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Ford Ranger Raptor
Echtes Vollblut mit allem Drum und Dran

12.09.2019, 15:04 Uhr
Frankfurt (Oder) Pickup heißt soviel wie aufnehmen oder mitnehmen, gemeint ist hier ein Pkw oder Geländewagen mit offener Ladefläche. Das dürfte noch bekannt sein. Aber wussten Sie, dass dies die weltweit meist verkaufte Karosserieform ist? Sie liegt jedenfalls weit vor Kombis, Limousinen, SUVs oder Cabrios. Hierzulande dienen sie sowohl als Nutzfahrzeuge bei Gewerbetreibenden aller Art als auch für die Freizeit, beispielsweise als Zugfahrzeuge von Pferdeanhängern. Zu den bekanntesten Modellen gehören Modelle wie der VW Amarok, Nissan Navara, Mitsubishi L200 oder Toyota Hilux. Platzhirsch in dem Segment ist indessen der Ranger, von dem Ford hierzulande allein im 1. Halbjahr mehr als 5.000 absetzen konnte. Für Nutzer, denen der bisherige Ranger noch nicht robust und leistungsfähig genug ist, hält Ford ab sofort mit dem Raptor eine speziell für Off-Road gedachte Variante bereit. Der Märkische Markt hat ihn ausprobiert.

"Vergessen Sie alles, was Sie über einen Pick-up zu wissen glauben – der neue Raptor ist von einem ganz anderen Kaliber", sagt Leo Roeks, Direktor Performance von Ford Europa. Und er hat recht. Dieser Pick-up ist ein echtes Vollblut, mit allem Drum und Dran. Das geht bei den Maßen los, ist er doch breiter, höher und dynamischer als ein normaler Ranger. In der Länge misst der robuste und gleichzeitig komfortable Alleskönner 5,36 Meter, ist satte 2,03 Meter breit und mit 1,87 Meter nahezu baumhoch.

Extravagant bullig wurde die Kabinenaußenhaut modelliert, welche sich stämmig und muskulös gibt und so mehr Breite und Standvermögen ausdrücken soll. Rundum wechseln sich konvexe und konkave Flächen ab. Vorn gibt es über den Respekt einflößenden Stoßfängern zwischen den Xenon-Scheinwerfern im Grill einen überdimensionierten Ford-Signatur, die an den Ford F-150 Raptor erinnern soll. Pfiffig: Die mit Abflussrinnen für Wasser und Schlamm konstruierten seitlichen Trittbretter verhindern, dass während der Fahrt Steine an die Karosserie geschleudert werden.

Auffällig auch die kraftvoll gestalteten Radläufe (aus Verbundwerkstoff). Sie sind so konstruiert, dass sie mögliche Schäden von Geländefahrten mindern, sie bieten längere Federwege als auch genügend Platz für die speziell für den Raptor entwickelten 17 Zöller All-Terrain-Reifen von BF Goodrich. Die 285er Gummiwalzen sollen mit ihren robusten Seitenwänden selbst härtesten Geländeanforderungen standhalten.

Innen, wo man in der grundsätzlich nur als fünfsitzigen Doppelkabine erhältlichen Raptor überall bequem und komfortabel sitzt, strahlt alles Solidität aus, setzt sich das gelungene Styling fort. Hier ist alles fast schon zu edel für matschige Gummistiefel, denn hier ist nur noch ein Hauch von Nutzfahrzeug spürbar. Man thront wie gehabt mächtig hoch. Auch gibt es viel Platz. Selbst in der zweiten Reihe der Doppelkabine müssen Mitfahrer nicht um ihre Kniescheiben bangen. Der Tester findet zudem rundum Materialien und Zutaten, die vielen PKWs ebenbürtig sind, beispielsweise Leder-Sitze mit Dual-Festigkeitspolstern, blaue Nähte an Verkleidungen von Türen und Cockpit. Das höhenverstellbare Lenkrad (leider nicht längs verstellbar!) hat einen mittig angebrachten roten Marker, um im Gelände die genaue Radposition kontrollieren zu können. Neben 23 Ablagen gibt es Schaltpaddel aus Magnesium, wenn der Fahrer die 10-Gang-Automatik manuell bedienen möchte und sogar ein gekühltes Getränkefach.

