Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Marko Enking und Georg Schmidt aus Beauregard verbindet eine besondere Leidenschaft / Damit sind sie dort nicht allein

Seltenes Hobby
Im Dorf der Bogenbauer

Beim Aufziehen zweier Bögen: Georg Schmidt und Marko Enking (r.) zeigen auf dem Kraetzer-Hof im Wriezener Ortsteil Beauregard einige, meist selbst gebaute Exemplare. Die Sehne richtig zu spannen, kostet mitunter sehr viel Kraft.
Beim Aufziehen zweier Bögen: Georg Schmidt und Marko Enking (r.) zeigen auf dem Kraetzer-Hof im Wriezener Ortsteil Beauregard einige, meist selbst gebaute Exemplare. Die Sehne richtig zu spannen, kostet mitunter sehr viel Kraft. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 06.10.2018, 13:00 Uhr
Beauregard (MOZ) Bogenschießen als Sport, vor allem für Kinder, und das bei Blau-Weiß Wriezen – darüber denkt Marko Enking aus Beauregard nach und hat deshalb bereits Kontakt zum Vereinsvorsitzenden Peter Küster aufgenommen. Im Ort ist er nicht der Einzige, der sich für den Sport begeistert.

Kaputte Skier hätten ihn vor ein paar Jahren auf die Idee gebracht, einen Bogen zu bauen, erzählt Marko Enking. Dass der 53-Jährige aus dem Ruhrpott kommt, klingt immer wieder durch. Aber der EDV-Organisator/Organisationsprogrammierer lebt mit seiner Familie bereits seit 1991 auf dem Kraetzer-Hof im Wriezener Ortsteil Beauregard. Bei seinem ersten Bogen habe ihm Armin Köhler geholfen. Der lebe ebenfalls im Dorf und sei Orgelbauer. „Was weiß ich denn von Holz“, sagt Enking. „Inzwischen eine ganze Menge“, grätscht ihm Georg Schmidt verbal dazwischen. Der Zimmerer ist 37 Jahre alt und in Beauregard aufgewachsen.

Kennengelernt haben sich die beiden beim „Rumbasteln“. „Hier hat jeder seine eigene Werkstatt“, weiß Enking und fügt hinzu. „Das sind alles Spezialisten. Der eine hat eine Drehbank, der andere kann Schweißen.“ Und Georg Schmidt ergänzt, dass es immer jemanden gibt, der etwas reparieren kann. Inzwischen hätten sie, die immer wieder auch bei Veranstaltungen zu erleben sind, hunderte Bögen gebaut. „Es gehen ja auch welche kaputt“, begründet Enking und demonstriert, wie schon so manches Material „verheizt“ wurde: Die Sehne lässt sich einfach nicht aufziehen. „Da bricht so ein Bogen schnell mal durch“, sagt er und hegt dann keinen Groll. „Hauptsache ist doch, dass es Spaß macht“, meint er. Und dass man relativ schnell und aus einfachen Materialien einen neuen Bogen bauen könne, begeistere Jung und Alt immer wieder.

Längst würde es auch mehrere Bogenbauer im Dorf geben, die er gern mal zusammenbringen würde. Vielleicht bei einem nächsten Fest. „Und dann machen wir ein Bogengolfturnier“, macht Georg Schmidt deutlich, dass es dazu bereits ernsthaftere Gedanken gibt. Nach Regeln wie beim Golfspiel sollen dabei Pfeile von Ziel zu Ziel gebracht werden.

Der Bogensport sei auch eine gute Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zum Beispiel von ihren Rechnern wegzubekommen und auch der sozialen Verarmung entgegenzuwirken, hat Marko Enking festgestellt. Neben seiner Selbstständigkeit habe er in den vergangenen zehn Jahren unter anderem als AG-Leiter an Schulen und auch mit „ganz schwierigen Jungs“ gearbeitet. Das Thema Bogen fasziniere alle, sogar Mädchen. Körperliche Einschränkungen seien mit entsprechendem Gerät kein Problem. Häufig könnten verloren gegangene Fähigkeiten damit wieder erlernt werden. Neben Integration und Inklusion kommt ihm das Wort Migration über die Lippen. „Der Bogen ist ein gutes Mittel zur Verständigung“, erklärt Enking und verweist darauf, dass Pfeil und Bogen in den meisten Kulturen bekannt sind.

Von Georg Schmidt habe er vor allem Tipps bekommen, wie man Holz richtig sieht, aussucht, liest. Und dann natürlich auch, wie man es verarbeitet. Möglichst ohne Mühe, also mit dem richtigen Werkzeug, das sie inzwischen zum Teil selbst hergestellt haben. An Exemplaren aus Eibe, Esche und Nussbaum zeigen sie schnell mal zum Vergleich, wie unterschiedlich Holz ist und geben den Hinweis, dass man auf die Jahresringe achten muss, damit der Bogen nicht gleich bricht.

Wie viel Zeit man für einen Bogen braucht? „Mal drei Stunden, aber auch schon mal drei Tage“, sagt Marko Enking und wird erneut korrigiert. „Für den perfekten Bogen benötigst du vier Wochen“, meint Georg Schmidt und spricht dann sogar von fünf Jahren, wenn man die Suche nach dem geeigneten Holz und das Trocknen berücksichtige. Das reicht Enking wiederum nicht. „Der Baum muss doch erst wachsen“, sagt er lachend und zieht einen seiner Bögen für einen Schuss auf.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG