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Finanzamt
Für viele Rentner reichen zwei Seiten

Steuerreform für Senioren: Für Rentner in Brandenburg und drei anderen Bundesländern soll es schon bald spürbare Erleichterungen bei der Steuererklärung geben.
Steuerreform für Senioren: Für Rentner in Brandenburg und drei anderen Bundesländern soll es schon bald spürbare Erleichterungen bei der Steuererklärung geben. © Foto: Bernd Wüstneck
Dieter Keller / 04.05.2019, 08:00 Uhr
Berlin Als deutlich zu kompliziert empfinden viele Rentner ihre Steuererklärung, hat der brandenburgische Finanzminister Christian Görke (Linke) bei seinen Besuchen in den Service- und Informationsstellen der Finanzämter erfahren. Daher freut er sich, dass Brandenburg zusammen mit Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ab sofort ein Papier-Formular für Rentner mit nur zwei Seiten testet. Doch nicht alle Senioren können es nutzen.

Wann reicht die vereinfachte Steuererklärung? Außer der Rente oder der Beamtenpension darf es keine anderen Einkünfte geben, etwa aus der Vermietung einer Wohnung. Auf dem Formular müssen Rente, Pension und die Sozialversicherungsbeiträge nicht eingetragen werden. Das Finanzamt übernimmt diese Werte aus den elektronischen Meldungen der Rentenversicherung und der anderen Stellen, die diese für alle Versicherten weitergeben müssen.

Dafür bietet das Formular Platz für Angaben wie außergewöhnliche Belastungen, Behinderten-Pauschbeträge, Spenden, haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen sowie weitere Versicherungsbeiträge. Das Formular gibt es nur in Papierform. Wer eine elektronische Steuererklärung (Elster) abgibt, kann es nicht nutzen.

Wie funktioniert die Besteuerung der gesetzlichen Renten? 2005 wurde ein neues System eingeführt, um langfristig die gleiche Besteuerung wie bei Beamtenpensionen zu erreichen. Versteuert werden muss nur ein Teil der Rente. Dieser hängt vom Jahr des Renteneintritts ab; für jeden neuen Jahrgang steigt er stufenweise an. Wer 2005 und früher in Rente ging, muss 50 Prozent versteuern. Für die Neurentner 2018 waren es 76 Prozent, in diesem Jahr 78 Prozent. Was steuerfrei bleibt, wird als Freibetrag vom Finanzamt festgeschrieben. Die jährlichen Rentenerhöhungen müssen daher voll versteuert werden. Für die Riester-Rente, die betriebliche Altersversorgung und private Rentenversicherungen gelten andere Steuerregeln.

Welche Rentner müssen überhaupt eine Steuererklärung abgeben? Entscheidend ist, ob sie über das steuerfreie Existenzminimum kommen. Dieser Grundfreibetrag betrug pro Person im letzten Jahr 9000 Euro, in diesem 9168 Euro. Zu dem Teil der Rente, der versteuert werden muss, kommen noch Pauschalen für Werbungskosten und Sonderausgaben sowie abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen wie Krankenkassen- und Pflegebeiträge. So ergibt sich: Ein lediger Senior, der 2005 in Rente ging und der keine anderen Einkünfte etwa aus Vermietung hat, muss in diesem Jahr erst ab 17 578 Euro Jahresrente Steuern zahlen, der Rentnerjahrgang 2018 dagegen schon ab 14 177 Euro. Im Jahr 2018, für das jetzt die Steuererklärung gemacht werden muss, lagen die Werte noch etwas niedriger.

Warum gibt es das vereinfachte Formular nicht auch anderswo? Für den Pilotversuch wurden Bundesländer ausgewählt, in denen die Rentner häufig keine weiteren Einnahmequellen haben, etwa aus Vermietung, Kapitaleinkünfte, die nicht der Abgeltungsteuer unterliegen, oder betriebliche Einkünfte. In Baden-Württemberg beispielsweise schätzt das Finanzministerium, dass dies nur auf einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zutreffen dürfte. Daher prüft es erst, wie es weiter vorgehen will.

Wie viele Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben? Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass fast fünf Millionen der 17,8 Millionen. Altersrentner steuerpflichtig sind. Durch die Rentenerhöhung 2018 dürften etwa 54 000 dazugekommen sein, weitere 48 000 durch die bevorstehende Erhöhung am 1. Juli 2019. Im Osten gibt es dann 3,91 Prozent mehr, in Westdeutschland  3,18 Prozent.

Bis wann muss die Steuererklärung abgegeben werden? Für Rentner gilt wie für alle anderen Steuerpflichtigen: Sie haben ab sofort zwei Monate mehr Zeit. Die Erklärung für 2018 muss also erst Ende Juli beim Finanzamt sein. Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein einschaltet, für den endet die Frist sogar erst am letzten Februartag des übernächsten Jahres. Allerdings warnt das Verbraucherportal finanztip.de: "Der Fiskus wird strenger, wenn Sie den Termin nicht einhalten." Künftig wird schneller ein Verspätungszuschlag von mindestens 25 Euro pro Monat fällig.

Besteuerung der Rentner

Bis zu welcher Rente müssen ledige Rentner ohne weitere Einkünfte keine Einkommensteuer zahlen?Jahr desHöchste Jahres-Rentenbeginns Bruttorente*

2005**17 578

200617 132

200716 764

200816 541

200916 255

201015 871

201115 585

201215 384

201315 176

201414 935

201514 788

201614 648

201714 416

201814 177

201913 758

*In Euro, die noch steuerunbelastet bleibt; ** und früher⇥QUELLE: BMF

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