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Reiseland Indien
Zwischen Stille und Lärm in Kalkutta

Kalkutta ist eine belebte Stadt. Nahe der Howrah Bridge teilen sich Fußgänger, Autofahrer und Händler die Straße.
Kalkutta ist eine belebte Stadt. Nahe der Howrah Bridge teilen sich Fußgänger, Autofahrer und Händler die Straße. © Foto: Andreas Drouve/dpa
dpa / 24.09.2019, 14:41 Uhr
Kalkutta (dpa) Ein Armenhaus, Bettlertrauben, Dreck ohne Ende? Weit gefehlt: Kalkutta im Osten Indiens hat mehr zu bieten. Eindrücke aus einer bunten und lebendigen Stadt.

Tak. Tak tak tak. Kann das sein? Die klackenden Geräusche, die die Arkaden gegenüber des Gerichtsgebäudes erfüllen, klingen für Besucher aus Europa wie aus einer anderen Zeit. Tak tak. Tak tak. Galten die Geräte nicht längst als ausgestorben? In der indischen Metropole Kalkutta gehören die Schreibmaschinen zum Alltag.

Heute fällt vielen bei der Metropole, die offiziell Kolkata heißt, als erstes Mutter Teresa (1910-1997) ein. Die Ordensschwester kümmerte sich in Kalkutta um die Armen und prägte damit auch das Bild der Stadt nachhaltig. Allerdings ist Kalkutta mehr als nur Armut.

Die Stadt ist lebendig und lebensfroh: Überall begegnet man einem Lächeln, an Markt- und Straßenständen, in Linienbussen, in der Metro. Gegenüber Fremden sprühen die Einheimischen vor Neugier, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit.

Hupen aus Langeweile

Die Lebendigkeit drückt sich auch in der Betriebsamkeit aus, zum Beispiel früh morgens auf dem Blumenmarkt, wenn sich schwer beladene Lastenträger ihre Wege durchs Gedränge bahnen. Oder jederzeit auf der Howrah Bridge, eine der meistfrequentierten Brücken Asiens.

Täglich sollen es über eine Million Menschen sein, die auf der Brücke in Linienbussen, Taxis, Lastern, Autos, zu Fuß, mit Karren oder Rädern über den Hooghly, einen Mündungsarm des Ganges ziehen. Begleitet von Hupkonzerten. Gemeint ist das hier nicht böse. Vielmehr ist Hupen für viele Autofahrer eher ein Zeitvertreib.

Erinnerungen an die Friedensnobelpreisträgerin

Besonders laut ist es in der AJC Bose Road. Fast jedes Auto hupt vor dem Stammsitz der Missionarinnen der Nächstenliebe, wo Begründerin Mutter Teresa ihre letzte Ruhe fand. Bis zum ihrem Grab dröhnt der Lärm heran. Selbst in dem Museumsraum, wo man mehr über das Leben der Friedensnobelpreisträgerin erfährt, ist der Lärm zu hören.

Ehrfürchtig harren Gläubige vor persönlichen Gegenständen in Vitrinen aus, einem Taschentuch der Heiligen, ihrer grauen Reisetasche, Spritzen und Nadeln in einem Kästchen für ihre Bluttests, den Sandalen. Schwarzweißfotos zeigen eine junge Frau: Agnes Gonxha, lange bevor sie Mutter Teresa wurde.

Orte der Stille sind auch zu finden

Aber Kalkutta ist nicht nur laut. Es gibt auch leise Ecken, das Töpferviertel Kumartuli zum Beispiel. Hier zeigt sich die Millionenstadt von der ländlichsten Seite, ein Kalkutta mit Dorfcharakter. In kühlen, kleinen Werkstätten formen Künstler wie Shankar Paul und Bhola Paul Skulpturen in Klein- und Großformat. Für den Hausgebrauch, Feste, Museen. Hindugötter sind bei den Motiven ebenso vertreten wie Mahatma Gandhi.

Stille findet man auch im Botanischen Garten, in der anglikanischen Kirche St. John’s, in den Parkanlagen beim Königin Victoria Memorial, am Fluss beim Hindutempel Dakshineswar Kali. Dort tauchen Menschen in die trübe Brühe der heiligen Gangeswasser, füllen Kanister und Flaschen für daheim ab, beten.

So wie Dhar Souvik, 25, Assistent in einer Dentalklinik. Heute ist er zum Tempel und an die Ufer gekommen, weil es seinem Vater schlecht geht. Er blinzelt über dem breiten Strom in die untergehende Sonne und sagt: "Hier spüre ich Frieden, eine tiefe Entspannung."

Kalkutta

Reiseziel: Kalkutta liegt im indischen Bundesstaat Westbengalen.

Anreise und Formalitäten: Von Deutschland aus fliegen die großen Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air India nach Indien. Auf dem Weg nach Kalkutta ist meist ein Zwischenstopp nötig. Touristen brauchen für die Einreise einen gültigen Reisepass und ein Visum, das auch online beantragt werden kann.

Zeitunterschied: Viereinhalb Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ).

Reisezeit: Die beste Reisezeit ist von Dezember bis März. Am heißesten ist es im Vormonsun von April bis Juni.

Auskunft: Indisches Fremdenverkehrsamt, Baseler Straße 48, 60329 Frankfurt/Main (Tel.: 069 - 242 94 90, Fax: 069 - 242 94 977, E-Mail: <info@india-tourism.com>).

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