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Gesundheit
Potsdamer App will Asthmatikern das Leben erleichtern

Ina Matthes / 02.02.2019, 08:00 Uhr - Aktualisiert 04.02.2019, 18:31
Potsdam (MOZ) Etwa sechs Prozent der Deutschen leiden unter Asthma. Vor allem in Großstädten nimmt ihre Zahl zu. Ein Potsdamer Start-up hat eine App entwickelt, die ihnen das Leben erleichtern soll.

Nebel, kalte Luft – kein gutes Wetter für eine Joggingrunde. Heftiger Pollenflug und ein Gewitter im Anzug –  Fenster schließen und zu Hause bleiben.

Wetterlagen wie diese können für Asthmatiker belastend bis riskant sein. Gewitter mit Pollenflug kann sogar Atemnot auslösen. Die App „breazy track“ will Asthmatiker vor solchen Situationen warnen. Sie soll ihnen vor allem helfen, bewusster mit ihrer Krankheit umzugehen.

Das Start-up breazy-health GmbH aus Potsdam hat die App entwickelt. Einer ihrer Gründer, Andreas Thom (40), leidet selbst unter Asthma. Nachdem er vor wenigen Jahren die Diagnose erhalten hatte, nahm er an einem Behandlungsprogramm der Krankenkasse für chronisch Kranke teil. Dabei bekam er, ein Heft für tägliche Notizen, Medikamente und viele gedruckte Informationen. Außerdem erhielt er einen Peak-Flow-Meter, ein handliches Gerät, mit dem Asthmatiker die maximale Stärke ihres Atems beim Ausatmen messen. So können sie zum Beispiel Rückschlüsse auf die Lungenfunktion ziehen und den Erfolg ihrer Therapie einschätzen.

Thom war verblüfft.  „Ich dachte: Es kann doch nicht sein, dass wir 2016 haben und ich muss hier reinpusten und die Werte per Hand in ein Tagebuch eintragen. Warum geht das nicht digital?“ Gemeinsam  mit Benedikt Gnadt und Felix Mühlbauer hat Andreas Thom das Unternehmen 2017 gegründet. Thom und Gnadt kennen sich vom Studium an der Fachhochschule Potsdam, wo sich beide mit IT-Themen beschäftigt haben. Felix Mühlbauer hat in Potsdam in Technischer Informatik promoviert. Unterstützt werden die drei Gründer von einem Team aus Ärzten, Informatikern, Technikern und Marketing-Experten.

Mit der App sollen Asthmatiker ihre Krankheit bequem dokumentieren können. Sie tragen in breazy track Daten ein, wie die Peak-Flow Werte, eingenommene Medikamente oder Symptome wie Hustenanfälle. Die App informiert sie unter anderem über die tägliche Belastung mit Pollen, Ozon oder Feinstaub  und warnt bei kritischen Wetterlagen. Auch Hinweise zur Selbsthilfe in Notfall-Situationen bietet sie an. Der Unterschied zum Papier-Tagebuch und zu ähnlichen Anwendungen aus den App-Stores ist nach Angaben der Firma die Auswertung der Daten: Die Software bereitet sie in Diagrammen und Übersichten auf. Die Aufzeichnungen sollen Ärzten helfen herauszufinden, unter welcher Art von Asthma ein Betroffener leidet und eine individuellere Therapie ermöglichen. Zusätzlich gibt die App dem Nutzer Hinweise zu Verbesserungen seines Alltags.  „Es gibt keine andere Komplettlösung, so wie wir sie entwickeln.“, sagt Andreas Thom „Ich kann sehen, ob alles in Ordnung ist. Die App warnt, wenn ich Gefahr laufe, in einen Anfall hineinzukommen.“

Thom weiß aus Erfahrung, dass vieles von dem Wissen aus der einmaligen Schulung für Asthmatiker rasch wieder vergessen ist. Wenn Patienten in der Regel alle drei bis sechs Monate ihren Arzt aufsuchen, können sie oft nicht so genau sagen, wie sich ihr Zustand verändert hat. Viele Patienten können die Therapie im Alltag nicht richtig umsetzen, meint Benedikt Gnadt. „Die Therapietreue liegt unter 30 Prozent.“

Die App wird nach Angaben des Start-ups fortlaufend mit Patienten getestet. Derzeit laufe ein Beta-Test mit Asthmatikern. Gesucht werden weitere Betroffene, die die App testen wollen. „Die Hoheit über die Daten liegt bei den Patienten“, erklärt Benedikt Gnadt. Das Unternehmen will sich den Datenschutz zertifizieren lassen. Es strebt eine Zulassung der App als Medizinprodukt in diesem Jahr an. Mit ersten Kassen sei man im Gespräch, sagen die Gründer. Noch im ersten Quartal diesen Jahres soll die Anwendung auch in den App-Stores erhältlich sein – zunächst für Android-Geräte. Künftig soll auch ein digitales Lungenfunktionsmessgerät Werte an die App übermitteln können. Das hat sich breazy-health auf die To-do-Liste geschrieben.

Wer die App testen möchte, kann sich hier anmelden: https://breazy-health.com/betatester/

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