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The Devision 2
Apokalyptische Hauptstadt-Tour

Tom Clancy’s The Division 2
Tom Clancy’s The Division 2 © Foto: Ubisoft
Stefan Klug / 05.04.2019, 14:10 Uhr - Aktualisiert 05.04.2019, 14:10
Frankfurt (Oder) (MOZ) Irgendwann in der Zukunft hat ein bösartiges Virus, das dereinst New York lahmlegen wird, auch die Bundeshauptstadt erreicht. Zwischen Lincoln Memorial, Capitol und Weißem Haus sorgen bewaffnete Clans für Chaos. Die Zivilgesellschaft ist auf dem Rückzug. Doch es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt. Tom Clancy ist er entsprungen und am Spieler ist es, in "The Devision 2" Washington DC zu befreien und die Freiheit zu retten. Darunter geht bei Clancy bekanntermaßen nichts. Gleichzeitig steht der Name in der virtuellen Welt seit Jahren für ungemein spannende und taktisch anspruchsvolle Game-Kost. Das ist hier nicht anders, besser gesagt, erleben wir nunmehr den derzeitigen Höhepunkt des Genres.

Dabei offenbart ein kritischer Blick auf die Vorgehensweise, dass diese mitnichten so ausufernd abwechslungsreich ist. Wir gehen Haupt- oder Nebenmissionen an, die defacto immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Ins Gebiet eindringen, die bösen Buben niedermähen, irgendwen befreien oder irgendwas in Gang setzten, die nächste Gegnerwelle plattmachen, die Stellung halten und eventuell auch noch einen Obermotz aus dem Anzug pusten. Das war’s. Als reiner Taktikshooter wäre hier wahrscheinlich motivationsseitig schnell Ende im Gelände. Doch Massive Entertainment hat dem Geballere noch eine Komponente hinzugefügt, die dem Menschen seit Urzeiten eigen ist: die Sammelleidenschaft. Als Vertreter einer neuen Spezies, den sogenannten Loot-Shootern, hat das Game einen nicht unerheblichen Rollenspiel-Anteil spendiert bekommen. Und das bedeutet in erster Linie Levelaufstieg der eigenen Spielfigur. Jede Aktion bringt Erfahrungspunkte und irgendwann schlägt die Quantität in eine neue Qualität um. Dies bringt dann mit sich, dass Waffen und Ausrüstungen ebenfalls in höheren Stufen verfügbar sind, zudem immer irgendwelche Boni beinhalten, die den Helden insgesamt stärker machen.

Während wir also durch ein wenig belebtes, aber sehr lebendiges DC streifen und nach einiger Zeit inmitten des Chaos auch beginnen, bekannte Gebäude, Straßen und Plätze wiederzuerkennen, suchen wir ständig nach Behältern, Verstecken und Möglichkeiten, Dinge einzusammeln. Wer des vielen Pixelgemetzels mal überdrüssig ist, kann einige Spielstunden auch nur damit verbringen, die Gegend außerhalb, innerhalb und unterhalb von Gebäuden zu erkunden. Freilich sollte man dann in bester Schleichmanier Gegnertrupps und Checkpoints aus dem Wege gehen. Ist das Inventar dann voll, kann derzeit nicht benötigtes im Hauptquartier oder den verschiedenen Safe-Houses eingelagert, in seine Einzelteile zerlegt oder einfach versilbert werden. Denn natürlich gibt es Händler, die Kriegsgerät und Ausrüstung feil bieten. Wer durch Erledigung von Aufträgen Personal freischaltet, kann zudem auf Helfer zurückgreifen, die einem Mods für alles mögliche versorgen oder unterstützend eingreifen, um selbst nach Blaupausen Dinge anzufertigen.

Nicht zuletzt ist es sinnvoll, alles im Rucksack nach seinen Eigenschaftswerten zu begutachten. Das gilt für Knarren, wie Ausrüstung und Klamotten. Schon die geschickte Kombination kann den Charakter aufwerten, mitunter muss man, gerade bei der Waffenwahl, diese der augenblicklichen Situation neu anpassen. Immer zwei Primärwummen schleppt der Held mit sich herum, kann aber darüber hinaus noch maschinelle Hilfe in Form von mobilen Geschütztürmen und Drohnen in Anspruch nehmen. Die Auswahl an Bleischleudern ist dabei gigantisch und auch das Angebot an Rucksäcken, Handschuhen, Knieschützern oder Panzerwesten geht deutlich über das des gut sortierten Einzelhandels hinaus. So verbringt man seine Zeit, sich für den Einsatz angemessen in Schale zu werfen, wobei alles, was sich im Inventar befindet, auch unterwegs getauscht werden kann.

