Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Parrot Anafi
Drohne im Test: So gut ist der Roboterkäfer

Stefan Klug / 30.06.2020, 13:51 Uhr - Aktualisiert 30.06.2020, 16:27
Frankfurt (Oder) (MOZ) Selfies waren gestern. Wer heute auf sich hält, postet Fotos von sich aus größerem Abstand - am besten von oben. Da kommt auch der Normalo an einer Drohne nicht vorbei.

Vor ein paar Jahren noch ein Unding. Denn die fliegenden Augen waren nicht nur schwer und tricky zu fliegen, sie kosteten auch ordentlich Geld. Billig sind Drohnen immer noch nicht, aber man bekommt vergleichsweise viel geboten für einige hundert bis knapp tausend Euro. So auch bei Parrot. Um die 600 Euro verlangen die Franzosen und bieten im Gegenwert eine Drohne, die zusammengeklappt kaum größer als eine Wasserflasche ist. Das qualifiziert sie schonmal für die Mitnahme in den Urlaub. Um so mehr, als dass das Gewicht von knapp 320 Gramm kaum auffällt. Dank gekonnter Leichtbauweise und Carbon-Einsatz wird das erreicht. Dazu lassen sich die Ausleger anklappen und die Propeller-Blätter bündeln. Verstaut in einem kleinen Rucksack geht die Anafi so samt Zubehör gut geschützt mit auf jede Reise. Trotz des eher filigranen Aussehens, was die Werbetexter als "Schönheit des Roboterkäfers" preisen, macht die Anafi keinen fragilen Eindruck. Man traut ihr einiges zu und darf ihr ruhig auch einiges abverlangen.

Das ganze Gegenteil in Sachen Aussehen und Haptik ist der Skycontroller 3. Der ähnelt dem Eingabegerät einer XBox und wird auch so bedient. Zwei Analogsticks auf der Oberseite sorgen für Flugrichtung und -höhe sowie Rotation. Schultertasten bzw. Hebel dienen der Kameraausrichtung und dem Zoom sowie als Auslöser. Last but not least finden sich oben in der Mitte noch Start- und Home-Button. Denn wie schon bei den Vorgängern geht die Drohne auf Knopfdruck in den Schwebeflug in einem Meter über dem Erdboden und kehrt auf Befehl zum per GPS markierten Startpunkt zurück. Zudem befindet sich am Steuergerät noch eine ausklappbare Aufnahmevorrichtung für bis zu 6-Zoll große Smartphones. Die werden per USB-Kabel mit dem Controller verbunden und sind dann die virtuelle Schnittstelle. Basis dafür ist FreeFlight 6, das dem User im Prinzip völlige Freiheit bei der Bedienung gibt.

Spektakuläre Videos auf Knopfdruck

Zum einen erlaubt die Software gewisse Grundeinstellungen. Etwa, in welchem Modus geflogen wird. Bei Sport geht es mit bis zu 54 km/h zur Sache, wer filmen oder fotografieren will, kann die Bewegungsart und Geschwindigkeit, beispielsweise der Rotation, anpassen, so dass sich die Anafi deutlich softer bewegt. Zudem sind einige Sicherheitseinstellungen möglich, also bis zu welcher Höhe und Entfernung die Drohne sich vom User maximal entfernen darf. Rein technisch wären sagenhafte vier Kilometer möglich. In Deutschland allerdings ist nur Flug mit Sichtverbindung zumGerät erlaubt, was diese Distanz deutlich verkleinert. Zudem bleibt die Verbindung zum Controller nur bei quasioptischer Sicht erhalten. Hinter Gebäuden oder anderen Hindernissen kann das Signal auch ziemlich schnell und ziemlich stark nachlassen. FreeFlight 6 bietet noch jede Menge von Video- bzw. Fotoprogrammen, die defacto fast jede Art der Aufnahme ermöglichen, die wir kennen. Besonders spektakulär gestalten sich die sogenannten CineShots, bei denen die Anafi vorprogrammierte Flugmanöver absolviert und gleichzeitig Videos macht. Eine große Anzahl dieser Programme sind bereits standardmäßig installiert. Per InApp-Kauf gibt’s aber noch einige dazu, so beispielsweise Follow Me. Hier folgt die Drohne dem User automatisch und behält ihn immer im Bildmittelpunkt.

Diesen kann man über das Smartphone-Display jederzeit im Auge behalten und aus der Distanz verschieben. Die Kamera schießt Dank Sensor von Sony Fotos mit 21 Megapixeln. Die Optik erlaubt, je nach Auflösung, einen verlustfreien Zoom von 1,4 bis 2,8. Das Objektiv lässt sich via Fernsteuerung vertikal um bis zu 90 Grad nach oben und unten bewegen. Videos können als natives 4-K-Material mit einer Auflösungvon 4096 mal 2160 Pixeln mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Die Bitrate liegt dann bei 100 Megabit pro Sekunde. Gespeichert wird auf eine standardmäßig 16 Gigabyte große microSD-Karte, die auswechselbar ist.

Stabile, native 4-K-Aufnahmen

In der Praxis beeindrucken Foto- und Videoaufnahmen gleichermaßen. Dabei sind alle Spezialprogramme für beide Modi noch nicht berücksichtigt. Besonders die 4-K-Videos im Schwebeflug zeichnet eine ungemeine Bildruhe aus, einem Foto zum verwechseln ähnlich. Dies garantiert der Zwei-Achsen-Gimbal für die Optik inklusive der zusätzlichen digitalen Stabilisierung. Da die Drohne Windgeschwindigkeiten bis zu 50 Km/h auszugleichen vermag, können also bei vielen Wetterbedingungen tolle Aufnahmen entstehen. Einzig das Umschalten von Video auf Foto über die FreeFlight-Oberfläche macht einen etwas fummeligen Eindruck. Zudem startet das Video danach nicht mehr automatisch, sondern muss per Hand aktiviert werden. Wer daran nicht denkt, trauert unter Umständen tollen Ansichten nach.

Der standardmäßige Akku hält die Anafi knapp 25 Minuten in der Luft und kann ohne Demontage via USB-C "nachgetankt" werden. Auch von einer Powerbank aus. Dank Schnellladung ist nach einer Stunde die volle Kapazität wieder verfügbar. Diese scheint für den Neustart auch erforderlich. Zumindest weigerte sich unser Testmodel, mit nicht voll geladenen Batterien abzuheben. Wer also längere Einsatzzeiten im Auge hat, sollte Ersatz-Akkus im Gepäck mitführen.

Rein von der Performance her lässt sich der "Roboterkäfer" kinderleicht steuern. Für alle, die sich mit Videogames auskennen sollte die Analogstick-Belegung blind bedienbar sein. Im Sportmodus erfolgt die Befehlsannahme allerdings sehr zackig, was einige Übung erfordert. Gleiches gilt für den Flug mit ausschließlich Blick aufs Display und erst recht für die immersive Ansicht über die dazugehörige Brille. Letztere bietet zwar das authentischste Erlebnis, setzt aber ein hohes Erfahrungslevel voraus. Ansonsten ist die Anafi eher gutmütig und bietet sogar einen Handstart-Modus - ein NoGo in vergangenen Zeiten.

Drohne für jeden und überall

Preis- und Leistung legen bei den Franzosen einen echten Parallel-Flug hin, um im Bild zu bleiben. Zudem ist Parrot sichtlich bemüht, Hard- und Software aktuell zu halten. So gibt es immer wieder Updates für Drohne, Akkus und FreeFlight. Als Leichtgewicht braucht man für die Anafi auch keinen Führerschein. Eine fest mit der Drohne verbundene Plakette, die Auskunft über den Halter gibt, ist jedoch zwingend erforderlich in Deutschland. Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von Regeln, die die Nutzung vor allem in Städten defacto unmöglich macht. Wer aber hinaus in freie Natur geht oder ausschließlich im Luftraum über seinem Privatbesitz aktiv ist, wird viel Spaß mit der Anafi haben und noch mehr mit den wirklich beeindruckenden Aufnahmen, sei es nun Foto oder Video. Eine Drohne für jeden und überall.

https://www.parrot.com/de/drohnen/anafi

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG