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In Seefeld können Besucher historische Empfängergeräte und Musiktruhen in passendem Ambiente bestaunen. Nächstes Jahr wird Geburtstag gefeiert.

Technikgeschichte
Radiomuseum bereitet sich auf Geburtstag vor

Kerstin Ewald / 07.08.2019, 21:01 Uhr
Seefeld (MOZ) Im Dezember 1920 übertrug der Sender Königs Wusterhausen der Reichspost ein Weihnachtskonzert. Es war eine der ersten öffentliche Übertragungen in Deutschland und ein bedeutender Meilenstein zur Entwicklung des öffentlichen Rundfunks. Nächstes Jahr wird die Sendetechnik und die Institution Radio 100 Jahre alt. Das Seefelder Radiomuseum will mitfeiern und auch einen Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung des Jubiläums leisten. Dies erzählt Frank Frohberg, Vorsitzender der "Fred-Frohberg-Stiftungssfördergesellschaft". Der Verein betreibt das Radiomuseum im Werneuchener Ortsteil Seefeld. Vor zwölf Jahren übernahmen die Radiofans die alte Seefelder Schule und bauten ihre Sammlung, die sie bereits 1993 begonnen hatten, weiter aus. Die Radios, Musiktruhen und das riesige Schellackplatten-Archiv – vorher auf zwölf Lager in Berlin und Brandenburg verteilt – konnten endlich an einen Ort gebracht werden.

"Zum Radiogeburtstag wollen wir auf jeden Fall auch Besucher von Berlin in unser Museum locken", so Frank Frohberg, dem die Vorfreude bereits anzumerken ist, "wir haben dazu schon Gespräche mit dem Museum für Kommunikation Berlin aufgenommen." Er und seine Mitstreiter wollen dann nicht nur einen Teil ihrer 1000 Empfängergeräte aus 100 Jahren Radiogeschichte, die unzähligen Musiktruhen und Tonbandgeräte vorführen. "Uns geht es vor allem darum den Besuchern den Mythos Radio erfahrbar zu machen", erklärt der Museumsmacher Frohberg. Erlebniswert hat auch das Club-Café, das die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder mit Originalmöbeln aus den 30er, 40er und 50er Jahren eingerichtet haben. Cocktail-Sesselchen und gepunktete Tischdecken gehören dazu. "Wir können die Leute immer verblüffen, wenn wir ihnen Musik aus den 1957 gebauten Boxen vorspielen", freut sich Frohberg, "weil die bereits so modern klingen."

Der erste Kunststoff hieß Bakelit

Gerade sind die leidenschaftlichen Radiofans dabei, die Radios im Raum auszutauschen. Denn sie wollen die Geräte aus dem allerersten Kunststoff namens Bakelit in den Vordergrund der Ausstellung rücken. Aus ihm waren zum Beispiel die Gehäuse der ersten schwarzen Telefone. Das Material löste die Werkstoffe Holz und Elfenbein ab und machte die Geräte für einen größeren Personenkreis erschwinglich. "Aus dem Stoff auf Basis von Phenol und Formaldehyd wurden Radios und alle möglichen Geräte gebaut", erklärt der studierte Chemiker Frohberg. Die Phenole haben allerdings auch die Gewässer vergiftet. Bakelit wird dieses Jahr schon 100 Jahre alt.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Frank Frohberg einen Funken seiner Radiobegeisterung von seinem Vater Fred Frohberg mit auf den Weg bekam. Denn der 1925 geborene Künstler ist zusammen mit dem Radio groß geworden, spielte beim Rundfunktanz-Orchester, beim Orchester Kurt Henkels und ist als Schlagersänger einem großen Publikum bekannt. Sein Sohn Frank, heute in Pension und ehrenamtlicher Museumsmacher, wollte einst Toningenieur werden. Weil das nicht klappte, studierte er zu DDR-Zeiten Chemie. Er arbeitete in der Qualitätssicherung einer Brauerei und als Industrietoxikologe im Gesundheitswesen. Nebenbei war er DJ und bastelte an Audiotechnik. Neben einem Aufbaustudium und seiner Arbeit absolvierte er in den 80er Jahren ein Praktikum beim Rundfunk und hatte sich fast zu seinem Traumberuf vorgearbeitet.

Die Wende kam wie ein Erdbeben

Die Wende schüttelte das Leben von Frank Frohberg wie das vieler Menschen wie ein Erdbeben durcheinander. Sein Aufbaustudiengang wurde abgewickelt, ebenso wie der Rundfunk der DDR. Der Traum von einer Arbeit im Tonstudio war ausgeträumt. Stattdessen folgten befristete Stellen, auch in fachfremden Bereichen. Er schlug sich mit dem Jobcenter herum und kämpfte um seine Würde. "Mit dem Radiomuseum habe ich mir spät einen Bereich erarbeitet, der mir große Freude bereitet." Die Anerkennung von seinen Mitstreitern und den staunenden Besuchern ist ihm dabei gewiss.

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