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Im Disneyland in Kalifornien ist "Star Wars: Galaxy’s Edge" eröffnet worden, eine lang erwartete neue Themenwelt. Kann man sich dort als Fan wie ein echter Jedi-Ritter fühlen? Ein Selbstversuch.

Galaxy´s Edge
Die neue "Star-Wars"-Welt im Disneyland

Kuschelige Kultfigur: Chewbacca ist einer der Filmhelden, denen Besucher in «Star Wars: Galaxy’s Edge» im kalifornischen Anaheim begegnen.
Kuschelige Kultfigur: Chewbacca ist einer der Filmhelden, denen Besucher in «Star Wars: Galaxy’s Edge» im kalifornischen Anaheim begegnen. © Foto: Disneyland Resort
dpa / 07.06.2019, 16:23 Uhr
Anaheim "Oh mein Gott, Chewbacca!", ruft eine amerikanische Touristin, als sie auf die zottelige Kreatur vom Volk der Wookies trifft. Er sieht tatsächlich aus wie im Film. Zwei Meter, braunes Fell. Und er macht seinen unvergleichlichen Sprechlaut, dieses wehmütige Röhren, das stets gleich klingt und alles heißen kann. Bevor die Amerikanerin ein Foto machen kann, schreitet die Weltraumlegende eilig davon, offenbar in wichtiger Mission.

Dass Chewbacca nicht handzahm für ein Touristenfoto posiert, ist Absicht. Die Figuren des neuen Themenbereichs "Star Wars: Galaxy’s Edge" im kalifornischen Disneyland in Anaheim sollen dem Besucher das Gefühl vermitteln, leibhaftig ins "Star-Wars"-Universum einzutauchen.

Disney zufolge handelt es sich um die bislang größte Erweiterung des Parks. Die Kosten: angeblich eine Milliarde US-Dollar (890 Millionen Euro). Als "Star Wars: Galaxy’s Edge" am 31. Mai öffnete, herrschte in Anaheim Volksfeststimmung. Ähnlich könnte es in Orlando sein, wo der gleiche Themenbereich Ende August aufmachen soll.

Das hat auch mit dem Mythos zu tun, den die Freizeitparkattraktion zum Leben erweckt. Von vielen popkulturellen Phänomenen heißt es, sie seien angeblich Kult. Für die Weltraumsaga von Georg Lucas, dessen erster Teil ("Krieg der Sterne") 1977 in die Kinos kam, gilt das definitiv.

"Star Wars" erzählt die älteste Geschichte der Welt: Gut gegen Böse. Auf der einen Seite das faschistisch anmutende Imperium: ein dunkler Lord mit gesichtslosen Sturmtruppen und dem unbedingten Willen zur Macht und Vernichtung. Auf der anderen Seite die Jedi-Ritter, Hüter des Friedens in der Galaxis, die sich der metaphysischen "Macht" bedienen, die alle lebenden Dinge durchdringt.

Die religiösen Bezüge sind offensichtlich. "Star Wars" war immer auch ein Transzendenzangebot. Zum Beispiel für vorpubertäre Jungen und Mädchen, die eher keine Lust auf Kirche haben. Und für große Kinder: Es gibt angeblich zigtausend Erwachsene, die sich zum sogenannten Jediismus bekennen. Das ist vielleicht der Unterschied des "Star-Wars"-Areals zu den anderen Fantasiewelten im Disneyland: Viele Eltern haben womöglich ebenso sehnsüchtig darauf gewartet wie ihre Kinder.

Doch kann man der Magie der Weltraumsaga in einem Disney-Themenpark nachspüren? Die Walt Disney Company, die die Produktionsfirma Lucasfilm 2012 für gut vier Milliarden Dollar kaufte, hat viel dafür getan, damit Besucher sich wirklich "in einer weit, weit entfernten Galaxis" wähnen, wie es im Kult-Intro der Filmreihe heißt.

Zunächst einmal wurde das Areal von der Außenwelt abgeschirmt. Der Blick fällt nur auf "Star-Wars"-Kulissen mit Patina-Ästhetik, die perfekt zu all den halbseidenen Raumhäfen passt, die in den Filmen wichtige Schauplätze der Handlung sind. Auch das übrige Disneyland ist nicht zu sehen. Nichts soll die Illusion trüben.

