Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mietrecht
Vermieter kann Schadenersatz bei Teilrenovierung fordern

Weil ein Mieter beim Auszug eine teilrenovierte Wohnung hinterlassen hat, klagte die Vermieterin auf Schadensersatz.
Weil ein Mieter beim Auszug eine teilrenovierte Wohnung hinterlassen hat, klagte die Vermieterin auf Schadensersatz. © Foto: Markus Scholz/dpa
dpa / 17.10.2019, 13:43 Uhr
Karlsruhe (dpa) Bricht ein Mieter die Renovierung eines Hauses mitten in der Arbeit ab, kann der Vermieter Anspruch auf Schadenersatz haben.

Alte und kaputte Tapeten können aber so viel an Wert verloren haben, dass nur ein geringer Schaden entstanden ist.

Das berichtet die Zeitschrift "Das Grundeigentum" des Eigentümerverbandes Haus & Grund Berlin (Nr. 19/2019). Sie verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, Az.: VIII ZR 263/17). Gerichte müssen deshalb auf das Alter und den Zustand der angeblich beschädigten Sache eingehen. Vermieter sind in der Beweispflicht.

Landgericht: Teilabriss schränkt Vermieterin ein

Im verhandelten Fall hatte die Vermieterin dem Mieter erlaubt, das Haus zu renovieren. Dafür entfernte er einige Tapeten. Als der Mieter erfuhr, dass das Haus verkauft werden sollte, stellte er die Arbeiten ein. Später endete das Mietverhältnis, und der Mieter zog aus. Die Vermieterin klagte auf Schadenersatz.

Das Landgericht sprach ihr in zweiter Instanz 80 Prozent der Kosten für die Neutapezierung der betroffenen Wände zu. Denn der Mieter habe in die Entscheidungsfreiheit der Vermieterin eingegriffen. Ohne den Teilabriss hätte sie die Wohnung nach Ansicht des Gerichts unrenoviert weitervermieten können oder sich mit dem Nachmieter einfacher darauf einigen können, dass dieser die Renovierung übernimmt.

BGH: Verschlissenes kann nicht fast Neuwert haben

Den BGH überzeugte das nicht: Zwar könne ein Schaden entstehen, wenn ein Mieter Tapeten entfernt, ohne neue anzubringen. Für die Höhe des Schadens sei aber der Zustand und das Alter der vorherigen Tapete wichtig. Darauf müsse das Gericht eingehen. Im verhandelten Fall war die Tapete laut Mieter rund 30 Jahre alt, mehrfach überstrichen und habe sich bereits teilweise gelöst. Sie sei deshalb wertlos gewesen. Als Klägerin musste die Vermieterin den Schaden und seine Höhe beweisen.

Den Ansatz von 80 Prozent der Kosten hielt der BGH für nicht nachvollziehbar. Damit sei der Wert einer völlig verschlissenen Dekoration fast mit dem Neuwert angesetzt worden. Das Landgericht muss nun erneut über die Schadenshöhe entscheiden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG