vom 7er-Flaggschiff den langen Radstand von 3,07 Metern.

Logisch, dass der 6er mit einer Top-Ausstattung glänzt. Gelungen dabei vor allem das leicht gewölbte Armaturenbrett mit seiner penibel eingepassten und perfekten Anordnung von Schaltern, chromumrandeten Instrumenten und Tasten. Wir registrieren edel illuminierte Instrumente, Ablagen in Hülle und Fülle. Das Touch-Infotainment-System ist angenehm integriert. Es kann aber auch weiterhin (gerade in Fahrt) über den Dreh-Drück-Controller in der unteren Mittelkonsole bedient werden. Aus allen Poren atmet der Gran Turismo Noblesse. Urlaubstauglich ist er auch. Der Gepäckraum mit seinen 610 Litern hat zweifelsohne Kombi-Niveau.

Als Motor haben wir den 640i mit 340 PS unter der Haube. Das ist zwar nur eine trockene Zahl, doch die fühlt sich an wie ein Nummernkonto in der Schweiz: Alles wird der Besitzer nur im äußersten Notfall abrufen. In der Praxis reicht es, das Gaspedal mit spitzem Fuß zu streicheln. Der Sechszylinder bedankt sich für den Tritt aufs Gas, klingt nun wie ein Blockflötenorchester und die Power fällt mit Inbrunst über alle vier Räder her. Die 100-km/h-Grenze ist dabei schneller erreicht als die Rotglut im Zigarettenzünder. Sogar potente Autos auf der Mittelspur scheinen nun dort wie eingefroren. Portioniert wird die gewaltige Leistung (450 Nm) von einer Achtgang-Steptronic, die mit dem Motor quasi einen Teufelspakt eingeht. So fährt der 6er mit beeindruckender Leichtigkeit durchs Land, lässt unseren Adrenalinspiegel jubilieren, gehorcht willig der mitteilsamen Lenkung und stoppt mit der Standfestigkeit eines Sumo-Ringers. Selbst bei Höchsttempo 250 muss sich der Bajuware noch nicht mal richtig die Ärmel hochkrempeln.

Anders der Fahrer. Denn jetzt herrschen für ihn Tiefflugbedingungen, Hemd und Hände sind schnell pitschnass. Angst braucht man deshalb nicht zu haben – wenn man an die physikalischen Gesetze denkt. Hat er doch in unserem Fall einen permanenten Allradantrieb (xDrive). Außerdem kontrolliert eine ganze Chip-Armee sowohl Technik und Komfort, um bei Bedarf Assistenzsysteme zu aktivieren. Und sollte es doch mal grenzwertig werden: Die pizzagroßen Scheibenbremsen wirken so, als habe man den Rettungsanker geworfen.

Für Sicherheit sorgen serienmäßig beispielsweise die City-Notbrems-Funktion, eine Müdigkeitserkennung sowie eine Rückfahrkamera samt Parkassistent. Und natürlich hält die Preisliste ein ganzes Bündel an weiteren Assistenzsystemen parat. Serie sind u. a. Klimaautomatik, el. Heckklappe, 17-Zoll-Aluräder, LED-Scheinwerfer, Navi und eine Luftfederung an der Hinterachse inklusive Niveauausgleich. Für 1950 Euro lässt sich auch für vorn derlei Komfort ordern. Allerdings ist da noch keine Wankstabilsierung dabei. Letztere kostet nochmals 1.900 Euro extra.

Wer alles in allem ein Auto wie den 6er Gran Turismo braucht? Die Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Zumindest muss man schon mal zur betuchten Kundschaft gehören, denn der potente 640i xDrive ist schon mal nicht unter 71.500 Euro zu haben. Das nötige Kleingelt vorausgesetzt, lässt er sich allerdings fix – wie bei BMW üblich – mit verschiedensten Technik- und Komfort-Schmankerln auf bis zu 100.000 Euro aufrüsten.Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: BMW 6er Gran Turismo

BMW 6er Gran Turismo 640i xDrive

Motor: 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbobenziner, Allradantrieb, 8-Gang-Steptronic, 245 PS

0 - 100 km/h: 5,2 Sekunden

Spitze: 250 km/h

Verbrauch: 7,8 Liter Super

CO²-Wert: 178 g/km

Kofferraum: 610-1800 l

Preis: ab 71.500 Euro

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