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Vom 24. bis 30. April läuft die Europäische Impfwoche der WHO / Kinder im Kreis gut immunisiert

Impf-Vorsorge ein Leben lang

© Foto: dpa/Patrick Seeger
Doris Steinkraus / 27.04.2017, 06:40 Uhr
Seelow (MOZ) Vorbeugen, schützen - unter diesem Motto steht die Europäische Impfwoche 2017. Seit 2005 gibt es sie immer in der letzten April-Woche. Sie soll die Menschen für unverzichtbare Impfungen sensibilisieren. In Märkisch-Oderland gibt es zumindest in der Grundimmunisierung der Kinder einen guten Stand.

"Impfen? Das ist doch eher ein Thema für Kinder", meint so mancher Erwachsene und unterliegt damit einem fatalen Trugschluss. "Die wenigsten Immunisierungen halten ein Leben lang", macht Amtsarzt Steffen Hampel deutlich. Er nennt das Beispiel Keuchhusten. Gerade in diesem Winter grassierte er bundesweit sehr stark. "Bei solchen Fällen wird sichtbar, dass es bei den Erwachsenen Impflücken gibt", sagt Hampel. Ihn ärgert, dass mit diesem Thema mitunter zu lax umgegangen wird. Manch einer meint, er brauche den Schutz nicht und wenn er die Krankheit bekomme, werde er sie eben auskurieren.

"Es geht bei Impfungen nicht nur um die Person selbst", unterstreicht der Amtsarzt. "Es geht  auch darum, andere nicht anzustecken." Tritt in einer Familie, in der auch Säuglinge leben, Keuchhusten auf, könne dies für diese Kinder lebensgefährlich werden. Hampel verweist auf die Internetseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, auf denen verständlich über empfohlene Impfungen für alle Altersgruppen informiert wird. Der Nutzer kann direkt Fragen eingeben, sich zu jeder Impfung detailliert informieren.

Zu den von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Impfungen für Erwachsene gehören - je nach Altersgruppe, Vorerkrankungen, Beruf und Immunisierungsstand: Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Masern, Ziegenpeter (Mumps), Röteln, Windpocken (Varizellen), Grippe, Pneumokokken, Hepatitis A und B.

Die meisten Impfungen erhalten Kinder und Jugendliche im Rahmen der Grundimmunisierungen. In Abhängigkeit vom Krankheitserreger müssen Auffrischungsimpfungen durchgeführt werden, bei Tetanus z.B. nach spätestens zehn Jahren. Auch wer keine Grundimmunisierung erhalten hat, kann die Impfungen als Erwachsener nachholen. Mit dem Thema Impfungen sollten sich Erwachsene zudem beschäftigen, wenn sie reisen. An Urlaubsorten sind Ansteckungen möglich, die hier kaum noch eine Rolle spielen, wie Hepatitis, Gelbfieber, Tollwut oder Typhus.

Recht gut stehe der Landkreis bei der Grundimmunisierung der Kinder da, resümiert Steffen Hampel. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen Immunisierungsgrad von 95 Prozent. "Wir liegen bei den Einschulkindern bezüglich Masern, Mumps und Röteln bei 96,5 Prozent ", sagt der Amtsarzt. Auf der Seite www.gesundheitsplattform-brandenburg.de gibt es für alle Kreise die Zahlen zum jeweiligen Impfstatus. Der gute Stand in Märkisch-Oderland sei vor allem das Verdienst der Kinder- und Hausärzte, erklärt Hampel. Er könne sich für ihre verantwortungsvolle Arbeit nur bedanken. Sie und die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sind es auch, die auf Impflücken aufmerksam machen, für rechtzeitige Auffrischungen sorgen und den Impfpass führen.

Problematisch wird es bei Menschen, die kaum zum Arzt gehen, ihn häufig wechseln oder das Impfen ohne triftigen Grund ablehnen. Hampel ärgert besonders Halbwissen, das auch teilweise  in  Heilpraktikerschulen vermittelt wird oder  auf völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen in den Netzwerken basiert. "Impfen ist das sicherste und wirksamste Mittel in der ganz persönlichen Gesundheitsvorsorge", steht für Steffen Hampel fest. Im Gesundheitsamt in Strausberg bietet übrigens die Ärztin Katrin Reinbach eine reisemedizinische Beratung und Reiseimpfungen an.

Christiane Schiel, niedergelassene Hausärztin und Mitglied im Beirat der Kassenärztlichen Vereinigung, sieht ebenfalls vor allem im Erwachsenen-Bereich Impfbedarf. Für Hausärzte und deren Personal gebe es jährlich eine Impf-Weiterbildung. Damit würden alle Kollegen immer wieder sensibilisiert, erhielten viele Informationen zu neuen Impfstoffen, Nebenwirkungen oder Sonderaktionen. "Wir klären in den Praxen auf, unterstützen Impfwochen mit zusätzlichem Material für unsere Patienten", sagt Christiane Schiel.

Infos unter www.impfen-infos.de oder www.infektionsschutz.de, heute 10 bis 17 Uhr kostenlose Beratung durch Reisemediziner unter 0800 0909290, reisemedizinische Beratung und Impfung durch Gesundheitsamt MOL: Katrin Reinbach, Tel. 03346 8506710

Service


■ Masern, Keuchhusten oder Mumps sind alles andere als harmloser "Kinderkram". Sie sind hochansteckend, können sich sehr schnell ausbreiten und schwere Folgen haben.
■Die Ständige Impfkomission (Stiko) gibt Empfehlungen für das Impfen in allen Altersgruppen. Impfungen müssen aufgefrischt werden.
■Alle Impfungen, die die Stiko in einem bestimmten Alter oder in einer bestimmten Situation (z.B. gesundheitlicher Zustand) empfiehlt, werden von den Krankenkassen bezahlt, bzw. bei berufsbedingten Impfungen auch vom Arbeitgeber.

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