Die Mühe lohnt, denn viel Feind, viel Ehr ist das Motto der Aktion. In den ersten Leveln ist es durchaus möglich, allein in die Krieg zu ziehen. Mit genügend Ausdauer, manche Etappe eben ein paar mal zu absolvieren, kommt man irgendwann auch ans Ziel. Doch "The Devision 2" ist ja vor allem ein MMO-Shooter. Es gibt Spielersuchstationen, an denen man sich umtun kann, es können Clans gebildet oder einfach Freunde eingeladen werden. In jedem Fall ist die Gruppe ab einem bestimmten Level notwendig. Zwar rennen in der Hauptstadt auch zahlreiche NPGs herum, die helfen aber nur kurz bei der Einnahme von Kontrollpunkten und fechten ansonsten ihre eigenen Scharmützel aus.

Wer das Spiel das erste Mal startet wird gleich mit einem Day-One-Patch beglückt, der je nach Plattform bis zu über 90 GB groß sein kann. Und wie auch schon vom Vorgänger gewohnt, patchen die Entwickler immer weiter, um Bugs zu beseitigen oder einfach das Spiel inhaltlich noch besser zu machen. Denn es gibt durchaus Kritikpunkte. Zum einen verfügt die Figur zwar über tolle Gadgets, aber eine einfache Taschenlampe findet sich nicht. Da es auch in Kellern, Gängen und generell, wenn es dank dynamischer Tageszeiten- und Wetterwechsel finster wird, zur Sache geht, steht der Sheriff buchstäblich im dunkeln. Dem gegenüber ist das HUD für Lebens- und Munianzeige so hell, dass die Umgebung kaum, geschweige denn Gegner wirklich zu erkennen sind. Nächstens ist bisher keine gute Zeit zum siegen. Washington legt uns Massive Entertainment als open world zu Füßen. Das ist toll. Unverständlich jedoch, warum an bestimmten Stellen Hindernisse übersprungen oder erklettert werden können, an anderen wiederum nicht. Da fühlt sich der Spieler dann doch irgendwie fremdgeleitet. Auch die Respawn-Punkte sind teils ärgerlich. Während der Hauptmissionen sind sie zwar relativ eng gesetzt, doch man muss das Kapitel zwingend zu Ende bringen, um nicht wieder von vorn zu beginnen. Das gilt auch, wenn für eine bestimmte Zeit das Spielgerät aus der Hand gelegt wird. Dann meldet das System automatisch ab und die bisherigen Erfolge sind für die Tonne. Nebenmissionen oder einfach Streifzüge beginnen stets im Safe-House neu. Auch wenn zwischen diesen und dem Weißen Haus Schnellreise möglich ist, frisst das ordentlich Zeit.

Andererseits kann sich kaum jemand wohl an der virtuellen Bundeshauptstadt satt sehen. Ja, es wiederholen sich bestimmte Dinge, aber prinzipiell wirkt die Metropole sehr authentisch und es gibt in jedem Winkel etwas zu entdecken. Bis auf leichte Clippingfehler baut sich die Grafik sehr flüssig auf und die Licht- und Wetterwechsel sorgen noch für eigene Ansichten. Ohne Frage ist das technisch auf sehr hohem Niveau. Das gilt auch für den Spielercharakter selbst. Die Bewegungen sind natürlich, die Animationen flüssig und die vielen Spezialeffekte können sich jederzeit sehen lassen. Nicht zuletzt kommt der Sound satt aus den Boxen. Die Effekte sind gut ortbar. Bild und Ton verschmelzen zu einer gelungenen Einheit.

Unterm Strich, mit einigen kleinen Abstrichen, eine wirklich gelungene Fortsetzung mit sehr großem Suchtpotential. Kein Wunder, dass Ubisoft mit zahlreichen Ingame-Angeboten hofft, auch nach dem Ersterwerb die Spieler zu der einen oder anderen zusätzlichen Ausgabe verführen zu können.

Tom Clancy’s The Devision 2; Massive Entertainment; Ubisoft

https://tomclancy-thedivision.ubisoft.com/game/de-de/home

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