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Wie häufig und wo werden Jugendliche in Frankfurt gewalttätig? Was wird dagegen unternommen?

Jugendgewalt
Wo Jugendliche in Frankfurt gewalttätig werden

Am Spielplatz in der Bergstraße schlug eine Gruppe Jugendlicher im Oktober auf einen Anwohner ein.
Am Spielplatz in der Bergstraße schlug eine Gruppe Jugendlicher im Oktober auf einen Anwohner ein. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Thomas Gutke / 12.12.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 12.12.2019, 12:26
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit Juni 2018 hat es nach Angaben der Jugendgerichtshilfe in Frankfurt 108 von Jugendlichen begangene Gewaltdelikte gegeben. Unter den Verfahren seien Delikte wie "Körperverletzung, schwere Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchter Mord und Beleidigungen". Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken im Stadtparlament zum Thema Jugendgewalt hervor.

Anlass war der Angriff von Jugendlichen auf einen Anwohner in der Bergstraße im Oktober dieses Jahres. Bereits in den Wochen zuvor war die Polizei zu Einsätzen im südlichen Hansaviertel gerufen worden. Es ging um Brände, Ruhestörung, Vandalismus. Seitdem es kühler geworden ist, hat sich die Situation entspannt. Streifen der Polizei und des Ordnungsamtes taten ihr Übriges.

Immer wieder dieselben Orte

Insgesamt sei nach Einschätzung der Polizei die Zahl von Straftaten mit Verdächtigen unter 21 Jahren in den letzten zwei Jahren leicht zurückgegangen. Demgegenüber steht die Einschätzung der Jugendgerichtshilfe, nach der es "anhaltend ausgewählte Orte unserer Stadt sind, an denen Jugendkriminalität insbesondere feststellbar bleibt". Aufgezählt werden der Horten-Vorplatz – an dem es im Sommer 2018 zu Gewaltausbrüchen gekommen war – McDonalds an der Słubicer Straße, der Lennépark, Spielplätze, der Winterhafen sowie Straßenbahn- und Bushaltestellen. "Dabei ist zu beobachten, dass die Gewaltbereitschaft und -fähigkeit in qualitativer Hinsicht zu steigen scheint", heißt es in dem Bericht. Damit einhergehe "ein Absinken der Hemmschwelle zur Gewaltanwendung". Auch wenn viele ermittelnde Polizeibeamte die Entwicklung ähnlich wahrnehmen, hält der Bericht auch fest, dass die These – nach der jugendliche Straftäter zunehmend brutaler vorgehen – sich statistisch nicht bestätigen lässt.

Aus der Ausführungen der Stadt geht außerdem hervor, was seit den Vorfällen am Horten-Vorplatz unternommen wurde, um Jugendgewalt in Frankfurt einzudämmen. So gebe es neben vermehrten Streifen an Brennpunkten nun unter anderem einen regelmäßigen Austausch zwischen Ordnungsamt und Polizei. Auch die Alkoholverbotszone wurde ausgeweitet. Der Einsatz einer Kameraüberwachung und eine Waffenverbotszone am Lennépark seien zwar geprüft, aber "aufgrund der Entspannung der Lage" nicht umgesetzt worden, heißt es. Defizite bestehen in Sachen Straßensozialarbeit. "1,4 Stellen sind deutlich zu wenig", sagt Jan Augustyniak (Linke), der die Anfrage formuliert hatte. Aus der Antwort geht hervor, dass die Streetworker regelmäßig an verschiedenen Orten in der Stadt tätig sind. "Es muss jedoch auch festgestellt werden, dass eine stärkere zeitliche Präsenz z.B. von StraßensozialarbeiterInnen angesichts der begrenzten personellen Ressourcen derzeit nicht möglich ist."

Zwar führten mehr Streetworker nicht automatisch und sofort zu weniger Straftaten. Denn das Aufbauen von Vertrauensverhältnissen braucht Zeit. Und Jugendliche können eine Zusammenarbeit auch ablehnen. Trotzdem werden spätestens im nächsten Jahr mehr Stellen zur Diskussionen stehen. Dann soll der Jugendförderplan 2021–2024 fortgeschrieben werden.

Damit die Situation in der Bergstraße im Frühjahr nicht wieder kippt, lässt die Stadt gegenwärtig den Bau eines Zaunes an der Grundschule am Botanischen Garten prüfen. Der neue Spielplatz auf dem Schulgelände war im Sommer und Herbst an Wochenenden ein Anziehungspunkt für Jugendliche gewesen.

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