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Kaum noch Zinsen
Wo ist das Geld gut angelegt?

Von Dieter Keller / 27.08.2019, 07:15 Uhr
Berlin Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Banken und Sparkassen auch von normalen Kunden Negativzinsen verlangen und nicht nur bei großen Beträgen auf dem Konto. Für zusätzlichen Druck sorgt, dass die Europäische Zentralbank auf absehbare Zeit die Negativzinsen noch erhöhen dürfte, die sie von den Banken für Einlagen verlangt. Zwar gibt es Forderungen, ihnen Negativzinsen für Privatleute zu verbieten. Aber dann würden wohl nur ihre Gebühren steigen.

Guter Rat ist also im wahrsten Sinne des Wortes teuer: Wie ­sollte Otto Normalverbraucher das Geld anlegen, das er für größere Ausgaben oder fürs Alter zurücklegt? Schon die Inflation von aktuell 1,7 Prozent droht die Zinsen aufzufressen. Für die Suche nach Alternativen gelten zwei Grundregeln: Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern streuen. Und höhere Zinsen bergen in der Regel das Risiko, Geld zu ver­lieren.

Kredite Die beste Geldanlage ist, Schulden zurückzuzahlen, ob Dispokredite oder die Finanzierung der eigenen vier Wände. Denn gerade bei älteren Krediten sind die Zinsen noch hoch.

Urteil: Sinnvoll, solange die Bank bei der vorzeitigen Tilgung keine Entschädigung verlangt. Denn die kann hoch sein.

Sparbuch & Co. Experten em­pfehlen, zwei bis drei Monatsgehälter so anzulegen, dass sie jederzeit verfügbar sind, um kurzfristig das Girokonto nicht überziehen zu müssen. Dafür wäre eigentlich Tagesgeld ideal. Doch man muss im Internet suchen, um zumindest ein paar Zehntelprozent Zinsen zu finden. Auch das Sparbuch oder Festgeld werfen selbst bei langer Laufzeit nicht viel ab.

Urteil: Die Anlage ist sicher, solange maximal 100 000 Euro bei einer Bank angelegt werden. Sie sind durch die Einlagensicherung geschützt. Aber die Zinsen reichen meist nicht, um die Inflation auszugleichen.

Anleihen Gerade hat der Bund erstmals eine Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit aufgelegt, die null Prozent Zinsen bringt. Bei kürzerer Bindung ist die Rendite längst negativ. Trotzdem greifen Großanleger zu, weil der Bund als sehr sicherer Schuldner gilt – im Gegensatz etwa zu Italien. Zehnjährige italienische Anleihen versprechen aktuell etwa 1,3 Prozent – als Zitterprämie für eine mögliche Schieflage. Auch Anleihen großer deutscher Konzerne sind keine Alternative: Selbst bei langer Laufzeit zahlen sie kaum Zinsen. Anders kann es bei Mittelständlern aussehen, die immer wieder mit fünf Prozent und mehr im Jahr locken. Doch ist Vorsicht geboten: Das Risiko ist für Laien kaum abzuschätzen. Selbst bekannte Firmen sind schon in Insolvenz gegangen, und das ganze Geld war futsch.

Urteil: Größte Vorsicht – ein Inflationsausgleich ist nur mit hohem Risiko zu erreichen.

Aktien Manche Konzerne zahlen so hohe Dividenden, dass der Kauf der Aktien eine durchaus beachtliche Rendite verspricht – die Daimler-Aktie beispielsweise aktuell fast acht Prozent, weil der Autobauer in diesem Jahr viel ­ausgeschüttet hat und der Börsenkurs kräftig gefallen ist. Das zeigt aber auch das Risiko: Der Kurs kann weiter abstürzen und die Dividende gesenkt werden oder gar ausfallen, weil der Gewinn ­einbricht.

Urteil: Keine sichere Sache. Auf Gewinne durch steigende Kurse sollte nur spekulieren, wer sich gut auskennt und Zeit hat, die Entwicklung der Unternehmen zu verfolgen. Zudem müssen Spekulationsgewinne versteuert werden.

Fonds Sie bündeln die Anlage in mehreren Aktien oder Anleihen. Daher sollte das Risiko geringer sein als bei Einzelwerten. Bei normalen Fonds bemühen sich Experten um möglichst viel Rendite. Dafür verlangen sie allerdings erhebliche Gebühren. Eine interessante Alternative sind ETF (Exchange Traded Funds). Das sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden und das Geld so anlegen, dass sie wichtige Aktienindizes wie den Deutschen Aktienindex (Dax) oder den Weltaktienindex MSCI World abbilden. Ihre Gebühren sind niedrig, weil keine Fondsmanager nötig sind. Die Stiftung Warentest hat das "Pantoffel-Portfolio" entwickelt, das die Anlage auch für Nicht-Fachleute einfach macht.

Urteil: Gerade ETF versprechen eine hohe Rendite, aber nur langfristig. Vor kurzfristigen Verlusten sind Anleger nicht geschützt. Wer schnell  dringend Geld braucht und Anteile verkaufen muss, der verliert, wenn die Lage schlecht ist.

Immobilien Betongold klingt als Kapitalanlage vielversprechend. Aber entscheidend sind die Lage und der Kaufpreis, gerade bei vermieteten Objekten. Zudem können Privatleute schwer beurteilen, welche Risiken unter dem Putz schlummern. Die Mietpreisbremse tut ein Übriges, zumal gerade in Großstädten die Preise als überzogen gelten.

Urteil: Nicht ohne Risiko. Eine Alternative können große offene Immobilienfonds sein, die in Gewerbeobjekte investieren und breit streuen.

Gold Das glänzende Metall gilt als Inbegriff von Reichtum. Als Geldanlage ist es bei manchem beliebt – und doch umstritten. Gold wirft keine Zinsen ab. Es kostet eher Geld, etwa für ein Bankschließfach oder einen Tresor sowie eine Versicherung. Gold wird in Dollar gehandelt, also gibt es das Wechselkursrisiko. Um Gewinne zu realisieren, muss es verkauft werden. Der Goldpreis schwankt langfristig noch stärker als der Weltaktienindex MSCI World, ergab eine Analyse des Verbraucherportals finanztip.de. Selbst in Finanzkrisen schützt es nicht vor Verlusten.

Urteil: Auch Gold ist keine sichere Bank. "Wir empfehlen, nicht mehr als zehn Prozent ihres Vermögens in Gold anzulegen", rät finanztip.de.

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