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In zwei Welten auf der Überholspur

Anki Overdrive Fast & Furious Edition
Anki Overdrive Fast & Furious Edition © Foto: Anki
Stefan Klug / 21.12.2017, 16:15 Uhr - Aktualisiert 11.01.2018, 20:41
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Entwickler von Anki Overdrive haben eine klassische Autorennbahn um virtuelle Möglichkeiten erweitert. Im Herbst kam ihr neues Spiel heraus. Ein Test.

Meine erste Autobahn erhielt ich als kleiner Knirps. Sie war von "Faller", elektrisch und man konnte mit einer Miniaturausgabe des legendären Jaguar E-Type oder dem Mercedes 230 SL Cabrio seine Runden drehen. Dann folgte eine von Matchbox. Emissionsfrei, weil ohne Antrieb. Allein die Schwerkraft sorgte fürs Vorwärtskommen auf den Abwärtsstrecken. Echte Zweikämpfe gab es da zwar nicht, dafür war die Fahrzeugauswahl sehr üppig.

Später stand dann eine Carrera-Bahn im Jugendzimmer und mit Laudas Boliden fuhr ich Sieg um Sieg gegen den Nachbarsjungen ein. Mit dem ersten eigenen Auto sank das Interesse, stieg aber wieder, als Spielekonsolen virtuelle Autorennen ermöglichten. Bei Formel 1 auf Segas MegaDrive war der Spaß Mann gegen Mann grenzenlos, mit der Wirklichkeit hatte dies alles freilich nichts zu tun. Ganz anders heute. Beim aktuellen "Forza 7" hat man fast den Eindruck, wirklich in einem Porsche 918 Spyder zu sitzen. Aber eben nur fast. Bildschirm ist Bildschirm und nicht Rennstrecke.

Ob die Absolventen des Carnegie Mellon Robotics Institute 2010 ähnlich gedacht haben, ist nicht bekannt. Aber sie gründeten Anki, um Roboter-Technologie als Unterhaltungsmedium verwenden zu können. "OVERDRIVE: Fast & Furious Edition" ist ihr neuestes Werk und verbindet, wie schon der Vorgänger von vor zwei Jahren, virtuelle und tatsächliche Realität.

Man ist wieder zurück bei der guten alten Autorennbahn. Hier eine gegenständliche Stecke mit echten Boliden, dort ein computergestütztes Steuerungssystem und ein Storymodus, wie ihn eben nur ein Videogame hergibt. Pate und Namensgeber ist der nunmehr achte Teil der Hollywood-Bleifußsaga mit Vin Diesel und Dwayne Johnson. Beide tauchen dann, wie übrigens auch der Rest der Crew, im Spielgeschehen auf. Dafür ist ein Smartphone oder Tablet zwingend erforderlich, denn Overdrive FFE funktioniert ausschließlich per App.

Wer einen Account anlegt darf mit den Filmhelden in den Wettstreit treten oder gegen Freunde aufs virtuelle Gaspedal treten. Denn so real auch Ice Charger und MXT auf ihren vollgummibereiften Rädern stehen, sowenig gibt es ein Joypad. Es ist in der Tat ungewöhnlich, schiebend mit dem Daumen auf einer Glasoberfläche für Vortrieb zu sorgen, aber man gewöhnt sich dran. Schwieriger ist dies eher damit, nicht mehr lenken zu können. Denn egal, welchen Rundkurs der Spieler aus den zehn Streckenelementen zusammenbastelt, bei einer Einführungsrunde scannen die Boliden das Geläuf und finden danach selbstständig ihren Weg.

Mit dem Kippen von Handy oder Tablet nach links oder rechts wird lediglich die Spur gewechselt, von denen es vier gibt.Das sind allerlei Neuheiten. In der Singleplayer Kampagne geht es dann weniger innovativ zu. Nach und nach müssen alle Kontrahenten auf der Strecke besiegt werden. Anfangs allein durchs fahren, später auch im Battle-Modus unter Mithilfe verschiedener virtueller Waffen. Diese beschädigen das gegnerische Auto, das die Treffer durch rotes Aufleuchten signalisiert. Und natürlich gibt der eigene Spiel- und Steuerungsbildschirm einen exakten Schadensüberblick. Mehrere Slots des Renners können so mit Upgrades aufgeladen werden, was die Kampfkraft deutlich erhöht.

Doch die eigentliche Kunst besteht nicht darin, die entsprechenden Software-Knöpfe zu drücken, sondern sein Gefährt in die richtige Position auf der realen Strecken zu bringen. Auch wenn die Geschwindigkeit nicht überbordend groß ist, so sind die Autos immer noch schnell und der Kurs kurvenreich genug, um daraus eine richtige Aufgabe zu machen. Denn da keine Kamera wie im Videogame immer den richtigen Blickwinkel aufs Geschehen präsentiert, muss sich der Spieler erst an den steten Wechsel von Bildschirm- und Realansicht gewöhnen.

Vielleicht steckt daher auch tieferer Sinn dahinter, dass Charger & Co. selbst bei Vollgas auf ebener Strecke kaum von der Bahn fliegen. Das limitierte Speedangebot mag zwar den echten Racer befremden, erweist sich aber im Battle-Modus als hilfreich. Denn hier ist als Erster ins Ziel zu kommen nur die zweite Herausforderung. Vielmehr geht es um den Score. Insofern steht "Anki Overdrive" nur bedingt in direkter Linie zu Faller, Carrera und anderen. Andrerseits ermöglicht die Mischung aus zwei Welten mit allen ihren Möglichkeiten neue Spielerfahrungen.

Von denen lassen sich einige sammeln. Denn dank des durchdachten Baukastensystem lassen sich die Strecken im Handumdrehen verändern. Die einzelnen Abschnitte sind nämlich magnetisch und können problemlos aneinander geklickt werden. Und da die Renner, vollgestopft mit Elektronik und zwei Motoren, auch regelmäßig an die Stromtankstelle müssen, bleibt genügend Muße für den Umbau.

Dazu ist es möglich, die bereits vorhandenen Overdrive-Elemente und die der FF-Edition miteinander zu kombinieren, wie auch andere als die Filmautos auf den Kursen ihre Runden drehen können. Alle halten übrigens via Bluetooth Kontakt mit dem Signalgeber, während die Gefechte zwischen menschlichen Kontrahenten mittels WLAN ausgetragen werden. Da sowohl App wie auch Fahrzeuge per Upgrade aufrüstbar sind, darf man gespannt sein, was den Anki-Entwicklern noch einfällt. Im Gegensatz zu den klassischen Rennbahnen muss also mit dem, was in der guten Stube steht, noch lange nicht das Ende der Möglichkeiten erreicht sein. Diese gefallen nicht nur den Veteranen, sondern auch deren Nachwuchs, für den echte Strecken und echte Autos was ganz Neues sind. Zeit, mal wieder die "Faller" vom Boden zu holen.

www. anki.com; Preis: ab 150 Euro

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