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Kuriose Ausflugsziele
Von Pyramiden bis zur Mumie

Eine Pyramide im Park? In Branitz gibt es gleich zwei davon. Eine im Park und eine im Wasser.
Eine Pyramide im Park? In Branitz gibt es gleich zwei davon. Eine im Park und eine im Wasser. © Foto: TMB/Rainer Weisflog
MOZ / 09.10.2019, 15:09 Uhr - Aktualisiert 09.10.2019, 17:45
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wo bitte geht’s nach Croustillier? Ist das nicht ein Ort in Frankreich? Weit gefehlt, das Dorf liegt am äußersten Rand Brandenburgs im Oderbruch. Nicht weit von dort steht die wohl kleinste Galerie der Welt oder man begegnet Pyramiden am Wegesrand. Und in Brandenburg kann man sogar ein "Turm-Diplom" machen oder besondere Mühlen bestaunen. Diese und weitere kleine Fundstücke haben wir zusammengetragen – für den nächsten, etwas anderen Ausflug nach Brandenburg.

Scheunenwindmühle Saalow

Die Schubertsche Scheunenwindmühle Saalow im Fläming ist in ihrer Art weltweit einmalig. Sie wurde vor rund 150 Jahren von Johann Traugott Schubert in Podemus, einem kleinen Ort in der Nähe von Dresden, erbaut. Erst seit etwa 20 Jahren befindet sich die Mühle in Saalow, einem Ortsteil der Gemeinde Mellensee. Das Besondere zeigt sich schon in der Gestalt der Mühle. Die Scheunenwindmühle hat kein gewöhnliches Windrad mit vier Flügeln – vielmehr sind die Windräder fest in das Mühlengehäuse eingebaut, was ihr eine außergewöhnliche Gestalt verleiht.

Holländermühle Straupitz

Die Straupitzer Holländerwindmühle ist die letzte und einzige verbliebene "Dreifachmühle" in Europa. Unter einem Dach sind dort drei original erhaltene und wieder betriebsfähig restaurierte Mühlengewerke vereint: die Mahl-, Öl- und Sägemühle. Ein Mühlenverein betreibt dieses aufwändig restaurierte und technische Kleinod im Spreewald. So sägt die Mühle mit urigem, seltenem Horizontalgatter Baumstämme bis zu einem Meter Dicke und presst mit 100-jähriger Technik täglich das berühmte Leinöl. Es wird nur hier in Deutschlands letzter original betriebener historischer Leinölmühle hergestellt und verkauft. Es ist nicht im Handel erhältlich. Wer möchte kann sich das Leinöl aber auch nach Hause schicken lassen.

Feldstein-Pyramide Garzau

Pyramiden in Brandenburg? Stehen die nicht normalerweise in Ägypten? Nein, nicht nur – auch in hiesigen Regionen gibt es sie. Zwar nicht in solch großen Dimensionen wie am Nil, aber trotzdem beeindruckend. Ganz in der Nähe der Ortschaft Garzau am Beginn des Naturparks Märkische Schweiz steht sie. Mitten im ehemaligen Landschaftspark thront sie auf einem Hügel, umgeben von hohen Kiefern. Die Feldsteinpyramide ließ Graf Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau 1764 errichten. Er war Offizier der preußischen Armee sowie Kartograph und plante sie damals als Begräbnisstätte. Das Innere war zu seiner Zeit mit Skulpturen und Wandmalereien geschmückt. Als der Graf allerdings das Gut Garzau im Jahr 1802 wieder verkauft hatte, verfiel der Park und die Natur holte sich nach und nach den geschaffenen Landschaftsgarten inklusive der Pyramide wieder zurück. Nur das Portal der Pyramide wurde gerettet und 1815 an die St. Marienkirche ins nahe gelegene Strausberg versetzt. Sie diente 2008 als Vorbild für die Kopie des Portals in Garzau. Bereits acht Jahre zuvor hatte sich ein Förderverein gegründet, der innerhalb von zehn Jahren dieses ungewöhnliche Bauwerk an gleicher Stelle wieder aufbaute.

Pyramide Branitzer Park

Eine Pyramide ganz anderer Art steht im Branitzer Park in Cottbus. Mit Wein berankt steht sie inmitten eines kleinen Sees. Es ist eine Form, die man hier nicht in einem Landschaftsgarten erwartet. Und im Branitzer Park stehen gleich zwei davon – eine an Land und jene im Wasser. An dieser Stelle liegen der Fürst und seine Gemahlin begraben wie an dem Kreuz auf dem Feldstein mit Aufschrift auf einer kleinen vorgelagerten Insel zu erkennen ist. Angelegt wurde dieser Park von Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Er war Unternehmer, Schriftsteller sowie zugleich Lebenskünstler und hat bis zu seinem Tod im Schloss Branitz gelebt. Geblieben ist bis heute neben dem Schloss der herrlich weitläufige Park – eine grüne Oase am südöstlichen Rand der Stadt. Der Branitzer Park ist nur wenige Kilometer vom Spreewald entfernt und zählt zu den schönsten Gartenlandschaften Europas. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail ist vom Fürsten gestaltet worden.

Kleinste Galerie in Regenmantel

Die Schilder mit den kuriosen Ortsnamen sind dabei nicht das einzig Sehenswerte, beispielsweise Regenmantel bei Falkenhagen im Seenland Oder-Spree. Das kleine Dorf, 1745 errichtet, ist einen Ausflug wert, denn hier steht Deutschlands kleinste Galerie. Genauer gesagt in einem alten, stillgelegten Trafo-Häuschen, das Michael Pommerening zu einem Ausstellungsraum umgebaut hat und damit vor dem Abriss bewahrte. Die Ausstellungsfläche beträgt ganze 3,27 Quadratmeter. Und weil die Idee so gut ist, sind bereits zwei weitere Kleinst-Galerien hinzugekommen: Trafo 2 in einem ehemaligen Wiegehäuschen in Dogelin und Trafo 3 in einem Trafohaus in Reitwein.

Ritter Kalebuz: Brandenburgs Antwort auf den Ötzi

Die Legende ist spannend: Im Jahr 1690 wird Ritter Cornet Christian Friedrich von Kalebuz des Mordes verdächtigt, vor Gericht aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Dabei soll er gesagt haben: "Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nicht verwesen." Im Jahr 1794 wollte man die Gruft neben der Kirche abreißen und entdeckte dabei, dass die Leiche des Ritter nicht verwest, sondern mumifiziert war. Das wissenschaftliche Rätsel der über 300 Jahre alten Mumie ist bis heute ungelöst, selbst nicht von renommierten Medizinern. Die Gruft mit der Mumie in Kampehl bei Neustadt/Dosse kann bei einer Führung besucht werden.(tmb/db)

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