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TEDx - ein Kanal für Querdenker und Wissenschaftler

Merle Hilbk / 20.06.2020, 04:45 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) TEDx ist ein Kanal, der einen dazu bringt, die Dinge persönlich zu nehmen. Den Klimawandel beispielsweise oder die Frage, warum so viele Menschen an Depressionen erkranken. Denn die Redner, die auf dem Vortragskanal TedX maximal 18 Minuten über ihr Forschungsgebiet oder ihre Ideen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme erzählen, verbinden das fast immer mit einer persönlichen Geschichte. Das klingt nach zeitgenössischer Nabelschau, ist aber bei TED genau das Gegenteil: ein Kunstgriff, um den Zuhörer in eine fremde, unbekannte Welt zu locken. Das liegt nicht nur daran, dass die Sprecher über ihre Lebensprojekte reden, sondern weil sie die Kunst des (amerikanischen) Storytelling beherrschen.

Aus Amerika kommt auch die Grundidee für diesen Kanal. Genauer gesagt: aus dem Umfeld des Silicon Valley, wo der Architekt Richard Saul Wurman eine Konferenz namens TED  (Technology, Entertainment, Design) ins Leben rief, auf der Technologie-Entwickler, Künstler und Wissenschaftler ihre Ideen austauschen sollten. Tausende bewarben sich. 2002 verkaufte Wurman das Format an Medienunternehmer Chris Anderson, der kostenlose TED-Lizenzen an Konferenzveranstalter weltweit vergab. Einzige Bedingung: Die Bühne der lokalen Veranstaltungen muss nach TED-Vorgaben gestaltet sein, die Reden dürfen höchstens 18 Minuten lang sein und müssen professionell gefilmt werden – und auf dem YouTube-Kanal TEDx hochgeladen werden.  Mehr als 50 000 Redner aus 164 Ländern beteiligten sich.

TEDx wurde zur Ideenbörse – und zu einem Marketinginstrument – für junge Wissenschaftler und Querdenkern, die sich vor allem mit sozialen Fragen beschäftigten. Von Bono über Jane Goodall bis hin zum Sozialarbeiter aus der Bronx reicht die Palette der Redner, die Fragen sind so formuliert, dass sie ein breites Publikum ansprechen: Ist es besser, stark zu sein oder verletzlich? Wie formt Sprache unser Denken? Inwiefern bestimmen amerikanische und chinesische Werte den Umgang mit dem Corona-Virus?

Fesselnd sind die Vorträge vor allem durch die immer wieder überraschenden Perspektiven der Redner. Eines freilich haben sie fast alle gemeinsam: einen sehr amerikanisch anmutenden Zukunftsoptimismus. Ein  "Yes, we can"-Selbstermächtgungsspirit, der wohl nicht zuletzt TEDx fast 26 Millionen Abonnenten beschert hat. Auch wenn dieser Optimismus durchaus ein – wie Marx es nennen würde – Doppelgesicht hat, sind Reden wie  "Das Abenteuer der Trauer" (Geoff Warburton) vielleicht genau die richtige Bestärkung, um die vielen Abschiede einer Zeit der großen Umbrüche zu bewältigen.

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