Wichtig für einen Pickup ist natürlich die Ladefläche. Und die ist riesig. Auf der Pritsche ist daher Platz für sperrigste Güter. Wir messen in der Tiefe 1,57 Meter, in der Breite 1,56 Meter und die Höhe der Ladebordwand liegt bei 54 Zentimeter. Hört sich gut an. Allerdings darf man dem Raptor bei der Zuladung nur 620 Kilo aufbürden.

Zwar sind manche Wettbewerber als "Zugmaschine" für Hänger aller Art besser. Das stört aber nicht, die Qualitäten des Raptor liegen vor allem im Gelände: 28 Zentimeter Bodenfreiheit, 85 Zentimeter Wattiefe als auch der 2,3 Millimeter dicke Stahl-Unterfahrschutz vorn und hinten machen ihn nämlich richtig fit fürs Grobe.

Dank seines auch während der Fahrt zuschaltbarem Vierradantriebs mit elektronischer Übersetzungsauswahl (fernbetätigte Freilaufnaben) und des "Rock"-Fahrmodus sind selbst knifflige Passagen kein Gräuel. Stoisch gelassen und mit viel Kraft (500 Nm) klettert er dann über Stock und Stein, meistert exzellent selbst Böschungswinkel von 33 Grad vorn und 24 Grad hinten. Auch die gesamte Achs-Kinematik einschließlich Radaufhängung und Federung ist maßgeschneidert für harte Off-Road-Einsätze ausgelegt. Hierzu tragen u. a. Hochleistungs-Stoßdämpfer (Durchmesser 63,5 Millimeter) der Marke Fox bei.

Klar will der übrigens in Südafrika gebaute Raptor in erster Linie ein Arbeitstier sein. Doch wenngleich er nicht unbedingt als ultimative Fahrmaschine taugt, macht er aber auch auf der Straße eine akzeptable Figur. Hilfreich ist hier wie auch im Gelände das Terrain Management System mit sechs wählbaren Fahrmodi. Für die Straße sind hierbei die Varianten Normal und Sport ausgelegt. Für Fahrkomfort in der Hütte sorgen beispielsweise Schraubenfedern und Wattgestänge an der Hinterachse und für den nötigen Vortrieb ist ein Vierzylinder-Ölbrenner mit Biturbo, 2,0 Liter Hubraum und 213 PS an Bord, den wir schon aus dem Ford Edge (dort mit 238 PS) kennen. Das Aggregat besticht mit flotter Gangart, die breit gefächerte 10-Gang-Automatik findet dabei stets den richtigen Kraftschluss und kann sich dem Fahrstil des Piloten anpassen. Der WLTP-Verbrauch liegt bei 8,9 Liter, das ist für einen 2,6 Tonnen schweren Brummer akzeptabel. Und sauber ist er auch, hat er doch einen Dieselpartikelfilter samt SCR-Kat und mit AdBlue-Einspritzung.

Der Raptor ist übrigens – wie alle anderen Ranger auch – als Lkw homologiert und daher nach der Norm mit Euro 6c eingestuft. Keine Frage, der Preis von 66.771 Euro ist richtig happig. Dafür sind die Serienpakete an Alles-Könner-Technik, Komfort und an elektronischen Helferlein für die Sicherheit mehr als üppig. An Bord sind beispielsweise 2-Zonen-Klimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer, eine Rückfahrkamera samt Park-Pilot-System, 8-Zoll-Touchscreen, DAB-Audio und Navi-System, Anhängevorrichtung, Leder-Sitze (vorn beheizbar), abschließbares Laderaumrollo.

Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Ford Ranger Raptor

Ford Ranger Raptor

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Biturbodiesel, 213 PS, Allradantrieb

0 - 100 km/h: 8,9 Sekunden

Spitze: 170 km/h

Verbrauch: 8,9 Liter Diesel

CO²-Wert: 233 g/km

Zuladung: 620 Kilogramm

Preis: ab 66.771 Euro.

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