Die Macher des "Star-Wars"-Areals verorten den Besucher im Raumhafen Black Spire Outpost auf Batuu, einem abgelegenen Planet am Rande der Galaxis, kontrolliert von der bösen Ersten Ordnung - aber auch ein Unterschlupf des Widerstands. Fans sind gleich im Bilde.

Jeder Parkmitarbeiter steckt hier in einem Kostüm und spielt eine Geschichte. Man begegnet Händlern, Schmugglern, Kopfgeldjägern,  Rebellen, Sturmtruppen und dem düsteren Kylo Ren. Der größte Hingucker ist der Millennium Falke, das legendäre Raumschiff des gutherzigen Haudegens Han Solo (Harrison Ford) und seines Wookie-Copiloten Chewbacca. Der Falke wurde laut Disney zum ersten Mal originalgetreu nachgebaut und trägt sogar Blaster-Spuren.

Überhaupt ist die Liebe zum Detail bemerkenswert. Auf den Gehwegen sieht man seltsame Spuren: Bevor der Bodenbelag ausgehärtet war, ließ man einen Nachbau des Kult-Droiden R2D2 durch den Zement fahren. Überall gibt es Referenzen aus dem "Star-Wars"-Universum. Wer schon immer wie Luke Skywalker blaue Weltraum-Milch trinken wollte, kann dies in der Cantina des Raumhafens tun. Kein Coca-Cola-Becher bricht dort mit der Fiktion, mitten im Film zu sein.

Dass man sich trotz allem in einem Vergnügungspark befindet, wird im bislang einzigen Fahrgeschäft der neuen Themenwelt deutlich: "Millennium Falcon: Smugglers Run". Nach einer Dreiviertelstunde Anstehen wünscht man sich den Hyperraumantrieb herbei, fühlt sich jedoch bloß an die Immigration-Warteschlange am Flughafen von Los Angeles erinnert. Sehr irdisch. Schlussendlich landet man in einem Flugsimulator, der an ein hektisches Videospiel erinnert und eher wenig Nostalgie aufkommen lässt. Ende des Jahres soll mit "Rise of the Resistance" ein weiteres Fahrgeschäft aufmachen.

Bei der Wahl der Souvenirs kann sich der Fan nun entscheiden, ob er der hellen oder dunklen Seite der Macht folgt: Jedi-Roben gibt es ebenso zu kaufen wie den schwarzen Umhang der bösen Sith-Lords. Insgesamt stehen laut Disney fast 700 Andenken zur Auswahl, von der Jedi-Vollmontur bis zu den Zufallswürfeln des zwielichtigen Händlers Watto auf Tatooine. In Savis Werkstatt können sich Fans ein Lichtschwert nach eigenen Wünschen entwerfen lassen, die Waffe der Jedi. Das kostet 200 Dollar. Modelle von der Stange sind günstiger. Und im Droiden-Depot lässt sich ein Heim-Roboter aus verschiedensten Bauteilen individuell zusammenstellen.

Eines wird in dem neuen "Star-Wars"-Land sofort klar: Die Besucher sollten möglichst viel kaufen. Hinter der überwältigenden Optik des Themenbereichs verbergen sich am Ende vor allem - Shops.

Ist "Star Wars: Galaxy’s Edge" also doch nur der alte Disney-Kommerz? Kommt das "Star-Wars"-Gefühl auf? Sollte man es zumindest einmal probieren? Vielleicht muss man hier Meister Yoda bemühen, den weisesten Jedi: "Tu es. Oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen."

Der neue "Star-Wars"-Themenbereich ist im Ticket für den Park enthalten. Die Preise für das Tagesticket für Disneyland schwanken je nach Datum zwischen 104 und 149 Dollar (rund 92 bis 132 Euro), für die kommenden Wochen sind nur noch Tickets der teuersten Kategorie erhältlich. Bei Mehrtagestickets sinkt der Preis pro Tag. Noch bis 23. Juni brauchen alle Besucher von "Galaxy’s Edge" eine Reservierung. Wer in einem der drei Disney-Hotels übernachtet, bekommt diese automatisch. Nach diesem Zeitraum ist das Areal für alle übrigen Besucher zugänglich.

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